Vom Obst zum Obstler

Hans Krapf besitzt einen eigenen Brennofen. Bilder: ü (2)
Lokales
Kirchenthumbach
28.10.2015
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Herbstzeit ist für Ludwig Krapf, Brennzeit. Wenn Zwetschgen, Äpfel, Birnen und Quitten reif sind, beginnt beim Hobby-Schnapsbrenner in der Waldstraße die Arbeit. Dann heißt es Maische ansetzen und den Kessel zum Dampfen bringen.

Schnapsbrenner und Zollbeamte seien unzertrennlich. Während der eine brennt, passt der andere auf, dass ja kein Tropfen am Steuersäckel danebengeht, betont Ludwig Krapf. "Das hat seine Berechtigung." Zu diesem Schluss kommt der Kirchenthumbacher, der auch als Imker in der Region einen Namen hat.

Das Prozedere für wohlbekömmlichen Obstler oder Zwetschgenwasser beginnt mit dem Ernten des Obstes. Nach einem gründlichen Waschgang wird in vorbereiteten und für den Zoll nummerierten Fässern die Maische - das zerkleinerte Obst - angesetzt. In den folgenden vier Wochen muss die Maische immer wieder kräftig gerührt werden. Das Gärgemisch stellt einen Rohstoff dar, der nach Krapfs Worten ein wohlüberlegtes Bearbeitungsverfahren erfordert, um daraus Alkohol zu gewinnen.

Bei alkoholhaltigen Rohstoffen wird der Alkohol durch Destillation abgetrennt. Die Destillation ist ein Verfahren, bei dem der Rohstoff verdampft und die Dämpfe über ein Geistrohr abgezogen werden. Beim Abkühlen werden die Dämpfe verdichtet und schließlich als Destillat aufgefangen.

Unabhängiger Zugang

Diesen Vorgang nennt man schlicht und einfach Brennen, betont Krapf. Beim Kirchenthumbacher steht die Destillerie, beziehungsweise das Destilliergerät in einem kleinen Holzhaus im Garten. Eine Vorschrift sei besonders zu beachten: Die Destillation muss einen direkten Zugang haben, damit die Zollbeamten ungehindert eintreten können.

Doch vor dem Brand muss Krapf mindestens fünf Tage, bevor er den Kessel heizt, das Zollamt in Stuttgart schriftlich informieren, mit Angaben der zu brennenden Maischemenge und Sorte. Ein Brand dauert drei Stunden, bei einer Maischemenge von 60 Litern. Dies ergibt am Ende eine hochprozentige Schnapsmenge von vier bis sechs Litern. Mit destilliertem Wasser kann der Schnaps verdünnt werden. Dabei ist Können und Fingerspitzengefühl gefragt. "Wenn man nicht aufpasst oder die Temperatur nicht stimmt, wird der Schnaps trübe und unbrauchbar". Hat alles geklappt, werden die Brände im Keller gelagert.

Beamte gehen ein und aus

Die Zollbeamten aus Weiden gehen bei Krapf ein und aus, der produzierter Alkohol wird vom Fiskus genauestens unter die Lupe genommen. Der Hobbybrenner darf eine gewisse Menge pro Jahr herstellen, wenn er ein sogenanntes Obstabfindungsbrennrecht besitzt. Dies betrifft vor allem Besitzer von Steinobstwiesen.

Bei Hans Krapf kommt das Obst aus dem eigenen Garten. "Auch hier waren Zollbeamte schon da und haben die Bäume gezählt", berichtet der Kirchenthumbacher. In den Handel gehen die Brände vom "Krapf Hans" jedoch nicht. Alles wird privat konsumiert und auf keinen Fall verkauft, denn Familie und Verwandtschaft sind nicht klein.

Doch nicht immer und nicht für jeden sei das Schnapsbrennen rentabel, betont Krapf. Für eine brauchbare Destillationsanlage muss man etwa 15 000 Euro auf den Tisch legen.
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