Wenn die Späne fliegen

Von Flaschenöffnern bis Windlichtern: Die Regale in Erich Knopfs Werkstatt sind voll von selbst produzierten Drechselarbeiten.
Lokales
Kirchenthumbach
02.12.2015
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Es kommt nicht selten vor, dass Menschen ihr Hobby zum Beruf machen. Bei Schreinermeister Erich Knopf ist es umgekehrt: Er hat aus seinem Beruf ein Hobby gemacht und Hobelbank und Kreissäge mit der Drechselbank getauscht.

"Das Drechseln hält mich aufrecht, es macht mir Spaß und lenkt ab. Drechseln war für mich die beste Reha", sagt Erich Knopf, der eine schwere Erkrankung hinter sich hat.

Beim Weihnachtsmarkt am Samstag und Sonntag wird der 60-Jährige seine Werkstatt neben der Kirche öffnen und Besucher über seine Freizeitbeschäftigung, eine in den Hintergrund geratene Handwerkskunst, informieren. Dann kann zugeschaut werden, wie die Späne fliegen, bis aus einem Würfel Holz etwas Rundes entstanden ist.

In seiner ehemaligen Schreinerwerkstatt neben der Pfarrkirche, wo einst Fenster und Türen hergestellt sowie Möbel getischlert wurden, hat Knopf inzwischen drei Drechselbänke stehen: allerdings keine computergesteuerten Drehautomaten für Massenproduktionen, sondern manuelle Maschinen, bei denen unter anderem Speitel zum Einsatz kommen.

Wer die Handhabung von Speitel und Meißel beherrscht, dem stehen alle Möglichkeiten offen, weiß Erich Knopf. Denn Drechseln will gelernt sein: Sich einfach hinstellen, einen viereckigen Klotz Holz einspannen, die Maschine einschalten und loslegen - das funktioniert nicht. Damit aus dem kantigen Klotz etwas Vernünftiges wird, müssen Wissen und Können vorhanden sein.

Regelmäßig besucht Erich Knopf deshalb Seminare in Neckarsteinach - zumal auch in der Drechslerei sich Technik und Handhabung der Werkzeuge verändern. Eines jedoch bleibt immer gleich: Gutes und scharfes, fachmännisch geschliffenes Werkzeug ist das A und das O eines jeden Handwerkers. "Beim Drechseln bestimmen Werkzeug, handwerkliches Können, Kreativität und eine gute Bank, die rund läuft und nicht eiert, die Qualität des Produkts", weiß Knopf aus Erfahrung.

Steinharte Tannenzapfen

Erich Knopf verarbeitet überwiegend heimische Holzarten - außer Fichte und Kiefer, die zu weich und langfaserig sind und sich deshalb schlecht zerspanen lassen. Gelegentlich, meistens wegen Farbe und Dekor, greift er auf ausländische Gehölze zurück. So verarbeitet er unter anderem Grasbaumholz (Black Boy) aus Australien und Grenabil, eine Holzsorte, die sehr hart und schwer ist und deshalb auch nicht schwimmt. Nicht selten spannt er auch "Banksia grandis" in die Maschine. Das sind steinharte, relativ große Tannenzapfen, die ebenfalls vom australischen Kontinent stammen.

Jedes Werk ein Unikat

Beim Betrachten seiner Artikel bekommt der Besucher der Knopf-Drechslerei große Augen: Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, Teller, Schalen, Schüsseln, Salz-, Pfeffer- und Muskatmühlen, Kerzenständer und Windlichter mit abgeschnittenen Weinflaschen als Windschutz. Hinzu kommen Kugeln und Tischdekorationen aller Art. Erich Knopf legt großen Wert darauf, dass jedes seiner Werke ein Unikat ist. Massenware ist nicht sein Ding.

Erstmals wird der Hobbydrechsler beim Weihnachtsmarkt am Wochenende seine Artikel präsentieren. Wer Erich Knopf beim Drechseln über die Schultern schauen will, ist herzlich in seine Werkstatt eingeladen. Der Eintritt ist selbstverständlich frei: "Ich freue mich über jeden, der zu mir kommt", erklärt Knopf.
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