Neue Interpretation der Bibel findet nicht zur Zuspruch
Der Jesus-Versteher

Franz Alt in erklärender Pose: Tatsächlich erklärt der Theologe, dass Jesus 2000 Jahre lang falsch verstanden worden sei: Erst Alts neues Buch schafft Aufklärung. Bild: ü
Vermischtes
Kirchenthumbach
16.03.2016
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Basiert der wichtigste Text der Christenheit auf einem Missverständnis? Diese Frage warf Dr. Franz Alt bei seinem Vortrag "Auf der Suche nach dem aramäischen Jesus - eine Wiederentdeckung" auf. Auf Einladung der evangelischen-lutherischen Kirchengemeinde stellte der bekannte Journalist und Friedensaktivist sein gleichnamiges Buch vor. Grund ist das 50. Jubiläum der Johanneskirche.

Jesu Worte seien falsch übersetzt, seine Muttersprache Aramäisch biete Zugang zur wirklichen frohen Botschaft. Vor 2000 Jahren sei Aramäisch so weit von der Bibelsprache Griechisch entfernt gewesen, wie heute Arabisch von Deutsch. Hinzu komme, dass die Schreiber die Bibel erst Jahrzehnte nach der Geburt Jesu niederschrieben. "Den wirklichen Jesus finden wir in seiner Muttersprache Aramäisch. Deshalb sollte das Neue Testament ins Aramäische rückübersetzt und dann in allen Sprachen neu übertragen werden. Dabei gelte es, das geistige Eigentum Jesu wieder herzustellen. Alt bedient sich der 48 ursprünglichen Jesu-Worte, die der evangelische Theologe Günther Schwarz in 50 Jahren Arbeit aus dem Griechischen zurück ins Aramäische übersetzte.

Wenn die Worte nicht stimmen, sei die ganze Botschaft falsch. Die Vaterunser-Passage "und führe uns nicht in Versuchung" sei falsch übersetzt. Jesus sei ein Gott der Liebe, kein Zyniker oder Sadist, der uns in "Versuchung führen will". Dies sei " gotteslästernder Unsinn". Im Aramäischen laute die Bitte: "Lass retten uns in unserer Versuchung". Auch zum Papst nahm Alt Stellung: "Du bist der Fels und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen." Dies sein keine Aussage Jesu an Petrus, Gottvater habe es auf dem Berg Tabor zu Jesus gesprochen. Petrus habe sich nie als Papst verstanden. Auch Franziskus bezeichne sich als "Bischof von Rom". "Jesus hat nie einen Menschen für unfehlbar erklärt."

Franz Alt schlug auch einen Bogen zur Energiewende: Die Sonne schicke 15 000 mal mehr Energie, als die sechs Milliarden Menschen verbrauchen. Ein Geschenk des Himmels, wie Alt findet: "Wir benutzen die Energie vom Chef selbst sehr gerne. Sie ist umweltfreundlich, klimaverträglich, kostenlos und reicht noch 4,5 Milliarden Jahre. Und die Sonne hat uns noch nie eine Rechnung geschickt".

In der Diskussion erfuhr Alt dann auch Gegenwind von Jörg Schwarz, dem Sohn des verstorbenen Theologen Günther Schwarz. Hauptkritikpunkt war Franz Alts Anspruch, den wahren Jesus erfunden zu haben. Ein Diskussionsteilnehmer brachte die Kritik auf den Punkt: "In dem Buch stecke mehr Franz Alt als Jesus". Franz Alt hat an dem Abend vielen Menschen aus der Seele gesprochen, alle Seelen erreicht hat er aber nicht. Zu schwer verständlich, theoretisch und verzweigt war das Thema.
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