Petra Dettenhöfer kämpft sich zurück
Rückkehr auf Raten

Zurückgezogen, nicht abgeschnitten: Petra Dettenhöfer nimmt noch keine Termine wahr, hält aber Kontakt zu Mitarbeitern und Parteifreunden. Gerhard Dettenhöfer ist während der langen Genesungsphase eine große Stütze für die Politikerin. Bild: Zaruba
Politik
Kirchenthumbach
26.09.2015
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Herausschneiden, und dann geht es einfach weiter. So dachte Petra Dettenhöfer vor der Tumor-Operation. Der Eingriff am Kopf liegt acht Monate zurück. Seitdem kämpft sich die Landtagsabgeordnete zurück in ihr altes Leben. Eine Rastlose übt sich in Geduld. Nicht zum ersten Mal.

Die frühherbstliche Sonne taucht die hügelige Landschaft in der westlichsten Ecke des Neustädter Landkreises in warmes Licht. Der Ortsrand von Thurndorf öffnet sich hin zu weiten Wiesen. Fast jeden Tag geht Petra Dettenhöfer spazieren. Sinnbildlich für den langen Weg, der hinter ihr liegt. Und das deutlichste Zeichen dafür, wie weit sie es geschafft hat - seit Januar. Damals, nach einer Tumor-Operation am Kopf, war die Politikerin halbseitig gelähmt. "Ich saß im Rollstuhl und bin wieder herausgekommen", erzählt die 58-Jährige heute.

Petra Dettenhöfer hat sich verändert. Ihre Gesichtszüge wirken schmaler. Sie trägt die Haare anders. Und eine Brille. Mit dem Sehen hatte es auch angefangen. Irgendwann im Sommer 2014. Da bemerkte die Landtagsabgeordnete kreisförmige Strukturen im Gesichtsfeld. "Da denkt man sich nichts dabei", sagt sie und blickt auf den kaum merklichen Prozess zurück, mit dem die ersten Symptome ins Leben traten.

Sie blendete diese konsequent aus. Wie auch erste Gleichgewichtsstörungen. An Unsicherheiten auf dem Fahrrad erinnert sich ihr Mann Gerhard Dettenhöfer. "Da hab ich noch gesagt: Wie stellst du dich denn an ...!?" In der Rückschau erscheint alles so klar. Petra Dettenhöfer hat viele Monate einer schleichenden Erkrankung und eine ebenso lange Zeit der Genesung hinter sich. Jetzt, nach Abschluss der stationären und teilstationären Therapien, ist sie zu Hause in Thurndorf. Erstmals spricht sie dort über ihr Tumorleiden.

Bis an die Grenzen

Zum Jahresende 2014 hin führten die Symptome zu deutlich spürbaren Einschränkungen. Ausgerechnet in der Hochsaison für einen Landespolitiker, wenn Sitzungen in München und Termine im Wahlkreis den Terminkalender überquellen lassen. "Im Dezember dachte ich noch, ich pack das", berichtet die CSU-Frau. "Im Januar habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr kann. Es ist mir zunehmend schwergefallen, Abendtermine wahrzunehmen." Sie versuchte dennoch, wo es ging, präsent zu sein. Auch wenn es eigentlich nicht ging und Außenstehende wahrnahmen, was sie nicht wahrhaben wollte.

Im Januar ging Dettenhöfer zum Arzt. Vorausgegangen war ein Sturz inmitten von Parteifreunden beim Neujahrsempfang in der Weidener Max-Reger-Halle. Die Untersuchung im Klinikum Weiden zeigte die Ursache der Einschränkungen: Ein walnußgroßer Tumor war am Hirnstamm herangewuchert. "Wenn man sich so die Nervenstränge vorstellt," sagt die Thurndorferin und streckt die Finger einer Hand ab, "dann war er so drin und hat sie auseinandergespreizt." Daumen und Zeigefinger der anderen Hand formen einen Ring. Erschreckend groß.

Eine Schockdiagnose, eigentlich. Jedoch: "Ich war unaufgeregt. Ich war vorher im Büro und danach bin ich wieder ins Büro gegangen." Der Befund habe auf einen gutartigen Tumor hingewiesen. "Ich habe das relativ gelassen angenommen. Allerdings dachte ich: Ich werde operiert, und es ist wieder okay." Dabei waren die Risiken schwerwiegend. "Mir war wichtig, dass ich sprechen kann - das hat geklappt." Allerdings erwachte sie nach der mehrstündigen OP im Universitätsklinikum Regensburg mit einer halbseitigen Lähmung. Hinzu kamen deutliche Sehprobleme.

Bewusst zurückgezogen

Weggefährten und auch Politiker aus anderen Lagern übermittelten Genesungswünsche. "Ich habe über Parteigrenzen hinweg sehr viel Positives erfahren." Umgekehrt bewegte die Thurndorferin das Schicksal ihres alten Parteifreunds Markus Sackmann. Der Kampf des Oberpfälzers gegen den aggressiven Krebs und sein offener Umgang mit der Erkrankung nötigen ihr Respekt ab. Dettenhöfer selbst zog sich zurück. Bewusst, wie sie sagt. Über den Besuch Horst Seehofers und Emilia Müllers hat sie sich dennoch gefreut. Der Ministerpräsident und die Oberpfälzer Ministerin überrumpelten sie in der Regensburger Klinik ein wenig.

Kurz nach dem Eingriff begann die Reha: "Am Anfang waren es große Schritte; die sind dann kleiner geworden. Wichtig ist, dass es Vorwärtsschritte sind." Eine Erkenntnis, der eine harte Geduldsprobe voranging: "Ursprünglich habe ich mir vorgestellt, dass ich spätestens nach der Sommerpause im September wieder anfange." Die Ärzte hätten gesagt, dass es lange dauern werde. "Ich wollte das einfach nicht wahrhaben. Ich war gewohnt, Sachen anzupacken und schnell zu machen." Außer in der Zeit, als sie schon einmal vom Schicksal auf eine harte Probe gestellt wurde. 1982 zerschmetterte ein Unfall ein Bein. Es drohte die Amputation. Aus Wochen der Behandlung und Reha wurden Monate und schließlich Jahre. "Ich dachte, das wird sich in meinem Leben nicht wiederholen, dass ich so etwas durchmachen muss."

Kraft geben der zweifachen Mutter auch Mann und Kinder: "Die Familie habe ich jetzt am nötigsten gebraucht." Von den Bewegungsstörungen nach der Operation ist für den Außenstehenden nichts mehr zu erkennen. Probleme, sagt Petra Dettenhöfer, bereiteten ihr noch die Augen. Der Tag beginnt nun auf dem Hometrainer. Die Thurndorferin will fit werden für den Wiedereinstieg. Auf dem Programm stehen Krankengymnastik, Spaziergänge sowie eine Kraniosakraltherapie, eine alternativmedizinische manuelle Therapie.

Politisch, sagt die Landtagsabgeordnete, blieb sie in all der Zeit gut informiert. Dazu läuft das Notebook im Arbeitszimmer, und es gibt engen Kontakt zum Büroteam. Die Mitarbeiter dort müssen aber weiterhin Terminanfragen absagen. Auf ein Datum für die Rückkehr auf die öffentliche Bühne lässt sich Petra Dettenhöfer nicht festlegen. "Es ist nicht absehbar." Nur soviel: Es soll schrittweise ablaufen. "Ich hatte ja keinen Achtstunden-Tag. Das war ein unheimliches Pensum", blickt sie zurück auf das Jahr 2014. "Das kann man nicht auf einen Schlag wieder beginnen."
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