Große Anteilnahme an Interessengemeinschaft "pro Umgehung" - Trassengegner bringen ihre ...
Große Anteilnahme an Interessengemeinschaft „pro Umgehung“

Der Thumbeck-Saal war voller gebannt lauschender Gäste, als Josef Schreglmann (stehend) die Diskussion eröffnete. Bilder: dfr (2)
Politik
Kirchenthumbach
28.01.2016
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Wir Anlieger sind enttäuscht, dass quasi schon alles entschieden ist.

Dass das Interesse groß sein wird, war klar. Mit so vielen Besucher hatte die IG "pro Umgehung" bei ihrer Info-Veranstaltung nicht gerecht. Mehr als 100 Zuhörer - Gegner und Befürworter der geplanten Umgehungstrasse - waren am Dienstagabend in den Gasthof Thumbeck gekommen. Obwohl derzeit kein Thema die Kirchenthumbacher mehr bewegt, verlief die Diskussion sachlich.

Mitorganisator Josef Schreglmann betonte, dass er als Anlieger auftritt. "Mein Amt als zweiter Bürgermeister hat mit der Angelegenheit nichts zu tun." Im Anschluss erläuterte er, weshalb die Organisatoren die IG für nötig halten: "Die zwei unsachlich geschriebenen Leserbriefe in der Zeitung haben uns veranlasst, auch unseren Standpunkt klar zu machen." Es gehe nicht darum, einzelne anzugreifen, aber das Gemeinwohl gehe vor private Interessen. "Die Veranstaltung soll auch einige Bürger zur Vernunft zu bringen."

Aus einem Gespräch mit Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß habe er erfahren, dass sich der Bau durch Klagen um bis zu drei Jahre verzögern könnte. Zur Unterschriftenaktion der Lindenstraßen-Anwohner aus dem Jahr 2014 äußerte sich Schreglmann ebenfalls: "Alle Einwände aus dieser Liste wurden von den Behörden geprüft, die Bürgerbeteiligung war jederzeit gegeben."

Dass eine Umgehung den Geschäften in der Ortsmitte schaden könnte, ließ Schreglmann nicht gelten: "Dass die Geschäfte im Ortskern weniger werden, hat nichts mit einer Ortsumgehung zu tun." Aus dem Leerstand im Markt solle Wohnraum werden. "Da können wir uns keine 2000 Fahrzeuge im Ortskern leisten." Der Ausbau der gefährlichen Staatsstraße 2120 bis zur Landkreisgrenze nach Engelmannsreuth hänge ebenfalls an der Ortsumgehung.

Unterstützung erhielt Schreglmann unter anderem von Gerda und Georg Rinnagl. Das Paar lebt direkt an der Kreuzung Eschenbacher Straße/Bayreuther Straße. Sie berichteten von teuren Sanierungsarbeiten, die der Durchgangsverkehr nötig mache. "Alle vier Jahre müssen wir unser Haus wegen der Ölflecken und Abgase streichen."

Aber auch die Kritiker der Trasse nutzten die Gelegenheit, ihren Standpunkt klar zu machen. Bruno Geyers Grundstück in der Lindenstraße soll künftig direkt an der Umgehung liegen: "Im Prinzip ist keiner gegen den Bau", begann er. Allerdings sei diese aufgrund der langen Planungszeit nicht mehr zeitgemäß, liege viel zu nahe an den Häusern. "Wir Anlieger sind enttäuscht, dass quasi schon alles entschieden ist." Geyer beklagte, dass die Gemeinde niemanden informiert hat, dass sich verschiedene Grundstücke für eine Alternativtrasse nicht haben kaufen lassen. Lob hatte Geyer für die Regierung der Oberpfalz und das Staatliche Bauamt. "Hier hatte man immer ein offenes Ohr für unsere Belange." Lob zollte er aber auch Josef Schreglmann für die faire Diskussionsrunde und die Bereitschaft, auch die Argumente und Bedenken der "anderen Seite" zu hören.

SPD-Gemeinderat Jan Wiltsch wies darauf hin, "dass der aktuelle Lärmpegel im Ort wesentlich höher sei als er an der Umgehung jemals sein wird." Auch Jürgen Geyer von der CWG-Fraktion meldete sich zu Wort. "Ein offenes Gespräch hat noch nie geschadet." Eckart Wiltsch rief zur Einigung auf: "Ich verstehe die Brisanz nicht. Aktionen pro und contra sind nicht gut für den weiteren Verlauf des Bauvorhabens. Wir dürfen keinen Druck auf die Kläger aufbauen. Die Klagen werden im Zuge des Planfeststellungsbeschlusses bearbeitet. Leute bleibt ruhig, das Ding wird gebaut", mahnte der ehemalige Gemeinderat.
Wir Anlieger sind enttäuscht, dass quasi schon alles entschieden ist.Bruno Geyer
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