F16-Absturz
Ein Jahr danach

Bild: U.S. Airforce
Politik
Kirchenthumbach
10.08.2016
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Mit einem Knall fiel vor einem Jahr eine F-16 nahe Kirchenthumbach vom Himmel. Der Krach hallt nach: Noch immer gibt es offene Fragen, andere lassen sich heute beantworten.

Von
Wolfgang Würth und Alexander Pausch

11. August 2015, 9.38 Uhr: Eine F-16 der US-Luftwaffe fällt auf die oberpfälzisch-oberfränkische Bezirksgrenze nahe dem Dorf Engelmannsreuth. Der Pilot rettet sich leicht verletzt per Fallschirm, sonst kommen niemand zu Schaden. Auf die erste Erleichterung darüber folgen besorgte Fragen. Die meisten lassen sich heute beantworten.

Wer zahlt?
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übernimmt im Auftrag der Bundesregierung die Schadensabwicklung. 75 Prozent der Kosten trägt anschließend die US-Armee, der Rest bleibt bei der Bundesrepublik, so wie es das Nato-Truppenstatut vorsieht. Fristgemäß gingen 79 Entschädigungsanträge ein, ein Antragsteller zog im Juli 2016 zurück, 25 Anträge sind abgearbeitet. In 43 Fällen handle es sich „um unbezifferte Anträge“. Diese seien „vorsorglich und fristwahrend gestellt“, erklärt die BImA. Sollten die Antragsteller keine weiteren „prüffähigen Angaben“ machen, werde „diese Verfahren zu gegebener Zeit durch ablehnende Entscheidungen“ beendet.



Am meisten Geld floss bislang an den Landkreis Neustadt/WN für die Entsorgung der kerosingetränkten Erde und die Kontrolle des Grundwasser (siehe Grafik). Die Abwicklung lief problemlos, meldet Landratsamts-Sprecherin Claudia Prößl. Auch Kirchenthumbachs Bürgermeister Jürgen Kürzinger lobt die schnelle Schadensregulierung. Seine Gemeinde hat Kostenersatz für den Einsatz dreier Feuerwehren beantragt. „Die BImA hat genau geprüft, aber das ist auch ihre Aufgabe“, erklärt Kürzinger. Ein Antrag sei dann zügig bewilligt worden. Für die anderen fehlen noch Informationen, „frühestens im Oktober“ kann die BImA sie abschließen, meldet die Verwaltung der Gemeinde. 2000 Euro gingen bislang an Privatpersonen. 240 Euro erhielt etwa Otto Albersdorfer für den Schaden, den die US-Armee bei der Bergungsarbeit auf einer Wiese des Landwirts angerichtet hat.

Theoretisch ist noch immer möglich, dass Rückstände aus dem Erdreich ins Wasser gewaschen werden. Die Experten halten das aber für sehr unwahrscheinlich.Claudis Prößl



Was wurde aus dem Gift?
Vor allem über Hydrazin wurde nach dem Absturz viel gesprochen und geschrieben. Erst Anfang September 2015 gab es die Bestätigung: Der giftige Raketentreibstoff ließ sich an der Absturzstelle nachweisen, später rieten die Landratsämter den Helfern deswegen sogar zum Arztbesuch. Ein Jahr danach gibt es keine Meldungen über Giftschäden bei den Helfern.

Das gilt auch für die Natur. Der Boden ist saniert, eine Messstelle am Unfallort habe keine Rückstände im Grundwasser gefunden, berichtet Landratsamt-Sprecherin Prößl. Ende des Jahres steht eine letzte Messung an. „Theoretisch ist noch immer möglich, dass Rückstände aus dem Erdreich ins Wasser gewaschen werden. Die Experten halten das aber für sehr unwahrscheinlich.“


Ein Jahr liegen zwischen den Fotos: Nach dem Absturz (links) sind Vertreter der US-Armee und der Grafenwöhrer Lagerfeuerwehr beschäftigt, Spuren zu sichern und Umweltschäden zu verhindern. Heute ist an der Absturzstelle eine künstliche Lichtung entstanden. Sonst erinnert nichts an den Absturz. (Zum Vergleich den Regler in der Bildmitte nach links oder rechts ziehen). Bilder: ü/US-Armee/Morgenstern

Wie läuft die Zusammenarbeit?
Noch Monate nach dem Einsatz waren die deutschen Feuerwehren sauer: Die US-Armee habe beim Einsatz Informationen verweigert, welche Stoffe am Flugzeugwrack auf die Helfer warten. „Die Kommunikation war sehr schlecht“, erklärt Bayreuths Kreisbrandrat Hermann Schreck. Er kritisierte im vergangenen Jahr mehrfach, dass sich seine Männer wegen fehlender Informationen unnötigen Gefahren aussetzen mussten. Mir seinem Neustädter Kollegen Richard Meier forderte er deshalb: „Wir brauchen einen Ansprechpartner, der uns in Notfällen schnell alle Informationen liefert.“

Diesen Ansprechpartner bietet die US-Armee nun. Der „Host Nation Advisor“ (Ansprechpartner für die Gastgebernation) sitzt in Rammstein. „Schon vor einigen Wochen hat die US-Airforce den Kontakt an die Bayerische Staatskanzlei übermittelt. Diese sollte ihn an Ämter und Behörden weitergeben“, berichtet Franz Zeilmann, Pressesprecher der Grafenwöhrer US-Garnison. Weil das noch nicht geschehen ist, gaben die Grafenwöhrer die Kontaktdaten nun direkt ans Neustädter Landratsamt, wie Sprecherin Prößl am Mittwoch bestätigte. Ein weiteres Anliegen möchte Kreisbrandrat Schreck 2017 verwirklichen. Er plant eine „landkreisübergreifende Übung mit militärischem Hintergrund“. Eine erste Anfrage dazu habe die US-Armee positiv aufgenommen.

Keine Kritik übt Schreck ausdrücklich an Grafenwöhrs Lagerfeuerwehr. „Das Verhältnis ist hervorragend“, betont er. Dies bestätigt Josef Rodler. „Wir haben großes Interesse an guter Zusammenarbeit“, sagt der Fire-Chief der US-Garnison. Der Austausch funktioniere, die Wehren am und im Übungsplatz helfen sich gegenseitig, die Führung der Kreisfeuerwehren erhalten Einladungen zu den jährlichen Großübungen am Übungsplatz.

Wenn es nach Rodler geht, könnte der Kontakt sogar noch besser sein. Er wünsche sich, dass die Lagerfeuerwehr in den digitalen Rufkreis der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz eingebunden wird. Bei den anderen angrenzenden Leitstellen sei dies der Fall. „Wenn nur noch digital gefunkt wird, bekommen wir nichts mehr mit“, fürchtet Rodler.



Und die Absturzursache?
Nach dem Absturz folgten schnell Spekulationen über eine versagende Turbine. Offizielle Stellen verwiesen dagegen nur auf den ausstehenden Untersuchungsbericht. Dies ist auch heute noch so. Die Ermittlung liegt in der Verantwortung der US-Luftwaffe. Und diese hat die Untersuchung bis heute nicht abgeschlossen, teilte sie am Mittwoch mit. Zur Wahrung deutscher Interessen ist die Bundeswehr eingebunden. Der amerikanische „Flugunfalluntersuchungsbericht liegt dem General Flugsicherheit in der Bundeswehr (GenFlSichhBw) nicht vor“, schreibt auch die Bundeswehr. Auch eine vorläufige Fassung gebe es nicht. Über Konsequenzen des Absturzes wolle die Bundeswehr entscheiden, wenn der Bericht vorliegt.



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