Aus der Kirchenthumbacher Braugeschichte
Von „rotem“ und „weißem“ Bier

Bottiche, Fässer und jede Menge alter Handwerksutensilien zeugen im Nußstein-Anwesen vom Leben früherer Tage. In den historischen Räumen wurde früher Bier gebraut, aber auch Brot gebacken und Mehl gehandelt. Bilder: ü (2)
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Kirchenthumbach
14.05.2016
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Zwar hängt noch der Zoiglstern am Nußstein-Anwesen, doch selbst gebraut und eigenes Bier ausgeschenkt wird dort nicht mehr.

Ein Zoiglstern an der Hausfassade, Bier-Bottiche und -fässer am und im Nußstein-Anwesen geben Zeugnis von den Hausbrauereien und vom Zoiglbier vergangener Tage. Damit ist es allerdings schon lange vorbei. Stattdessen wird in den historischen Räumen, in denen früher Bier gebraut und Brot hergestellt sowie Mehl gehandelt wurde, gefeiert.

Heute, Samstag, ab 20 Uhr steigt im Nußstein-Anwesen ein Zoiglbier-Abend. Der Kulturkreis bietet dabei Zoiglbier aus der Krawandorfer-Brauerei sowie Brotzeiten an. Zur Unterhaltung spielt die "Neisteder Zoiglmusi" auf. Einlass ist bereits ab 18 Uhr; die Räume können beheizt werden. Anlass für die Veranstaltung ist das Jubiläum "500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot".

Die Marktgemeinde hat eine interessante Braugeschichte aufzuweisen. Der in Kirchenthumbach geborene und aufgewachsene Pfarrer Paulinus Fröhlich berichtete 1951 in seinem Buch "Kirchenthumbach" im Kapitel über das "Bräu- und Malzhaus" darüber:

"Die Bierbereitung ging ursprünglich wohl allgemein mit dem Brotbacken Hand in Hand. Vor allem die Mühle diente zugleich als Backhaus und Brauhaus. Das Malz wurde in der Mühle geschrotet und im Backofen gedörrt; die Brauerei wiederum lieferte die Hefe für die Bäckerei. Die alten Würz- und Erhaltungsmittel (Harz und Gagelkraut) wurden etwa seit dem achten Jahrhundert (...) durch den Hopfen ersetzt."

Wechsel im 17. Jahrhundert


Bis weit in das Mittelalter hinein sei das Bier in den Haushalten hergestellt worden. Erst als Klöster und Spitäler dabei "mit sichtlichem Erfolg" Brauanlagen benützten, seien auch die Gemeinden daran gegangen, "öffentliche Brauhäuser zur Selbstherstellung des Bieres zu errichten".

"In Thumbach hat man um 1646 noch zumeist Wein getrunken", schrieb Fröhlich. "Doch hatte um die gleiche Zeit auch das Thumbacher Bier sich bereits ein großes Feld erobert, sonst hätten die Bürger des Marktes nicht sofort nach dem 30-Jährigen Krieg trotz aller Verwilderung der Felder und trotz aller Not in den Häusern und Familien soviel Gerste aufgebraucht, um 22 Mal brauen zu können."

Wie das Brauen vonstatten ging, darüber informierte der Pfarrer ebenfalls: "Die Thumbacher haben wöchentlich ein- bis zweimal gebraut. Der Braumeister bekam von der Sud Bier 32 Pfennig und 3 Maß Bier, der Mälzer vom Malz 3 Pfennig und eine Maß Bier. Beide Hantierungen waren meist unter einer Person vereinigt." Brauer und Mälzer seien von der Marktkammer bezahlt worden, die ihrerseits von jedem Brauberechtigten - und das war laut Regierungserlass vom 4. August 1784 jeder, der das Bürgerrecht besaß - das Kesselgeld erhoben habe.

Das Kommunbier hatte einen eigenen Namen. Es hieß "rotes Bier" im Gegensatz zum auswärtigen "braunen oder weißen Bier", das nur mit Genehmigung des Rats eingeführt und verkauft werden durfte. Das "rote Bier" ließ laut Fröhlichs Aufzeichnungen manchmal - eigentlich häufig - sehr zu wünschen übrig; "es kam dann in den zweifelhaften Ruf, eine Medizin zu sein, die mit guter Wirkung bei gewissen Unterleibsschmerzen angewendet" werden konnte. Und Sommerbier sei meist sauer geworden.

Sommerkeller unrentabel


Eine Besserung trat ein, als man im 18. Jahrhundert daran ging, Felsenkeller zu bauen. Dem Beispiel anderer Orte folgend, wurde auch in Thumbach versucht, den Bierkonsum durch den Ausschank in Bierkellern, den sogenannten Sommerkellern, zu steigern. "Aber wie anderswo musste man auch in Thumbach gar bald deren Unrentabilität einsehen", berichtete der Pfarrer.

Einige Bierkeller wurden während des Zweiten Weltkriegs als Waffenlager benutzt und nach dem Krieg von amerikanischen Soldaten gesprengt oder von den Besitzern verfüllt. Bekannt waren vor allem die Bierkeller am Anfang zur Bergkirche und in der Kellerstraße sowie die Felsenkeller in der heutigen Lindenstraße.

"Rauchig, dumpfig"


Weiter schrieb Paulinus Fröhlich, dass die Bürger die "rauchigen, dumpfigen Trinkstuben" den Kellern vorzogen. "Dahin folgten den Männern um 1800 mit Vorliebe die Frauen, die nach damaliger Sitte zwei bis drei Schritt hinter dem Ehegespons zu gehen hatten." 1811 sei der Zwang, wonach "die brauberechtigten Bürger ihr Bier in einem Gemeinschaftsbrauhaus sieden mussten", aufgehoben worden. "Es entstanden private Bierbrauereien, die schneller oder langsamer, aber doch sicher den Verfall der Kommunbrauereien herbeiführten."

Aber auch Erstere wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer weniger. Kirchenthumbach indes kann sich glücklich schätzen: Die Heberbräu in der Auerbacher Straße wurde vor einigen Jahren nach 40-jähriger Ruhephase zu neuem Leben erweckt.
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