500 Jahre altes Lebensmittelgesetz
Ein Prosit auf das Reinheitsgebot

Markus Ehlert, Brauer bei Heber-Bräu in Kirchenthumbach, ist ein Verfechter des Reinheitsgebots. Er glaubt zwar, dass sich das Reinheitsgebot in den nächsten Jahren ändern wird - Bier werde es aber in 500 Jahren noch immer geben. Bild: ü
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Kirchenthumbach
22.04.2016
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Ich persönlich bin eine Verfechterin des Reinheitsgebots.

Was Wein kann, kann Bier schon lange. Schließlich gibt es den Gerstensaft schon mehr als 5000 Jahre. Das Reinheitsgebot gilt als das älteste Lebensmittelgesetz und feiert heuer seinen 500. Geburtstag. Doch wie geht es mit dem Bier und dem Reinheitsgebot weiter? Brauer geben eine Antwort.

/Schlammersdorf. Weil es das Reinheitsgebot schon seit 1516 gibt, "weiß man, was man kriegt", sagt Markus Ehler, Brauer bei Heber-Bräu in Kirchenthumbach. Das ist seiner Meinung nach auch der Grund dafür, dass sich das Lebensmittelgesetz schon so lange hält. Seit 500 Jahren könne deswegen auch kein "Schmu wie mit anderen Lebensmitteln" betrieben werden, seit 1516 ist das Bierbrauen einheitlich, "die Leute wissen, was sie bekommen".

Dass es Bier in 500 Jahren noch gibt, "davon gehe ich aus". Und: "Ich hoffe nicht, dass das Reinheitsgebot abgeschafft wird", sagt Ehler. Viele Fachleute würden für die Abschaffung des Lebensmittelgesetzes plädieren, zwecks internationaler Vergleichbarkeit. An Bier-Weltmeisterschaften könnten deutsche Brauereien oft nicht teilnehmen. "Ich plädiere dafür, dass es so bleibt", sagt Ehler bezüglich des 500 Jahre alten Reinheitsgebots. "Ich gehe aber davon aus, dass sich in den nächsten Jahren das älteste Lebensmittelgesetz ändern wird." Als Stichworte nennt er die Europäische Union und die Globalisierung.

Nach seiner Erfahrung trinken Bierkonsumenten der Region ein normales Helles oder ein Weißbier. Ende der 1990er und Anfang 2000 sei das aber anders gewesen: Da waren die Alcopops in, jetzt gehe es "eher wieder zurück zum 'Normalen'", sagt Ehlert.

Heber-Bräu hat sich für den Tag des Bieres am Samstag auch ein besonderes Programm ausgedacht: Es gibt verschiedene Gerichte mit Bier, einen Brauerei-Tag der offenen Tür, das Museum ist ebenfalls geöffnet.

"Ich persönlich bin eine Verfechterin des Reinheitsgebots", sagt Christine Püttner aus Schlammersdorf, die mit ihrem Mann Johannes eine Brauerei und eine Gaststätte betreibt. Dennoch sei es "ein bissl schwierig", weil es junge aufstrebende Brauer gebe, die sich gerne ausprobieren wollen. Außerdem sei der Vergleich mit ausländischen Bieren nicht einfach, weil die nicht "Reinheitsgebot-gebunden" sind. Gott sei Dank gebe es aber viele Hopfensorten, die eine "ganz große Bandbreite zum Spielen lassen". Sogenannte Kraft-Biere seien "in" und eine Chance - "für den breiten Markt aber weniger geeignet", meint die Bier-Sommelière. Das Reinheitsgebot "zeichnet unser Land aus, dass der Kunde darauf vertrauen kann, was drin ist", weiß Püttner.

Einen Tendenz sieht die Schlammersdorferin nicht unbedingt in bestimmten Biersorten - "der Trend geht Richtung regional nachhaltig. Das ist die Chance für kleine Brauereien." Sie weiß allerdings: "Weißbier geht bei jungen Leuten immer, Helles erlebt eine Renaissance - was vor 20 Jahren das Pils war, ist jetzt das Helle."

Bei der Brauerei Püttner gibt es die Möglichkeit, den Betrieb bei einer Besichtigung kennenzulernen, "auch Biere von Kollegen", sagt Püttner.
Ich persönlich bin eine Verfechterin des Reinheitsgebots.Christine Püttner
Ich glaube nicht, dass das Reinheitsgebot abgeschafft wird.Markus Ehler
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