Ausgaben der Eschenbach-Auerbacher Volkszeitung
Von Vogelfallen und Siedwürsten

Vermischtes
Kirchenthumbach
19.02.2016
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Ein Appell an die Vernunft der Leser: Auch Ratschläge wie dieser waren vor ungefähr 60 Jahren in der Zeitung zu finden. Bilder: ü (3)

An E-Mail, Facebook und Twitter dachte vor fast 60 Jahren noch niemand. Telefone hat es zwar gegeben, sie waren aber auf dem flachen Land eher die Seltenheit. Die neuesten Nachrichten waren im Radio zu hören oder auf den wenigen Fernsehgeräten zu sehen. Das Medium damals war die Tageszeitungen - aber auch diese hatten nur wenige Haushalte abonniert.

"Wos gibt's Neis?" oder "Houst schon g'hört?": Weitergetragen wurden Neuigkeiten in der Regel von den Frauen des Ortes: bei Gesprächen über den Zaun und am Milchbankl oder - vor allem im Winter - bei den Hutzaabenden.

Worüber damals geredet wurde? In den Ausgaben der Eschenbach-Auerbacher Volkszeitung, die 1968 vom "Neuen Tag" übernommen wurde, aus dem ersten Halbjahr 1958 sind unter anderem zum Schmunzeln anregende Kurzmeldungen zu finden. Was die Menschen damals bewegt hat, ist hoch interessant.

Freitag, 3. Januar 1958: "Seit einigen Wochen treiben an der Umgehungstraße Halbwüchsige und leider auch Schulbuben größten Unfug zum Ärger und Verdruss der gesamten Nachbarschaft, indem sie Vogelfallen aufstellen, in denen sie Unschlitt geben.

Außerdem schossen die Rohlinge mit Stutzen und Luftgewehr nach allen Vögeln, die meist verwundet werden und elendiglich zu Grunde gehen. Die Schusswaffen sind so alt und so schlecht, dass sie selbst für die Schützen eine Gefahr sind. Ist denn in unseren Markt noch nicht genug Unglück mit Sprengstoff geschehen? Müssen am Ende noch unschuldige Augen herausgeschossen werden?"

Am 21. Januar 1958 wurde wegen neuer Ladenschlusszeiten Klage geführt. "Vor allem die Frauen aus dem Umland können jetzt Samstagnachmittag und Sonntagvormittag nicht mehr einkaufen."

Dienstag, 23. Januar 1958: "Beste Siedwürste gibt es morgen, Mittwoch, ab 15 Uhr in der Gastwirtschaft 'Hafenkneipe' des Alois Friedl und ab 19 Uhr kann sich jedermann mit Kraut, Knödeln und Knackern stärken. Da wird auch der Gewerbeverein seinen Mann stellen."

Dienstag, 4. März 1958: "Seit 1. März 1958 wurde H.H. Pfarrer und Kammerer, Josef Bollmann, von seiner Exzellenz, dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischof von Regensburg, in Anerkennung des treu priesterlichen Lebens und unermüdlichen seelischen Wirkens, besonders der ebenso mühevollen wie erfolgreichen Arbeit für die Erbauung der Kirche in Klardorf, der Errichtung der Wohnsiedlung und des Pfarrheims in Kirchenthumbach sowie der würdigen Erneuerung der Kirchen in unserer Pfarrei zum Bischöflichen Geistlichen Rat ernannt."

"Wie eine Ziehharmonika"


Samstag, 8. März 1958: "Heute Samstag, beginnt um 14.30 Uhr eine Versammlung der Kinderreichen bei Baptist Sporer (Trollnhansn). Am Samstag fuhr ein mit Brettern und Langholz beladener Lkw von Eschenbach kommend so ungeschickt in die Bundesstraße ein, dass er wahrscheinlich mit dem Langholz die Gartenzäune von Heindl und Zeitler samt Säulen umbrach. Die Zäune sehen wie eine Ziehharmonika aus. Der Fahrer fuhr, ohne sich um den Schaden zu kümmern, Richtung Auerbach weiter. Die Nummer des Wagens ist bekannt."

Dienstag, 1. April 1958: "Heute vor 25 Jahren übernahm Herr Alois Sporer, ein gebürtiger Pfaffenstettener, den Mesnerdienst in der Pfarrei, den er seitdem freudig treu und gewissenhaft erfüllt."

Stier bricht aus


19. April 1958: "Die diesjährige Hauptkörung der Zuchtbullen, Ziegenböcke und Schafböcke erfolgt am Dienstag, 22. April, um 9 Uhr beginnend auf dem Sportplatz unterhalb neuen Schule."

"Bei der Körung, brachte man den Stier von Gunzendorf aus dem Lkw. Dabei wurde der Bulle unruhig, sprang auf einen Pkw und drückte mit den Knien zwei Vertiefungen ein. Der Haltestab des Nasenrings brach entzwei und nun drückte das Tier Stegers Zaun um und trampelte ums Haus. Unerschrockene Männer legten dem Stier eine Augenbinde an und fesselten ihn."

Samstag, 24. Mai 1958: "Die Lehrkräfte haben im Werkunterricht den Platz vor dem neuen Schulhaus (Knabenschule) zum Teil umgegraben und Blumenbeete angelegt. Dadurch wurde der Schulplatz verschönert und die Kinder können das Gedeihen heimatlicher Pflanzen in der Nähe beobachten."
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