Fronleichnam in den 1950er Jahren: Tagelange Vorbereitungen auf größtes Fest in der Pfarrei
Ein arbeitsintensiver Feiertag

"Schneebälle" und Flieder, Maiglöckchen-Blätter und Birkengrün: Ganz in Weiß und Grün präsentierte sich 1964 der von der Familie von Klara Schuhmann und treuen Helferinnen errichtete Fronleichnamsaltar. Lediglich im Blumenteppich mischte sich das Rot der Pfingstrosen darunter.
Vermischtes
Kirchenthumbach
25.05.2016
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Fronleichnam in den 1950er und 1960er Jahren: Erstkommunionkinder begleiten Pfarrer Adolf Schultes, der unter dem "Himmel" die Monstranz trägt, zu einem Altar. Zu sehen sind außerdem (hinten, von rechts) zweiter Bürgermeister Martin Dobmann, die "Himmelträger" Hans Grau aus Haselmühle, Josef Speckner aus Tagmanns und Michael Paulus, sowie die Chorsänger Hans Schreglmann, Gerd Feiner und Raimund Uhl (links im Bild). Bilder: gpa (3)

Der Fronleichnamstag war in meiner Kinder- und Jugendzeit, also in den 1950er Jahren, das größte Fest im Leben der Pfarrei. Tagelang liefen die Vorbereitungen auf dieses öffentliche Bekenntnis zur heiligen Eucharistie. Hektische Betriebsamkeit herrschte vor allem an den Standorten der Altäre. Auch alle Hausbesitzer entlang der Route des Umzugs, alle kirchlichen und weltlichen Verbände sowie die Prominenz waren gefordert.

Die Beschaffung der Birken für diesen "Prangertag", wie das Fest früher auch hieß, war damals eine große Herausforderung. Denn die Birken, die den Weg der Prozession zieren sollten, wurden nicht von der Gemeinde besorgt: Alle Anrainer hatten sich damals selbst darum zu kümmern. Birken für unser und sein Haus sowie für weitere Gebäude in der Nähe besorgte unser Nachbar Ludwig Weber.

Als Schulbub und später als Lehrling wurde ich von meinem Vater dazu abkommandiert, mit dem "Xantner-Ludwig" die Birken zu holen. Schon um fünf Uhr früh starteten wir mit seinem Pferdegespann die Tour, um bei Haselmühle auf einem Waldweg im Truppenübungsplatz zu landen. "Die Birken absägen, aufladen und schnell wieder raus", lautete der Befehl von Ludwig Weber. Denn: "Um döi Zeit liegn döi nu in ihre Bettn, ower sicher is sicher", sagte er mit Blick auf die Militärpolizei. Mehr als zehn Jahre habe ich beim "Birkenholen" mitgemacht, die "MP" Gott sei Dank aber nie gesehen.

Kränze und Girlanden


Wieder daheim, wurden die Birken an die einzelnen Empfänger verteilt, die sich mit einem "Vergelt's Gott" bei uns bedankten. Aufstellen der Birken am Haus und an der Straße, Anbringen der Kränze, die meine Mutter immer gebunden hatte, an den Fenstern der vorderen Hausfront, Anbringen der roten Tücher hinter den Kränzen, Aufhängen der Girlanden an der seitlichen Hausfront: Das waren die Arbeiten am Mittwochnachmittag.

Frisches Gras auf Straßen


Um 5 Uhr begann für mich der ebenso arbeitsintensive Fronleichnamstag. Es galt, die weiß-gelbe Kirchenfahne anzubringen und auf der Straße Gras zu streuen, das meine Mutter schon am frühen Morgen mit der Sense gemäht hatte. "Frisch sollte es sein, dass es noch duftet, wenn der Herrgott vorbei getragen wird", war Omas Antwort auf meine Frage, warum das Gras nicht schon am Vortag gemäht werden könne.

Dann war es höchste Zeit zum Umziehen. Mein Vater als Mitglied der Kirchenverwaltung war "Himmelträger" bei der Prozession und hatte dabei immer seinen Gehrock an. Dunkler Anzug und Krawatte, selbst bei Hitzegraden, das war die "Dienstkleidung" der Männer des Kirchenchores. Die Kleiderordnung beherzigten auch die Vertreter des öffentlichen Lebens. Die Bürgermeister von Kirchenthumbach und Sassenreuth sowie sämtliche Gemeinderäte marschierten - jeder mit einer Kerze in der Hand - direkt hinter dem "Himmel" mit: Undenkbar, dass einer gefehlt hätte oder hemdsärmelig gekommen wäre.

Ein Farbtupfer war immer der Burschenverein mit seinem Fahnenjunker und dessen Begleitern mit grünen Baretts und weißer Feder. Auch die Feuerwehren beider Gemeinden mit ihren Fahnen, den Fahnenjunkern und ihren Begleitern mit golden glänzenden Helmen waren ein Blickfang bei jeder Prozession. Das galt ebenso für die Musikanten der Blaskapelle Zeitlmann, später der Kapelle "Edelweiß", mit ihren schmucken Hüten und blitzenden Instrumenten.

Tragen mit Statuen


Zu Zeiten von Geistlichem Rat Josef Bollmann wurde ein Brauch gepflegt, der schon Anfang des Jahrhunderts bei den Fronleichnamsprozessionen üblich war: Auf Tragen, die mit vielen Blumen geschmückt waren, wurden Statuen mitgeführt. Erstkommunionkinder führten die Figur des Jesusknaben, junge Mädchen in weißen Kleidern mit blauen Schärpen eine Statue der unbefleckten Jungfrau mit. Und Frauen in Schwarz mit roten Schärpen trugen die Figur von Maria als Schmerzensmutter.

Die aktive Teilnahme an der Fronleichnamsprozession, das Mitbeten und Mitsingen war ein "Muss" in diesen Jahren, "Zuschauer" gab es erst, als einige Zeit Urlauber aus Berlin da waren. Gefeiert wurde Fronleichnam übrigens auch "weltlich": Während daheim die Frauen den Festtagsbraten zubereiteten, erholte sich die Männerwelt bei einer halben Bier von der Prozession. Tradition hatte die Einkehr der Bürgermeister, Gemeinde- und Kirchenräte bei Sepp Eisend (Biemichl). Die Feuerwehrmänner genehmigten sich beim Thumbeck-Schorsch eine Mass, der Kirchenchor tankte im Nebenzimmer - meist mit Pfarrer Josef Bollmann - neue Kräfte. Im Blickpunkt
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