Neue Forschungen über Kirchenthumbach
Der Jahrmarkt von damals

Früher war auf dem Markt viel los. Die Händler priesen lautstark ihre Waren an und Bürger spazierten durch die Reihen der Stände. Bilder: ü (2)
Vermischtes
Kirchenthumbach
17.08.2016
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Autos und Stände säumten die Straße entlang der Kirche.

Mit der Kirchweih, die traditionell am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt gefeiert wird, ist der Jahrmarkt, der erstmals um das Jahr 1000 abgehalten wurde, eng verbunden. Jetzt gibt es Zweifel, ob tatsächlich Kaiser Karl IV. für das sogenannte Marktrecht in Kirchenthumbach verantwortlich ist.

Im Jahr 1346, unter der Regierungszeit von Kaiser Karl IV. von Böhmen, vermachte dieser seiner Tochter anlässlich ihrer Hochzeit mit dem Burggrafen von Nürnberg und Marktgrafen Johann von Brandenburg einige Orte - darunter auch Kirchenthumbach - als Heiratsgut. Damit verbunden soll er Kirchenthumbach erneut die Marktgerechtigkeit, auch Kaufleuterecht genannt, verliehen haben. Kirchenthumbach wurde damals mit jährlich drei Kirchweihen, drei Rossmärkten und einem Wochenmarkt jeden Donnerstag "gnädigst begnadigt". So beschrieb es jedenfalls Pfarrer Paulinus Fröhlich in seinen Beiträgen zur Geschichte des Marktes Kirchenthumbach.

Erneute Forschungen haben allerdings ergeben, dass es zweifelhaft ist, dass Kaiser Karl IV. die Marktverleihung ausgesprochen hat. Zu welcher Zeit und von wem das Marktrecht verliehen wurde, daran arbeiten zurzeit Norbert Wilterius, Michael Biersack und Fritz Fürk. Möglich wären kirchliche Privilegien, zumal in einer kirchlichen Aufzeichnung erwähnt wird, "Tumbach" besitze seit Mitte des 16. Jahrhunderts Marktrechte. Andere Quellen deuten darauf hin, dass die Marktrechte im frühen 15. Jahrhundert durch die Wittelsbacher Herrschaft verliehen worden seien.

Kirchweih verlegt


Wie dem auch sei, die Kirchweihen waren festgesetzt auf den Sonntag Misericordia Domini (zweiter Sonntag nach Ostern), auf den Vocem Jucunditas (Sonntag vor der Kreuzwoche) und Sonntag vor Sankt Bartholomä. Im Jahr 1723 unterbreitete der Rat von Thumbach der Regierung die Bitte, "es möge die Kirchweih, welche bisher am Sonntag und Montag in der Kreuzwoche gehalten wurde (dieser Brauch dürfte aus der lutherischen Zeit stammen), auf den Sonntag von Martini verlegt werden".

Als Grund dieser Bitte steht in der Geschichte: "indem die Kirchweih zu bald nach bemeldter erster Kirchweih gehalten wurde, maßen dazumal eben die Kreuzwoche eintritt und Montag darauf die Prozession nach hl. Geist ausgehet mithin viele Leut noch in den Wirtshäusern sich finden, auch teils noch nicht ausgenüchtert haben; . . . außerdem finden ohnehin viele, und zwar Hauptkirchweihen daherumben statt, als Kemmnath, Pappenberg, Schlammersdorf und dergleichen Orten, so dass diese Kirchweih ziemlich gehemmt würde, also mit davon nicht so viel Stundengold traget, da der Kirchweihbesitzer hiermit conduniert werden könne, während vor Martini keine Kirchweih ringsum ist. Dieser Bitte entsprach die Regierung."

Das Markttreiben begann um 10 Uhr. Ein Glockenzeichen kündigte den Beginn an, dann war unter anderem zu hören: "Ich hab gar gute Arznei für die Feul (Fieber) und das Zimperlein, für die blau Husten (Schlafhusten) und den Weinstein. Für die Eifersucht und das Sehnen, fürs laufende Ohr. Krampf und bös Zähnen. Dazu mancherlei Würz ich Han: Ragwurz sonst und Enzian. Ich hab gut Salben für die Läus, gut Pulver für die Ratzen und Mäus. Und ich hab auch für die Flöh gute Schmer. Darum wohl her, darum wohl her."

Mit diesem Marktgeschreie versuchten die Händler, Kunden zum Kauf anzuregen. Darum mahnte eine bayerische Verordnung vom 12. August 1692: "Bei den gewöhnlichen Jahr- und anderen Landmärkten werden allerhand leichtfertige, buhlerische, unehrbare, ärgerliche Gesänge, Bilder, Büchlein in Mengen in unser Land hineingebracht, und ohne Scheu zum öffentlichen Verkauf vorgelegt . . . zum endlichen Verderben unserer Jugend."

So hart waren die Verordnungen. Auch eine Schlägerei auf dem Marktplatz wurde mit Geld bestraft, um den Kirchweihfrieden zu erhalten. In der Chronik ist nachzulesen: "Johann Schleicher von Metzlasreuth hatte einmal den Bruch des Kirchweihfriedens durch Raufen neben einer Leibesstrafe mit 40 Gulden und vierzehn Kronen zu bezahlen."
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