Ewald F. mehrere Tage verschwunden
Opa auf der „Flucht“

Als hätte Michel Müller nie etwas anderes gemacht, als die Suchen nach Vermissten zu organisieren: Diese Karte stellte er über Facebook online. Sie zeigt, wo sein Opa gesichtet wurde, wo man nach ihm Ausschau halten hätte können. (Foto: hfz)
Vermischtes
Kirchenthumbach
02.08.2016
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Michel Müller, der Enkel von Ewald Funke, musste einige bange Tage überstehen. Sein dementer Opa hatte sich mit dem Auto aus dem Staub gemacht. Bild: hfz

Die vergangene Woche im Leben von Michel Müller und seinem Opa Ewald F. würde Stoff für einen Kinofilm bieten. In dem Film würde es um die "Flucht" eines dementen Senioren gehen, um die Sorge und Angst seiner Familie. Der Streifen würde aber auch Stoff zum Schmunzeln liefern und viel Menschlichkeit - am Schluss stünde ein Happy-End.

Hinter Michel Müller und seiner Familie liegen emotionale Tage. Der demenzkranke Ewald F. senior, der Opa des 21-Jährigen, verschwand vergangenen Dienstag in der Nähe von Höfen. Es folgten drei Tage voller Sorge um den hilflosen Mann, aber auch voller Hilfsbereitschaft und Anteilnahme, wie Müller und seine Familie berichten. Am Freitag folgte das Happy-End, die Polizei entdeckte Müllers Opa praktisch unverletzt auf einer Lichtung nahe Kirchenthumbach sitzend.

Was die Polizei schon am Freitag vermutete, bestätigt nun Müller: "Ihm geht es gut. Er war etwas unterkühlt, aber ansonsten wohl auf." Aktuell ist der alte Herr noch im Pegnitzer Krankenhaus, soll es aber demnächst verlassen dürfen, erst in die Kurzzeitpflege, bevor es einen Langzeitpflegeplatz für ihn gibt. Angesichts des glücklichen Ausgangs kann man über die Umstände der "Flucht" beinahe schmunzeln. Die Geschichte klingt fast wie ein Komödien-Drehbuch. Zu Beginn saß Ewald F. schlafend auf dem Beifahrersitz im Auto seines Sohnes. Müllers Onkel war im Wald zum Holz machen.

Drei bange Tage


Obwohl der Onkel immer wieder nach seinem Vater sah, war der plötzlich samt Auto verschwunden. "Mein Onkel trug Ohrenschützer, weil er mit der Motorsäge zu Gange war." Deshalb habe er nicht mitbekommen, als der Vater aufwachte und sich ans Steuer setzte. "Obwohl er seit vier Jahren nicht mehr Auto gefahren ist, schien er keine Probleme zu haben, das Auto zu steuern. Er war verschwunden und mein Onkel perplex." Zuvor habe der 79-Jährige nie Fluchtversuche unternommen.

Nun begannen drei bange Tage. Zunächst habe die Familie selbst gesucht, erst am Abend gegen 19 Uhr schaltete sie die Pegnitzer Polizei ein. Am Mittwoch wandte sich Müller dann an verschiedene Radiosender und nutzte Facebook zur Suche. "Ich war wirklich rund um die Uhr am Laptop, um nichts zu verpassen." Regelmäßig habe er mit der Polizei gesprochen, den Beamten die Tipps aus Facebook weitergegeben, aber auch Tierheime abgefragt, schließlich saß Hund Snoopy mit im Auto, als sich Ewald Funk auf und davon machte. Die Familie war derweil unterwegs, um zu suchen. Der Donnerstag sei der emotional schwerste der drei Tage gewesen, weil sich wenig Neues ergab. "Wir haben uns nutz- und hilflos gefühlt." Am Freitag sei die ganze Familie dann aber mit einem guten Gefühl aufgestanden. "Wir waren uns sicher, dass sich was ergeben wird. Was sich am Ende auch bewahrheitete."

"Hilfe überwältigend"


Neben dem guten Ende, freut sich Müller immer noch über die Anteilnahme der Menschen. Diese sei schlicht "überwältigend" gewesen." Wir haben so viele Hilfsangebote bekommen. Das hat uns Hoffnung gegeben. Und vieles war auch sehr hilfreich." Der Post auf Facebook wurde rund 18 000 mal geteilt. "Wenn man davon ausgeht, dass jeder Facebook-User im Durchschnitt 200 Freunde hat, dann kann man von einer Reichweite von rund 3,5 Millionen Menschen ausgehen", rechnet Müller vor. "Das ist einfach Wahnsinn." Dazu kommen mündliche Anfragen, Anrufe und Nachrichten. Für den entscheidenden Hinweis war aber wohl ein anderes Medium verantwortlich. Laut Müllers Mutter hat eine Frau die Polizei auf das parkende Auto am Waldrand hingewiesen, weil sie bei Radio Ramasuri von der Geschichte gehört hatte. "Aber das ist vollkommen egal, wichtig ist nur, dass mein Opa wieder da ist."

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