Aus Zeiten, als fast jedes Haus im Zentrum ein Geschäft oder eine Gaststätte beherbergte
Als die Geschäfte blühten

Das waren noch goldene Zeiten für Einzelhandel und Gaststätten: In der Festschrift anlässlich der Kirchenthumbacher 1200-Jahr-Feier empfahlen sich 1951 insgesamt 55 ortsansässige Geschäftsleute mit einer Anzeige.
Vermischtes
Kirchenthumbach
21.05.2016
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Im ganzen Land gehen in den Städten und Gemeinden von Tag zu Tag mehr Lichter aus. Dort, wo einst mit Waren bestückte Schaufenster von blühendem Handel und Umsatz zeugten, sind heute Schilder mit der Aufschrift "Zu vermieten" oder "Zu verkaufen" zu finden. So auch in Kirchenthumbach, wo ein Geschäft nach dem anderen "die Schotten dicht" macht.

Innerhalb weniger Jahre haben dort im Bereich des Marktplatzes nicht weniger als sechs Geschäfte ihre Ladentüre für immer zugesperrt. Die Gründe dafür sind landauf, landab immer dieselben: Alters- und Nachfolgeprobleme, die Supermärkte an den Ortsrändern und vor allem das Internetgeschäft, auch "Totschläger des Einzelhandels" genannt.

Auch in Kirchenthumbach herrschten andere Zeiten. Nahezu in jedem Haus am Marktplatz und zum Teil auch in der Auerbacher, der Eschenbacher und der Bayreuther Straße war ein Laden oder ein Wirtshaus untergebracht. Die Marktgemeinde war ein begehrter Standort und beliebtes Einkaufsziel, führte doch die Reichsstraße von Amberg nach Leipzig durch die Kommune.

Aus- und Umsiedlung


Erst ab 1938 in Folge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes ging der Umsatz im Einzelhandel leicht zurück: Denn die Einwohner der Orte, die im nördlichen Teil des Geländes lagen, hatten in Kirchenthumbach eingekauft. Durch die Aus- und Umsiedlung ging Kaufkraft verloren. Doch die Geschäftsleute und Gewerbetreibenden jammerten nicht, zumal die meisten nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieben. Zum Leben reichte es, und die Ansprüche waren nicht so hoch, ja, eher bescheiden.

Obwohl die Hausschlachtungen zum Jahresrhythmus gehörten, gab es zahlreiche Metzgereien: Strauß, Lindner, Kirsch, Wöhr-Seigner und Kaufmann-Politzka. Hinzu kamen mit den Bäckereien Schuller, Albersdorfer, Kohl, Pesch, Schaller und Nußstein sechs Backstuben. Ähnlich sah es mit den Wirtshäusern aus: In Spitzenzeiten wurde in 21 Häusern Bier ausgeschenkt. Was die Bürger zum Leben brauchten, kauften sie damals in den einheimischen Geschäften ein - nach dem Motto "Fahr nicht fort, kauf am Ort". Bei besonderen Anschaffungen reisten sie mit der Bahn nach Weiden oder mit dem "Göttelbus" nach Bayreuth. Dieser steuerte die Oberfanken-Metropole jeden Mittwoch und Samstag an.

Immer mehr Pendler


Ab den 1970er Jahren begann langsam das Sterben der kleinen Geschäfte: Kirchenthumbach wurde immer mehr zu einer Wohn- und Schlafgemeinde. Die Arbeitnehmer pendelten in die umliegenden Städte, wo sie zum Teil auch einkauften.

Der letzte Tante-Emma-Laden - Inhaberin war Klara Schuhmann - schloss im März 1991. In dem Haus in der Auerbacher Straße hatte Schuhmanns Vater Hans Schmidt 1930 eine Tankstelle eröffnet. Der Erdtank fasste immerhin 3000 Liter, obwohl es zur damaligen Zeit in Kirchenthumbach nur drei Autos gab. Den meisten Sprit tankten Durchreisende.
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