Denkmäler in Kirchenthumbach
Einem Gesellen gedenken

Das Weberschiffchen auf dem Steinkreuz erinnert an einen ermordeten Gesellen. Bild: ü
Vermischtes
Kirchenthumbach
10.08.2016
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Kaum sichtbar schlummert das vermutlich älteste Steinkreuz des Markts Kirchenthumbach zwischen Sträuchern und Gras. Im Gemeindebereich gibt es aber noch mehr solcher historischen Denkmäler.

Knapp 135 solcher Schätze sind registriert und ihr Standort kartiert. Das Älteste steht nur 150 Meter vor der Einöde Grünthannmühle, wenige Schritte vom Wegesrand, entfernt. Gesetzt wurde es im Jahre 1650, zwei Jahre nach dem offiziellen Ende des 30-jährigen Krieges - in einer Zeit der Not und sittlichen Verwilderung.

Nach einer Überlieferung soll an dieser Stelle ein Weber-Geselle aus Kirchenthumbach ermordet worden sein. Das steinerne Werk besteht aus heimischem Sandstein. An der Vorderseite ist ein 30 Zentimeter langes und 15 Zentimeter hohes Weberschiffchen eingearbeitet, das an den Ermordeten und seinen Beruf erinnert. Zweifellos ist das moosbewachsene und durch die Jahrhunderte grau gewordene Kreuz ein Denkmal einstiger deutscher Rechtspflege.

Alles zerstört


Mit Beginn des 30-jährigen Krieges 1618 begann für die Bürger in Kirchenthumbach, die ohnehin durch den Glaubenswechsel sehr gelitten hatten, eine Kette von Leiden. Anfangs waren es nur Durchmärsche von Truppen, bei denen Soldaten ihre Vorräte vernichteten oder mitnahmen. Geraubt wurde auch das Vieh, so dass die Felder nicht mehr bewirtschaftet werden konnten. In dieser Zeit der Hungersnot kreuzten die Schweden auf, die im ganzen Land hausten. 1633 belagerten sie Kirchenthumbach mit dem Auftrag, die Bewegungen der österreichischen Truppen zu bewachen. Noch im gleichen Jahr ging Pressath in Flammen auf. Kirchenthumbach wurde ein Jahr später niedergebrannt. Übrig blieben nur die Kirche, der Pfarrhof und ein Teil des Rathauses.

Schwere Zeiten


Es war gerade Markttag. Die Männer und Frauen standen plaudernd unter den Arkaden des Rathauses, wo die Marktbuden und Verkaufsstände untergebracht waren. Plötzlich kamen Boten und meldeten, schwedische Reiter kämen aus Richtung Auerbach geritten. Ihr Ziel: Kirchenthumbach. Alles eilte in die Häuser, um die notwendigsten Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. Frauen und Kinder flüchteten auf den nahen westlich gelegenen Berg "Halmsal".

Die Männer blieben bei ihren Häusern, um zu retten, was noch zu retten war. Die Frauen und Kinder auf dem Berg mussten zusehen, wie der ganze Ort und ihr Hab und Gut in Flammen aufgingen. In einer alten Aufzeichnung ist zu lesen: "Wo der Schweden-Fuß hintrat, bleiben nur Ruinen und Elend zurück". 1646 suchten die Schweden Kirchenthumbach erneut heim, überfielen den Markt, der erst zur Hälfte wieder aufgebaut war und plünderten erneut.

Sogar den goldenen Messkelch stahlen sie. Die kaiserlichen Truppen unter Oberbefehlshaber Albrecht von Wallenstein waren auch nicht besser als die sogenannten Feinde. Auch sie raubten und plünderten. Als der Krieg 1648 zu Ende war, war das Land verwüstet und der Wiederaufbau eine Arbeit für Generationen. Nach und nach kamen die Ausgewanderten wieder zurück, um Haus und Hof zu bestellen.

Neue Gesetze


Die Bürger mussten nun wieder von vorne beginnen. Sowohl die Menschen als auch die Gemeinde und Kirche waren arm. Doch die Gemeinde schuf Gesetze und erhob Steuern. So beschloss der Magistrat das Salzgeld, Brauergeld, Pflasterzoll, Bürgergeld, Schutzgeld, Nachsteuer, Strafgelder, Grundzins und Ungeld.

Von der Not dieser Zeit getrieben, fanden sich im Markt täglich Bettler ein. Das öffnete Mord und Totschlag die Türen. Eines der Opfer war der Weber-Geselle, der auf dem Weg zur Grünthannmühle überfallen, ausgeraubt und ermordet wurde.
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