Ein Lichtermeer: Frater Emmanuel Rotter predigt vor ungefähr 1000 Menschen bei Mariendeier an ...
Gute Tugenden im Alltag leben

"Das schaffen Sie schon" oder "Das machen Sie schon": Diesen Satz sieht Frater Emmanuel Rotter (OSB) (links), der Prior des Klosters St. Bonifaz und Leiter der Obdachlosenhilfe München, als Motivation an - und nicht als "Munition". Bei der Marienfeier mit Lichterprozession rief er die Gläubigen auf, "jedem den Schatz der Christenheit zu erweisen": Barmherzigkeit, Menschenfreundlichkeit, Liebe. Bild: ü
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Kirchenthumbach
15.09.2016
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Die Lichterprozession zur Bergkirche war und ist ein Mythos - und sie wird es bleiben. Auch heuer dürften es um die 1000 Menschen gewesen sein, die mit Gebet und Gesang zum "Heiligen Berg" der Kirchenthumbacher, der Wallfahrtskirche mit dem Bildnis der Muttergottes von Maria Zell in der Steiermark gepilgert sind. Der Anblick glich einem Lichtermeer.

An der Bergkirche fand bei hochsommerlichen Temperaturen eine Marienfeier statt. Die Ansprache hielt Prior Frater Emmanuel Rotter OSB von der Abtei St. Bonifaz in München. Mitgestaltet wurde die Andacht von Pater Dr. Benedikt Röder, Ruhestandsgeistlichem Helmut Süß, Frater Johannes Bosco vom Kloster Speinshart sowie der Gesangsgruppe "Augenblicke". Prior Emmanuel leitet die Obdachlosenhilfestelle in München, was sich unüberhörbar in seiner Rede niederschlug. Der in Kirchenthumbach geborene Kirchenstifter Friedrich Eisenhut habe damals gewusst, was er zu tun hatte, als er 1714 auf einer Reise von Wien nach Graz überfallen wurde, sagte Rotter: "Er rief Maria um Hilfe an ." Diese habe das Schreien gehört und geholfen.

"Bescheiden, helfend und liebend möchte sie sein - Fürsprecherin, nicht Königin, sondern ein Mensch, der den Ruf Gottes ernst genommen hat", erklärte der Frater. So seien alle berufen, "den Schatz der Christenheit - die Barmherzigkeit, die Menschenfreundlichkeit und vor allem die Liebe - jedem zu erweisen".

Der Gast aus München zählte die guten Tugenden auf: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote begraben, Zweifelnden recht raten, Lästige geduldig ertragen und für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten. Dann wurde der Prior konkreter: "In unserer alltäglichen Seelsorgearbeit und besonders bei unserer Arbeit mit und für obdachlose Menschen bedienen wir uns immer auch des Satzes "Das schaffen Sie schon" oder "Das machen Sie schon", um den Menschen Mut zu geben und sie zu stärken."

Leider sei dieser Satz in der heutigen Zeit sehr in Verruf geraten, obwohl die Grundhaltung, die dahinter stehe, entscheidend für das Gelingen sei. Er beinhalte nichts anderes, "als Mut zuzusprechen, zu signalisieren, 'Du bist nicht alleine'", machte Rotter deutlich. Dies habe nichts mit "Gutmenschentum", Naivität oder gar Verschleierung zu tun, sondern sei Ausdruck von praktizierter Nächstenliebe im Alltag.

"Lassen wir nicht zu, dass dieser Satz zur Floskel oder gar zur Munition für die verkommt, deren Motivation nicht Liebe, sondern Eigennutz oder Hass ist", forderte der Prediger die Gläubigen auf. "Es muss doch möglich sein, eine Gesellschaft zu werden, in der Menschen mit ganz verschiedenen Überzeugungen, Weltanschauungen und Religionen friedlich und barmherzig zusammenleben."

Gute BekanntePater Dr. Benedikt Röder hieß zu Beginn der Marienfeier Festprediger Prior Emmanuel Rotter willkommen, der mit einer kleinen Delegation aus München und Andechs in die Oberpfalz gereist war. "Wir kennen uns schon sehr lange. In der Pfarrei St. Bonifaz war ich nach meinem Promotionsstudium von 2007 bis 2008 als Pastoralpraktikant eingesetzt. Anschließend trat ich meine erste Kaplanstelle in Andechs an, das zum Kloster St. Bonifaz gehört."

Schmunzelnd merkte Pater Benedikt an, dass die Oberbayern in der Regel nicht so oft den Weg in die Oberpfalz beschreiten. Auch bei ihm hätten 2010 nicht wenige gefragt, ob er dorthin strafversetzt worden sei. Dem sei aber absolut nicht so. Ihm gefalle es hier sehr gut, machte Röder deutlich. Frater Emmanuel wünschte er, dass ihm die Oberpfalz gut in Erinnerung bleiben möge. (ü)
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