Polizei auf Bullenjagd

Das Tier hing nach der Narkose gerade so lange in den Seilen, bis ihn Tierarzt Dr. Dieter Graf, Josef Schreglmann, Hubert Schwindl, Hubert Schug und Hubert Schusser (von links) zum Anhänger gezogen hatten.
Lokales
Kirchenthumbach
11.12.2015
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Er hatte im Prinzip nicht viel aus- und aufgefressen. Höchstens etwas Gras, also das auf der Wiese, quasi im Vorbeigehen abgestaubt. Trotzdem heftete sich die Polizei auf seine Fersen, sprich Hufe.

(luk/lep) Tagelang hielt ein Jungbulle seinen Besitzer, Ordnungshüter, Rettungsdienst und Feuerwehr in Atem. Vor eineinhalb Wochen war er aus einem Stall in Haar ausgebüxt und auf Erkundungstour gegangen. Immer wieder meldeten sich Bürger, die das flüchtige Tier gesehen hatten, bei der Polizeiinspektion in Eschenbach. Doch bis die Beamten unter anderem in Pfaffenstetten und Wölkersdorf eintrafen, hatte der Gesuchte bereits wieder das Weite gesucht.

Eingezäunter Garten

Der entscheidende Hinweis kam am Donnerstagmorgen. Passanten hatten das Tier im Garten der Familie Gittler, der direkt neben der Grund- und Mittelschule liegt, erspäht. Dort hatte es sich im Schutze der Nacht schon einige Zeit aufgehalten. Da das Areal ringsrum von einem Zaun umgeben ist, verschaffte sich das Rind offensichtlich mit vollem Körpereinsatz gewaltsam Zutritt.

Jedenfalls lässt ein niedergedrücktes Stück Zaun diese Annahme zu. Zwischen Rutsche, Schaukel und grünem Gras gefiel es dem Tier anscheinend recht gut. Denn als die Beamten den Flüchtigen bei Tagesanbruch abführen wollten, reagierte er laut stellvertretendem Inspektionsleiter Werner Stopfer "ziemlich aggressiv". Selbst der Landwirt habe ihn nicht bändigen können. Da die Kollegen des Polizeihauptkommissars nun aber die Chance sahen, "den Bullen wieder in den Stall zu bekommen", musste ein Tierarzt samt Betäubungsgewehr her. "Man kann ja nicht ewig einem Tier hinterherlaufen."

Sie fanden ihn in Dr. Dieter Graf aus Auerbach. Der erste Narkose-Pfeil saß und zwang den Jungbullen in die Knie. Doch als sich ihm die Helfer langsam näherten, sprang er plötzlich wieder auf und flüchtete über den Maschendrahtzaun auf die gemeindeeigene Wiese bei der Schule.

Dort wiederholten sich Betäuben, Annähern und Rückzug noch zwei Mal. "Das Tier hat sich zwar immer auf die Seite gelegt, es hat aber nicht ausgereicht, dass der Landwirt den Strick über die Hörner legen konnte", berichtet der Veterinär. Erst die vierte Dosis stellte den Ausreißer soweit ruhig, um ihn mit vereinten Kräften zum Anhänger zu führen.

Wenn ein Tier "innerlich sehr aufgeregt ist, kann diese Art der Narkose eine paradoxe Wirkung zeigen", erklärt Graf, warum der Bulle nicht gleich richtig eingeschlafen ist. Trotzdem "habe ich mich auch gewundert". Der Einsatz selbst war für ihn nicht ungewöhnlich. "Es kommt öfter vor, dass ein Tier wegläuft." Und wenn keine Gefahr im Verzug ist, dann sei "ein Narkosegewehr das geeignete Mittel", es wieder einzufangen.

Eine Kuh ist kein Hase

Neben dem Landwirt ist auch Stopfer erleichtert, dass der Jungbulle wieder im richtigen Stall steht. Aufgrund der gemeldeten Sichtungen hatte dieser auf seiner Wanderschaft offenbar eine beachtliche Strecke zurückgelegt und "verschiedene Straßen gekreuzt". Ein Zusammenstoß mit einem Auto sei überaus gefährlich. "Das ist schon etwas anderes, als einen Hasen zu überfahren."
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