Wenig Angst vor Hydrazin

Bild: Herda
Lokales
Kirchenthumbach
05.10.2015
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Das Landratsamt hat ihnen empfohlen zum Arzt zu gehen. Aber die Einsatzkräfte beim Absturz des US-Flugzeugs bei Kirchenthumbach neigen nicht zur Panik. Ein Thema bleibt der Absturz aber weiterhin.

(wüw) Bei den Oberpfälzer Helfern beim Absturz der F 16 vor vier Wochen hält sich das Interesse an einer medizinischen Untersuchung in Grenzen. Beim Absturz des US-Kampfflugzeugs am 11. August war der giftige Raketentreibstoff Hydrazin ausgetreten. Ende vergangener Woche hatten die Landratsämter Bayreuth und Neustadt/WN darauf hingewiesen, dass ein Besuch beim Arzt sinnvoll sein kann. Am Einsatz beteiligt waren aus der Oberpfalz die Wehren aus Kirchenthumbach und Grafenwöhr - allerdings abseits der direkten Absturzstelle.

Die Grafenwöhrer Feuerwehr kümmerte sich um die Suche nach den abgeworfenen Kerosin-Tanks, mit dem Hydrazin seien die Grafenwöhrer nicht in Kontakt gekommen, erklärte der stellvertretende Kommandant Alexander Richter. Er könne sich deshalb nicht vorstellen, dass einer seiner Männer sich untersuchen lässt. Beim Einsatz hätten einige Feuerwehrleute über Kreislaufprobleme geklagt, wegen der großen Hitze an dem Sommertag. Hydrazin löst bei Kontakt aber unmittelbar Hautbrennen, Tränenfluss, Husteneiz, Übelkeit und Schwindel aus. "Über solche Vergiftungserscheinungen gab es keine Meldungen, auch bei anderen Wehren nicht", sagt Richter.

Auch Wolfgang Böhm hat bislang nichts von solchen Symptomen gehört. Deshalb glaubt der Kommandant der Kirchenthumbacher Feuerwehr nicht, dass bei einer ärztlichen Untersuchung noch etwas gefunden wird. "Acht Wochen nach dem Einsatz, kommt der Hinweis zu spät", sagt Böhm. Für die etwa 20 Einsatzkräfte lege die Wehr Listen auf. Wer will, kann sich so für die Untersuchung melden. Böhm glaubt nicht, dass der Andrang groß ist.

Seine Männer kümmerten sich um die Dekontamination der Einsatzkräfte, die vom Unfallort zurückkamen. Dabei seien sie entsprechend geschützt gewesen. "Von Hydrazin wussten wir dabei nichts", sagt Böhm, mit diesem Stoff haben auch die Kirchenthumbacher Giftstoff-Spezialisten eher selten zu tun. Die Experten der US-Armee dachten aber wohl sofort an die Gift-Gefahr. Deshalb waren die Kirchenthumbacher Spezialisten am Einsatzort und deshalb schickten die ersten Spezialisten auch die deutschen Helfer vom Unfallort weg. Das berichtet Werner Freiberger.

Der Heinersberger Landwirt war dabei, als das Flugzeug abstürzte. Er war der erste, der dem Piloten half. Zum Arzt möchte er vorerst trotzdem nicht gehen, von Vergiftungserscheinungen habe er zu keiner Zeit etwas bemerkt. "Der Pilot landete mit dem Fallschirm abseits vom Flugzeug und der Rauch wehte in eine andere Richtung."

Mehr Sorgen als um sich macht sich der Landwirt um seine Wiese neben dem Absturzort. Auf der lagerten die Amerikaner bei den Aufräumarbeiten Teile des Flugzeugs. "Wer weiß, was da in den Boden eingedrungen ist." Ein Entschädigungsangebot über 500 Euro habe er deshalb abgelehnt. "Ich hätte unterschreiben müssen, keine weiteren Ansprüche anzumelden." Statt dessen warte er auf weitere Untersuchungen. "Den ersten Schnitt werde ich nächstes Jahr auf jeden Fall nicht verwenden." Ausgestanden ist der Fall also nicht.
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