Hausschlachtung gehörte eins zur Weihnachtszeit
Ein Schlachtfest

Vermischtes
Kirchenthumbach
28.12.2015
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Blutiger Weihnachtsbrauch: Einst sorgten die Bauern selbst fürs weihnachtliches Festessen. Von der Hausschlachtung vor dem Fest sind auch in Kirchenthumbach heute nur mehr Anekdoten übrig.

Bis in die 1990er Jahre gehörte auf vielen Bauernhöfen in der Region ein Schlachttag zur Weihnachtszeit. Heute ist das nur mehr selten der Fall. Damit geht eine Tradition verloren, die bis in die germanische Zeit zurückreicht. Nach einer Erzählung von Anton Wurzauf, einem 1961 verstorbenen Kirchenthumbacher Lehrer schlachteten die Germanen zur Wintersonnenwende ihrem Gott Freyr zu Ehren einen Eber. Auf einem goldborstigen Eber - Sinnbild der Sonne - ritt in der Sage der Fruchtbarkeit und Licht spendende Gott.

Die Kirche hatte nach der Missionierung nichts gegen den Brauch einzuwenden. Zum Weihnachtsfest passten Braten und Würste. Noch heute werden in der Gastwirtschaft "Biemichl" hinter der Kirche nach der Christmette Mettenwürste und Winterbier serviert. Das restliche Fleisch machten die Menschen haltbar. Es kam in die Sud aus Kochsalz, mit Knoblauch und gequetschten Wacholderbeeren. Danach trocknete es an einem luftigen Ort im Hause. Wichtig war, dass es hoch hing, sonst freute sich der Hofhund.

Eine für ihre Selchkunst und stattliche Figur bekannte Thumbächer Bäuerin soll einmal ein 25-Kilo-Seitenstück an einem Fleischhaken in die Selch gehängt haben. Als sie nach ein paar Tagen nachsah, war das Stück Fleisch verschwunden. Die Familienmitglieder und der Knecht waren entsetzt. Sie starrten ins leere Loch der Räucherkammer. Dem Bauer soll dann der geradegebogenen Haken aufgefallen sein: Das Fleischstück war zu schwer und hatte das Metall gebogen.

Das Fleisch landete am unteren Ende des Kamins. Da konnte nur mehr der Schlotfeger helfen. Er öffnete das Türl des Kamins, so dass die Helfer einen Kälberlstrick um das Fleischstück binden und es nach oben ziehen konnten. Mit einer Wurzelbürste befreiten sie das Stück vom Ruß, dann kam es wieder in die Selch, allerdings an einen stabileren Fleischhaken. Das Stück soll übrigens besonders gut geschmeckt haben.
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