Nur "Knecht der Regierung"

Gut besucht war die Bürgerversammlung im Thumbeck-Saal - und auch die lebhafte Diskussion war so richtig nach dem Geschmack vieler Zuhörer. Bild: do
Lokales
Kirchenthumbach
20.11.2015
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Eine "Jetzt-red-I-Runde" mit viel Information - das war die Bürgerversammlung im Thumbeck-Saal. Sie stieß auf lebhaftes Echo. Aber auch gepfefferte Kritik blieb nicht aus. Die Kirchenthumbacher zeigten keine Scheu vor denen da oben - weder vor der Rathaus-Spitze, noch vor Bürgermeister Jürgen Kürzinger und den Marktgemeinderäten.

Rasch war aus Sicht einiger Besucher der Eindruck vom "guten Mann da drin im Rathaus" verflogen, als Kürzinger eher als Randnotiz den Eingang des Planfeststellungsbeschlusses der Regierung zur Trassenführung der Umgehung der Staatsstraße 2120 verkündete. Der Bürgermeister ahnte schon Ungemach, als er zugab: "Das ist ein brandheißes Thema." Kaum hatte er seine erste Einschätzung zum Bescheid - "es hat sich nicht viel geändert" - kundgetan, kam prompt die Reaktion.

Bruno Geyer zweifelte an der sachlichen Bewertung der Marktgemeinde. Als Sprecher der Anlieger entlang der geplanten Trasse zeigte er sich von der Aussage Kürzingers überrascht und kritisierte die Heimlichkeit, mit der im Vorfeld der Regierungsentscheidung im Bauausschuss in nichtöffentlicher Sitzung über die Umgehung beraten worden sei. "Der Bauausschuss hat über die Köpfe der Anlieger hinweg entschieden".

Geyer wusste von der Bereitschaft der Regierung der Oberpfalz, durch das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach eine alternative Trassenführung prüfen und ausarbeiten zu lassen. Die Regierung sei einverstanden gewesen, von der Wohnbebauung abzurücken, zitierte der Anlieger aus einem Schreiben aus Regensburg. "Der Markt wurde gehört", stellte er fest und fragte nach: "Was hat daraufhin der Markt in geheimer Mission beschlossen?"

"Nicht in meiner Macht"

Mit den Worten "ich darf nichts sagen" verwies der Bürgermeister zunächst auf die Geheimhaltungspflicht für in nichtöffentlichen Sitzungen getroffene Entscheidungen. "Das Ganze steht nicht in meiner Macht", merkte er schließlich an. Kürzinger verriet nur so viel: "Der Bauausschuss hat nicht über die Gesamttrasse beraten, sondern über ein Grundstücksgeschäft im Zusammenhang mit der Planung."

Alfred Rauch, der Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, berichtete "nach einem ersten Blick" in den Feststellungsbeschluss von einer Abwägung bei der Trassenführung. In dieser komme die Regierung zu dem Ergebnis, dass auch eine Alternativtrasse keine wesentlichen Vorteile für die Anlieger bringe.

Rauch wies darauf hin, dass die Verwaltung des Marktes beim Anhörungsverfahren nur "Knecht der Regierung" sei. Die Kommune sei beauftragt, den Planfeststellungsbeschluss auszulegen, den Anliegern den Beschluss auszuhändigen und jedem Bürger Einsicht zu gewähren. Der Planfeststellungsbeschluss liege vom 24. November bis 7. Dezember im Rathaus aus. Betroffenen stehe es frei, sich dabei zu äußern.

Offizieller Bürgerantrag

Dagegen forderte Bruno Geyer hartnäckig mit Verweis auf das Regierungsschreiben eine Einsichtnahme in die Ersatzplanung, deren Vorhandensein Bürgermeister Jürgen Kürzinger vehement bestritt. Der Disput endete mit einem offiziellen Bürgerantrag Geyers, umgehend in einer öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderats über die Alternativtrasse zu beraten. Das Gremium sei schließlich die Interessenvertretung der Bürger, sagte der Anlieger.

Einmal in Debattier-Laune kamen aus den Reihen der Zuhörer weitere Wünsche. Josef Steger erinnerte an die Sanierung des Weges und die Restaurierung der Kreuzwegstationen in Richtung Bergkirche und schlug eine Kooperation mit der katholischen Pfarrgemeinde vor. Hans Hafner beanstandete die "Drecksbrühe" aus der Wasserleitung und empfahl regelmäßige Spülungen, die es leider seit Jahren nicht mehr gebe.

Mit Blick auf das geplante Baugebiet Sandbrunnen IV sorgte sich Matthias Gradl um geordnete Straßen- und Wegeverbindungen. Die versprach der Bürgermeister im Zuge der endgültigen Planung. "Erstmals seit 30 Jahren gelingt uns wieder die Ausweisung eines Baugebiets, das der Gemeinde gehört", verwies Kürzinger auf erfolgreiche Grundstücksgeschäfte.
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