Bürger-Energiegenossenschaft West will in Windstrom-Projekte investieren
Bekenntnis zur eigenen Stromerzeugung

"Wir verzocken nichts, wir vermehren Euer Geld", erklärte Vorstand Udo Greim zur Dividende von 2,25 Prozent. Das Interesse an der Bürger-Energiegenossenschaft West ist groß. Bei der Generalversammlung in Kirchenthumbach lauschten über 200 Genossen den Rechenschaftsberichten. Bild: do
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Kirchenthumbach
02.06.2016
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Weg von den fossilen Brennstoffen und den Monopolisten, heißt es bei der Bürger-Energiegenossenschaft West. 1344 Mitglieder sind von diesem Weg überzeugt und unterstützen mit über 30 000 Anteilen das Ziel einer dezentralen und umweltfreundlichen Energieproduktion und -versorgung. Dieser Weg ist auch ökonomisch interessant, beweisen die Genossen.

Ein klares Bekenntnis, in Eigenregie Strom zu produzieren und auch selbst zu vermarkten, kommt vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft. Willi Rauch (Eschenbach) sprach bei der Generalversammlung im Sportheim Kirchenthumbach von einer "Erfolgsgeschichte, die seinesgleichen sucht". Vor über 200 Mitgliedern zog der Obergenosse für das Geschäftsjahr 2015 Bilanz und veröffentlichte stolze Zahlen.

Rauch sprach von einem starken regionalen Eigenkapital, informierte über eine Bilanzsumme in Höhe von 15,7 Millionen, nannte Großinvestitionen in Höhe von insgesamt mehr als 15 Millionen Euro, berichtete von einem Jahresüberschuss von 539 000 Euro und erläuterte den Bilanzgewinn von 222 000 Euro. Genüsslich lauschte die Versammlung diesen Frohbotschaften des stetigen Zuwachses. Doch was bleibt für die Genossen im Portmonee? Diese Frage blieb zunächst unbeantwortet. Nicht die Dividende stehe bei der Bürger-eG im Mittelpunkt, sondern die nachhaltige Förderung des Umweltgedankens, betonte Rauch. Er pries das regionale, sichere und solide Engagement und ließ keine Zweifel aufkommen: "Diese Anlageform abseits von Aktien- und Börsenfonds ist vertrauenswürdig." Davon ist auch der Vorstand der Bürger-Genossenschaft überzeugt. Udo Greim (Grafenwöhr) präsentierte auch im Namen seines Kollegen Johann Mayer (Speinshart) im Geschäftsbericht 2015 beeindruckende Ergebnisse. Der Vorsitzende verwies zunächst auf die Zeichnung weiterer Anteile in Höhe von insgesamt 630 000 Euro bei der NEW-Neue Energien West. Damit besitze die Genossenschaft bei der NEW eG. eine Beteiligung von 93,8 Prozent. Dann beleuchtete Greim die weitere Investitionstätigkeit. Der Vorstand informierte über den Zubau im Bereich der Photovoltaik-Dachanlagen in Ruppendorf und Seifersdorf mit einer Solar-Modul-Leistung von 975 Kilowatt-Peaks.

Starkes Interesse zeigt die Genossenschaft an Windstrom-Projekten. Greim berichtete über Verhandlungen zum Kauf von Projektrechten und bestehender Windenergieanlagen. Er verriet geheimnisvoll: "Aktuell befindet sich ein Windkraftprojekt in der Endphase der Prüfung". Mit der Vertragsunterzeichnung rechne er noch im Juni 2016. Der Vorstandssprecher verwies ferner auf eine Kooperationsvereinbarung zur Nutzung der Windkraft im Hessenreuther Wald. "Das Erbendorfer Projekt mit dem besten Windstandort Bayerns liegt uns besonders am Herzen." Deshalb sei die Genossenschaft auf der sicheren Seite, die Windkraft auf dem Hessenreuther Berg zu nutzen.

Grafenwöhrs 3. Bürgermeister berichtete ferner über den Erwerb und über Beteiligungen an weiteren Windkraftanlagen in der Region, zum Beispiel bei Creußen und kündigte die Errichtung von PV-Anlagen entlang der Bahnlinie bei Kastl und bei Höflas an. In Höflas interessiert sich die Genossenschaft für das Gelände einer ehemaligen Bauschuttdeponie der Stadt Kemnath.

Ausbaufähig ist der Stromtarif "Regionalstrom-Nordoberpfalz". Seit zwei Jahren bietet die NEW eG diesen Tarif an. Mit schleppender Inanspruchnahme, wie Greim bedauerte. Derzeit nutzten nur 160 Haushalte einen Tarif, der sich aus Solarpark- und Wasserkraftwerksstrom zusammensetze.

Dividende von 2,25 ProzentAusführlich legte Aufsichtsratsvorsitzender Willi Rauch Rechenschaft ab über ein Jahr "mit einem weiteren erfolgreichen Schritt in Richtung erneuerbaren Energien". Im Einvernehmen mit dem Vorstand verkündete Rauch eine Ausschüttung in Höhe von 338 670 Euro.

Daraus folgernd beschloss die Generalversammlung auf Empfehlung des Vorstandes, der NEW eG-Geschäftsführung und des Aufsichtsrates bei nur wenigen Gegenstimmen eine Dividende von 2,25 Prozent für die gezeichneten Anteile.

Vorstand Udo Greim ergänzte: "Wir verzocken nichts, wir vermehren Euer Geld. Das ist deutlich mehr Rendite, wie bei Banken." Im Vorjahr waren es 2,5 Prozent. Mit einem "Sonnenbonus" betrug die Ausschüttung schon einmal 4,1 Prozent. Die Auszahlung erfolgt noch im Juni 2016 abzüglich Steuern und Solidaritätszuschlag.

In der Diskussion gab es unterschiedliche Bewertungen zur Dividende. Sicherheit müsse vor Gewinnausschüttung gehen. Weitere Genossen sahen in der verstärkten Nutzung der Windenergie ein Konzept zur Teilhabe an einer stärkeren regionalen Wertschöpfung. (do)
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