Wohnungen statt Containerdorf

Die gemeindeeigene Lagerfläche im Mühlenweg neben der Firma Winkler hatte das Kreisbauamt als Standort für ein mobiles Containerdorf für bis zu 100 Flüchtlinge vorgeschlagen. Und das Thema "bewegte" die Kirchenthumbacher. Selten war in einer Sitzung des Marktgemeinderats die Zuhörerschaft größer. Bild: do
Lokales
Kirchenthumbach
04.09.2015
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Kirchenthumbach sagt "Nein" zu einem mobilen Containerdorf für Flüchtlinge und Asylbewerber. Der Marktgemeinderat setzt stattdessen auf eine dezentrale Unterbringung. Private Wohnungsanbieter sollen das Defizit an Quartieren ausgleichen.

Wohin mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern? Der Landkreis sucht Notunterkünfte: Die "Kundschafter" des Bauamts erkunden in allen Kommunen geeignete Flächen für mobile Containerdörfer. Bis zu fünf Jahre lang sollen die Gemeinden die Grundstücke kostenfrei zur Verfügung stellen oder an den Kreis verpachten, so der Vorschlag von Landrat Andreas Meier in einer Bürgermeisterversammlung.

Auch in Kirchenthumbach hat die Kreisbehörde ein gemeindeeigenes Grundstück ein Flüchtlingsdorf entdeckt. Die Wahl fiel auf eine Lagerfläche am Mühlenweg, geeignet für Container für bis zu 100 Personen.

Das Thema bewegt die Kirchenthumbacher. Dicht an dicht drängten sich die Zuhörer am Mittwochabend im Sitzungssaal des Rathauses, um die Beratung darüber im Marktgemeinderat zu verfolgen.

Grundstück ungeeignet

Bürgermeister Jürgen Kürzinger zeigte zunächst Verständnis für den Landrat und zitierte aus einem Schreiben an die Bürgermeister: "Wenn wir es nicht schaffen, die Notunterkünfte in Turnhallen in einem überschaubaren Zeitraum wieder zu räumen, droht eine massive Verschärfung des Problems auf gesellschaftlicher Ebene." Dies befürchtet auch der Bürgermeister: "Wir sind in der Pflicht", beteuerte Kürzinger.

Er bescheinigte dem Landrat ein gutes Krisenmanagement. Für ein mobiles Flüchtlingsdorf mit bis zu 100 Bewohnern sah der Bürgermeister in Kirchenthumbach allerdings keine Möglichkeit. Das vom Landkreis ins Auge gefasste Grundstück im Mühlenweg sei ungeeignet. Diese Auffassung vertrat auch sein Stellvertreter Josef Schreglmann: Der Standort am Mühlenweg sei für ein Flüchtlingsdorf kontraproduktiv.

Im Übrigen gebe es noch manche Kommune im Landkreis ohne Flüchtlinge, argumentierte Kürzinger weiter. Er verwies auf derzeit neun Asylbewerber in einer Privatwohnung in Kirchenthumbach. Und in der Buchbergerstraße sei ein Quartier für zwölf Menschen in Vorbereitung.

Gefahr der "Ghettoisierung"

Kirchenthumbach sei offen für Flüchtlinge, aber nicht in Sammelunterkünften, betonten viele Marktgemeinderäte in der folgenden Diskussion. Für die SPD sprach Dominik Brütting von der Notwendigkeit der Kooperation und appellierte an die Bürger, geeignete Wohnungen zu melden. Probleme sah er in Zukunft auf Schulen und Kindergärten zukommen: "Da erwarten wir Hilfe." Vorsorglich dementierte der Thurndorfer Marktgemeinderat Harald Oberst die Anwendung des Floriansprinzips. Bei so vielen Leuten auf engem Raum sei vielmehr die Gefahr groß, dass sich eine "Ghettoisierung" entwickle. Auch Oberst ermunterte die Bürger, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Richard Götz verband seine Empfehlung von dezentralen Quartieren mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit einer "sauberen Integration". Die Bereitschaft zur Hilfe sah auch Georg Adelhardt gegeben. Diese erwartet der Marktrat aber auch von ganz Europa - "und nicht nur von den kleinen deutschen Gemeinden". Seine Forderung: "Da müssen andere Gesetze her, um die Leute gerecht zu verteilen." Eine Abstimmung sah der Tagesordnungspunkt nicht vor.
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