Mit drei Hammerschlägen

Lokales
Kirchenthumbach
16.10.2015
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"Am Sonntag feierte die evangelische Bevölkerung Kirchenthumbachs einen denkwürdigen Tag. In den Nachmittagsstunden wurde der Grundstein für die neue Gemeindekirche gelegt. Zu diesem Freudentag der evangelischen Christen waren viele Glaubensbrüder von nah und fern gekommen."

Diese Sätze setzte ich an den Anfang meines Berichts, den der "Neue Tag" am Dienstag, 19. Oktober 1965, veröffentlichte. Das 50-jährige Bestehen der Johanneskirche wird 2015/2016 mit einem Jubiläumsjahr gefeiert; der Startschuss fällt am Sonntag, 18. Oktober, mit einem Festgottesdienst.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hatten viele Menschen aus Angst vor den Russen ihre Heimat verlassen und waren westwärts geflohen. Viele von ihnen zogen nach Bayern, auch Kirchenthumbach wurde zu einem der Zufluchtsorte. Während ältere Bürger und Neuankömmlinge nur langsam zueinander fanden, ging das bei uns Kindern etwas schneller. Bald waren wir mit den neuen Mitschülern ganz eng befreundet.

Gewundert haben wir uns nur, dass einige der "Neuen" immer die Klasse verließen, wenn Religion angesagt war. Fragen nach dem "Warum" beantwortete unser Pfarrer Josef Bollmann mit dem Hinweis, dass die Kinder "lutherisch", also evangelisch, seien.

Dies tat der Freundschaft mit ihnen nicht weh, da unser Pfarrer den Evangelischen sogar die Bergkirche für ihre Gottesdienste überließ. Bedenken älterer Thumbacher wischte er weg: "Döi glaam an den gleich'n Herrgott wöi mir a, blous ihre Gottesdienste san net ganz su feierlich wöi die unsern", sagte er, und die Sache war erledigt.

Mit finanzieller Hilfe

Trotz dieses Entgegenkommens der katholischen Pfarrei bestand bei der evangelische Gemeinde der Wunsch nach einer eigenen Kirche. Ihm kam sie näher, als am 24. April 1962 im Baugebiet "Am Nickelsee" ein Grundstück erworben wurde; Marktgemeinde und Landeskirchenrat leisteten dabei Hilfe. Der Weidener Architekt Hans Zitzmann wurde mit der Planung beauftragt, und am 1. September 1965 begannen die Erdarbeiten. Die Maurerarbeiten übernahm die Firma Kneidl aus Grafenwöhr.

Urkunde und Münzen

Schon am 17. Oktober 1965 war Grundsteinlegung. Ehrengäste waren die Kirchenräte Gottfried Probst aus Weiden und Gerhard Kübel aus Bayreuth, Landrat Josef Decker, Schulrat Josef Kamhuber, die Bürgermeister Alois Lotter aus Kirchenthumbach und Walter Ficker aus Eschenbach sowie die Pfarrer Adolf Schultes aus Kirchenthumbach und Josef Jungtäubl aus Eschenbach.

"Möge in diesem Gotteshaus zu aller Zeit das reine Evangelium verkündet, die Sakramente stiftungsgemäß verwaltet werden und sich unter dem Kreuz ihres Herrn eine gläubige Gemeinde zum Lobe Gottes zusammenfinden": So lautet der Text der Urkunde, die, versehen mit den Unterschriften von Pfarrer Friedrich Goes und aller Mitglieder des Kirchenvorstands in einer Kupferhülse in den Grundstein eingemauert wurde. Die Hülse enthielt außerdem alle damals im Umlauf befindlichen Geldmünzen der Bundesrepublik sowie je eine Ausgabe der Sonntagszeitung und der Tageszeitungen.

Drei Hammerschläge aller Ehrengäste, das von den Gläubigen gemeinsam gebetete Vaterunser und der Dank von Pfarrer Goes an alle, die zum Gelingen des Tages einen Beitrag geleistet hatten beendeten die beeindruckende Feier. Musikalisch hatte diese der Posaunenchor Eschenbach/Mittelfranken mitgestaltet.
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