"Rühren Privat-Eigentum nicht an"

Nach fünf Jahren mussten die Metallskulpturen von Ex-Bürgermeister Fritz Fürk auf der Grünfläche gegenüber dem Friedhofseingang weg. An gleicher Stelle stehen nun zwei Informationstafeln des Geoparks und eine Sitzbank.
Lokales
Kirchenthumbach
23.11.2015
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Kunst oder Schrott? Die Frage sorgt in Kirchenthumbach für Gesprächsstoff. Für manche war der Fürk'sche Musikpark vor dem Friedhof ein Blickfang, für andere ein Hindernis. Das Blech musste weg. Nun fragte die Blaskapelle im Rathaus nach, was die künftige Verwendung der Werke betrifft - mit ernüchternder Antwort.

(do) Längst hat der Streit um die "Hinterlassenschaften" des ehemaligen Bürgermeisters das Zeug zu einem "Kirchenthumbacher Komödienstadl". Da kreiert ein kunstbeflissenes und handwerklich begabtes Gemeindeoberhaupt einen "Musikpark" aus Blech in Würdigung örtlicher Musikgrößen und Ensembles.

Immerhin reicht der gute Ruf der Kirchenthumbacher Instrumentalisten weit in die Region hinaus, und die Blasmusikanten gehören sogar in München zu den gefragten Kapellen. Auch die Nachwuchsarbeit des Dirigenten ist bemerkenswert. Doch der Spott ist ätzend. Der Krempel sei für den Sperrmüll geeignet, heißt es in einer Gegenbewegung, die sich überwiegend aus Parteigegnern des Kunstschaffenden entwickelt. Die Kommunalwahl bringt die Wende.

Ein neuer Bürgermeister und veränderte Mehrheiten im Marktgemeinderat entscheiden: Die Skulpturen - Blechbläser und Instrumente - müssen weg. Sie weichen Informationstafeln und einer Ruhebank, werden vom Bauhof abgebaut und zur Einlagerung bei einer Firma abgegeben. Der Hobby-Künstler ist entsetzt: Fritz Fürk sieht in der Entscheidung ein kommunalpolitisches Ränkespiel. Der Marktgemeinderat dagegen jubelt: Das Volk hat vermeintlich seinen Willen.

Dirigent mit Vorschlag

Doch jetzt folgt ein weiterer Akt des Lustspiels: Die eingelagerten blechernen Bläser verwandeln sich in Vollblutmusiker aus Fleisch und Blut - Jürgen Böhme betritt die Bühne. Der Vorsitzende der Blaskapelle erkundigt sich per Brief an den Marktgemeinderat nach den Planungen der Kommune für einen künftigen Standort der Skulpturen. Diese seien schließlich den Musikern und Sängern des Ortes gewidmet und sollten nicht einfach auf dem Schrotthaufen enden, lautet seine Begründung.

Des Dirigenten Vorschlag: Die Fürk'schen Werke sollten in der Fläche des "Frauenbildes" nahe dem Netto-Markt aufgestellt werden. Dort könnten die Figuren einen dauerhaften und würdigen Platz finden und das kulturelle Leben mit ergänzenden Dauer- und Wechselausstellungen bereichern, erklärt Jürgen Böhme. Mit dieser Meinung sei die Blaskapelle zudem nicht alleine. Der Briefschreiber verweist auf die Zustimmung des Kulturkreises und auf wohlwollende Äußerungen des Ortspfarrers. Auch auf ein Versprechen des Bürgermeisters baut er.

Nächster Akt: In der Sitzung des Bauausschusses beraten am Donnerstag vergangener Woche Bürgermeister Jürgen Kürzinger und fünf Räte über den Antrag. Der Rathauschef ordnet die Skulpturen dem Eigentum seines Vorgängers zu: "Wir rühren das private Eigentum nicht an", gibt Kürzinger die Einschätzung der Verwaltung bekannt. Als "nicht verkehrt" bezeichnet dagegen Angela Kummert-Schleicher das Ansinnen, die Figuren der ursprünglichen Verwendung zuzuführen. "Den Antrag sollte allerdings der stellen, dem die Skulpturen gehören", merkt Kürzinger daraufhin an. Kummert-Schleicher hakt nach: "Wir waren uns einmal einig, einen alternativen Platz zu suchen."

"Kunst ist vergänglich"

"Niemand fällt auf, dass der Schrott fehlt", sagt dagegen Georg Adelhardt und findet: "Kunst ist vergänglich." Sein Urteil ist eindeutig: "Das Zeugs gehört uns nichts an." Differenzierter ist die Meinung von Jürgen Geyer: "Wir können nicht darüber entscheiden, weil uns die Skulpturen nicht gehören." Der Bauausschuss beschließt deshalb, nichts zu beschließen. Diese "Entscheidung" möge die Verwaltung dem Antragsteller Jürgen Böhme mitteilen. Der Vorhang fällt.

Jetzt ist wieder die Blaskapelle gefragt: zum Überbrücken der Pause - das Possenspiel ist bestimmt noch nicht zu Ende. Ein Schlussakt mit einem glücklichen Happy End mit viel Nachsicht, Einsicht und Toleranz wäre allen zu wünschen. Aufgabe der Kunst bleibt es allemal, ein bisschen Chaos in die Ordnung zu bringen. Warum nicht ein bescheidenes Chaos "Im Frauenbild" mit Unterstützung der Marktgemeinde?
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