Zeitzeugen über das Kriegsende - Mauer und Ackerfurche als Versteck vor Tieffliegern
"Wir gingen mit Angst ins Bett"

Zeitzeuge Albert Kausler. Bild: lep
Lokales
Kirchenthumbach
25.04.2015
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Bestimmte Erinnerungen haben sich fest eingeprägt. Und so erzählte Albert Kausler beim Informations- und Gesprächsabend zum Kriegsende (wir berichteten), als hätte sich alles erst gestern ereignet. Er war einer der Zeitzeugen, die sich bei der Veranstaltung mit Erinnerungen zu Wort meldeten. Kausler war am Ende des Zweiten Weltkriegs gerade einmal zehn Jahre alt.

"Zwei bis drei Tage vor dem Einmarsch gab es Kämpfe in Creußen", blickte er zurück. "Dort brannte ein deutscher Panzer aus, und es gab drei Tote. Einen davon brachte man in einem Sack in die Scheune hinter der Brauerei Dobmann. Wir Buben sagten, 'den kann man doch nicht liegen lassen, der muss auf den Friedhof'. Der damalige Totengräber Schönmann antwortete, dass es viel zu gefährlich sei, ein Grab zu schaufeln, da die Tiefflieger ständig kreisten."

Die Kinder aber wollten den Soldaten beerdigen. Und so gab Schönmann ihnen Werkzeug. "Der Platz befand sich am Rand der westlichen Mauer. Die Tiefflieger flogen ihre Aufklärung immer von West nach Ost oder umgekehrt. Wenn der Tiefflieger - wir nannten ihn 'Rotschwänzchen' wegen seiner roten Schnauze - ankam, versteckten wir uns. Wenn der Flieger weg war, verrichteten wir unsere Arbeit weiter", erzählte Kausler. "Nach etwa einem halben Meter kamen Gebeine zum Vorschein. Sofort hörten wir zu graben auf, legten den Sack in die Grube und schaufelten sie wieder zu."

Ein Spruch eines französischen Kriegsgefangenen blieb dem damals Zehnjährigen ebenfalls in Erinnerung: "Ihr Deutschen seid dumm! Nur arbeiten, fressen und schlafen gehen. Bei uns heißt es: nix Vino, nix travailler." Übersetzt heißt das: "Wenn wir keinen Wein bekommen, arbeiten wir nix."

Ein anderer Zeitzeuge berichtete bei der Veranstaltung, dass sein Vater zu ihm gesagt habe, "wir müssen aufs Feld und Getreide ansähen, damit wir etwas zu essen haben, wenn die Russen kommen". Denn über das Radio habe man mitbekommen, dass sich die Rote Armee immer weiter nach Westen bewegte. Sofort machten sich Vater und Sohn also mit den Kühen auf den Weg Richtung Bergkirche/Sommerau. Gerade als sie dort waren, kam der erste Tiefflieger. "Wir warfen uns mit dem Rücken in die Ackerfurche. Es dauerte nicht lange, dann folgten die Bomber. Sie flogen in Formation wie ein 'Christbaum'. Sie machten einen Höllenlärm und es dauerte sehr lange, bis es ruhiger wurde."

Vor lauter Angst habe er die Flieger gezählt, erinnerte sich der Zeitzeuge. "Es waren 1800 Bomber. Später wurde bekannt, dass sie den Angriff auf Dresden flogen. Wir gingen mit Angst ins Bett, zogen uns die Kissen oder Decken übers Gesicht, um den Lärm der Flieger nicht zu hören und standen morgens mit Angst und Hunger wieder auf."

Als die Amerikaner Kirchenthumbach besetzten, musste auch diese Familie aus ihrem Haus. Geschlafen wurde zu fünft in einem Bett oder auf dem Heu in der Scheune. "Die Amis waren aber recht nett und erlaubten einer Soldatenfrau aus Hannover, Wilma Nolte, für uns zu kochen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/kriegsende
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