145 Jahre Feuerwehr Thurndorf: Löschmaschine eine Rarität aus den Anfangsjahren
"Wagen von Eisen und Federn"

Die aus dem Jahr 1888 stammende Löschmaschine der Thurndorfer Feuerwehr ist seit ihrer Restaurierung 1981 wieder voll einsatzfähig. Hersteller und Lieferant des 1250 Mark teuren Geräts mit der Seriennummer 2668 war die Nürnberger Firma Justus Christian. Bild: ü
Vermischtes
Kirchenthumbach
20.05.2016
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Seit Jahrhunderten wird in Thurndorf eine wechselvolle und interessante Geschichte geschrieben, seit 145 Jahren trägt die Feuerwehr dazu bei. Am Wochenende feiert der Ort am Kütschenrain mit den Brandschützern ihr Jubiläum: Zeit für einen Blick zurück, denn die Wehr verfügt über eine Rarität - eine Löschmaschine aus dem Jahr 1888.

Thurndorf. Viele Jahre vergessen, aber gottlob im Trockenen untergestellt, wurde sie bereits 1981 in mühevoller Kleinarbeit restauriert, so dass sie wieder voll funktionsfähig ist. Seitdem hüten die Brandschützer das gute Stück wie einen Augapfel.

1870 wütete in Auerbach ein größerer Brand, der fast die gesamte Ortschaft bedrohte und zum Teil auch vernichtete. Aufgrund dieses Vorfalls rief der Bezirkspräsident die Bevölkerung auf, wo immer möglich, Feuerwehren zu gründen. Noch im gleichen Jahr fassten die Thurndorfer Gemeinderäte den Beschluss, eine organisierte Feuerwehr aus der Taufe zu heben.

Absage an Nachbarort


In ihrem Ansinnen wurden sie bestärkt von der Tatsache, dass die Thurndorfer zur Reparatur der Kirchenthumbacher Feuerlöschmaschine ein finanzielles Scherflein beitragen sollten. Das Gremium sah aber nicht ein, den "Thumbachern ihre kaputte Spritz'n mitzufinanzieren":

"Auf Vorladen erschienen sämtliche Ausschussmitglieder, um im rubrizierten Betreffe Beschluhs zu fassen. Durch Anschreiben der Marktgemeinde Kirchenthumbach wird die Gemeinde Thurndorf aufgefordert, zur Reparatur der Feuerlöschmaschine Kirchenthumbach die Summe von 23 Gulden und 10 Kreuzer zu bezahlen. Da aber die Gemeinde selbst schon Schritte gethan habe, um eine Löschmaschine anzuschaffen, welches in Vollzug gesetzt wird, so wurde beschlossen, zur fraglichen Reparatur nichts zu bezahlen, welches der Gemeinde Kirchenthumbach zugeschlossen wird."

Dass der Gemeindeausschuss keine leeren Phrasen gedroschen hatte, um sich den Reparaturkosten zu entziehen, beweist die Gründung der Wehr am 25. Mai 1871. Bereits 1886 bemühten sich die Verantwortlichen, für die geplante Neuanschaffung einer Löschspritze bei den verschiedensten Stellen Zuschüsse zu erhalten. Am 30. April 1888 wurde dann der Vertrag mit der Nürnberger Firma Julius Christian Braun über die Lieferung einer Löschmaschine abgeschlossen.

Mit "mittlerer Laterne"


"Die Gemeinde Thurndorf bestellt bei Justus Braun, Löschmaschinenfabrik Nürnberg, eine 4-rädrige Saug- und Druckspritze nach dessen Preisliste mit dem in der selben bezeichneten Zubehör, Wagen von Eisen und Federn und Ventil, Belüftungsentleerung des Schlauchs, die mittlere Laterne wird verlangt, zum Preis von 1250 Mark." Bei dem Gerät handelte es sich zur damaligen Zeit um eine großartige und hochmoderne Anschaffung - zumal für diesen Preis damals ein kleines Anwesen erworben werden konnte. Doch für die Sicherheit der Bürger schien schon damals kein Preis zu hoch zu sein.

Die handbetriebene Spritze tat ihren Dienst bis 1949. In diesem Jahr erhielt die Wehr eine tragbare Motorkraftspritze, die lange als eine der modernsten Feuerlöschmaschinen im gesamten Landkreis Eschenbach galt. Für das Gerät nahmen die Thurndorfer erneut enorme finanzielle Opfer auf sich, denn die Kosten beliefen sich auf 4012 Mark.
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