Nahrhaft und sehr giftig

Ein Imker, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Russland in Gefangenschaft war, machte den Riesenbärenklau in Kirchenthumbach heimisch - als ideale Futterquelle für seine Bienen. Für Menschen stellen Stängel und Blätter bei Berührung eine Gefahr dar. Bild: ü
Lokales
Kirchenthumbach
29.06.2015
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Sie steht zurzeit in voller Blüte. Doch Vorsicht ist geboten. Menschen sollten einen großen Bogen um den Riesenbärenklau, eine in unserer Gegend eher seltene Pflanze, machen.

Zu finden sind Exemplare des Gewächses Heracleum mantegazzianum im Straßengraben auf halber Höhe zwischen Kirchenthumbach und Asbach. Die Pflanze, die bis zu drei Meter hoch wird und deren Blätter meterbreit werden, hat einen gefurchten, kantigen, steifhaarigen Stängel.

Da die Lebensdauer des Riesenbärenklaus auf zwei Jahre beschränkt ist, bildet er - wie fast alle kurzlebigen Pflanzen - in seinen ausladenden Dolden eine Vielzahl höchst giftiger und gefährlicher Samen aus. Diese sind in der Lage, den Bestand zu erhalten, auch wenn viele von ihnen auf ungünstigen Boden fallen.

Reichlich Nahrung

Fachleute rätseln noch immer, wie die nur im Kaukasus heimische Pflanze stellenweise in die deutsche Flora gekommen ist. Für Kirchenthumbach gibt es dafür eine Antwort: Der Riesenbärenklau wurde von einem Imker gesät, der nach dem Zweiten Weltkrieg in russischer Gefangenschaft war: Die Pflanze gibt mit ihren riesigen Blütendolden reichlich Nahrung für Bienen ab.

Aber auch Wespen, Saugkäfer und Schmetterlinge ernährt sie. Doch die ideale Futterquelle für Insekten hat auch ihre Nachteile: Der Riesenbärenklau ist in hohem Maß giftig. Aus seinem Stängel löst sich eine Flüssigkeit, die als Berührungsgift bezeichnet werden kann. Kommen das Gift oder die kleinen Haare der Blätter mit der Haut in Berührung, so kommt es zu Entzündungen.

Schon geringes Tageslicht ohne Sonne reicht bei einem Menschen, der mit der Flüssigkeit in Kontakt kam aus, an der betroffenen Stelle einen gewaltigen Sonnenbrand zu verursachen. Dieser beginnt mit einer entzündlichen Rötung und setzt sich mit Blasen fort. Damit aber noch nicht genug: Die Haut färbt sich anschließend braun bis schwarzbraun, die Abdrücke der Pflanzenteile lassen sich noch monatelang erkennen.

Sollte einem Kaninchenzüchter einmal das Futter ausgehen, dem sei gesagt, dass die Blätter des Riesenbärenklaus von den Tieren gerne gefressen werden. Scheinbar ist die Kaninchenzunge gegen das Gift immun - ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich doch die Lebewesen reagieren. Will man den Riesenbärenklau bekämpfen, genügt einfaches Mähen nicht. Auch eine wiederholte Mahd führt nicht immer zum Absterben. Fachleute empfehlen, die Pflanze auszugraben.
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