Streit um 20 Meter

Lokales
Kirchenthumbach
04.12.2015
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Seit den 1960er Jahren denken die Kirchenthumbacher über eine Umgehung nach. Nach 50 Jahren gibt es eine Planfeststellung der Regierung der Oberpfalz. Aber was lang reifte, finden nicht alle gut.

Über die geplante Trasse sind nicht alle Bürger glücklich. Es hätte für alle Beteiligten besser laufen können, sagte Bruno Geyer, Sprecher der Anlieger in der Bürgerversammlung. Bürgermeister Jürgen Kürzinger und sein Bauausschuss stehen im Verdacht, das Verfahren nicht aktiv begleitet zu haben. Nach Meinung der Anlieger hätte ein Abrücken um 20 Meter Verbesserungen für alle gebracht. Schlussfolgerung war ein Antrag Geyers, den Planfeststellungsbeschluss öffentlich zu behandeln.

Pflichtgemäß stand die Planfeststellung am Mittwochabend auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Es ging um die Haltung des Marktes bei den Vorbesprechungen und bei der Stellungnahme zu Grundstücksfragen beim Staatlichen Bauamt. Der Verdacht Geyers in der Bürgerversammlung: Der Markt habe den Verkauf eines Grundstücks verweigert, um die "Bürgertrasse" zu verhindern.

Fast alle dagegen

Dieser Behauptung begegnete Kürzinger mit Verweis auf den Planfeststellungsbeschluss. "Fast alle Grundstückseigentümer waren dagegen." Kürzinger zitierte weitere Gründe: Naturschutz-Defizit beim Flächenausgleich, größere Baulänge und höhere Kosten. Dazu komme die kritische Bewertung des Flächenverbrauchs. Die Bürgervariante hätte 8357 Quadratmeter mehr beansprucht und landwirtschaftliche Fläche zerschnitten. 60 Prozent mehr Grundstücke wären beansprucht.

Kürzinger verwies auf eine Stellungnahme der Regierung: die Alternativtrasse würde keine Verbesserungen, insbesondere bei schalltechnischen Belangen führen. "Der bereits in den 60er Jahren eingerichtete Trassenkorridor kann durch die sogenannte Bürgervariante nicht aufgehoben werden", so die Zusammenfassung der Planfeststellung. Kürzinger sah deshalb für den Markt keinen Anlass daran zu zweifeln. Auch der Leserbrief von Geyer im "Neuen Tag" veranlasste den Sitzungsleiter zu einer Stellungnahme. Kürzinger zitierte aus einem Schreiben der Bürgerinitiative: "Wir sind vehement gegen den Bau der Ortsumgehung." Nun behaupte die Initiative das Gegenteil.

Geyer befangen?

Dieser Darstellung widersprach Geyer. Die Anlieger hätten nie das Gesamtvorhaben abgelehnt. Dieser Meinung sei auch die Marktgemeinde gewesen. Erst mit der Ablehnung von Grundstückswünschen der Planer habe die Gemeinde ihre Meinung geändert. Die Wortmeldung Geyers veranlasste Georg Adelhardt, seinem Kollegen Befangenheit zu unterstellen. Er beantragte einen Ausschluss Geyers bei diesem Punkt. Daniel Götz bedauerte, dass hier der Bauausschuss entschieden hat. "Solch elementare Fragen gehören in den Marktrat." Das sah auch Richard Götz so.

Verständnis für die Anlieger zeigte Jan Wiltsch. Dennoch gelte es für das Gremium, die Lärmbelästigungen entlang der planfestgestellten und der Alternativtrasse zu relativieren. Dann ergebe sich für die "alte" Trasse keine Mehrbelastung. Die Abwägung der Regierung sei einleuchtend. Georg Adelhardt hakte nach. "Seit 50 Jahren probieren wir die Umgehung. Jetzt sind wir im achten Monat schwanger, da können wir die Geburt einer Umgehungsstraße nicht mehr verschieben." Informationsdefizite sah Johann Hammer. Der Markt sei zu wenig auf die Bürger eingegangen. Daniel Götz bedauerte, dass die Gemeinde viel gewusst, aber nichts unternommen habe. Ein Kompromiss wäre möglich gewesen, mutmaßte der ÜCW-Rat. Schließlich beantragte Jan Wiltsch, die Debatte zu beenden. Eine Abstimmung war ohnehin nicht vorgesehen.
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