Reiner Striegl blickt auf 44 Jahre im Dienst zurück
Immer gerne Polizist

Die gute alte grüne Uniform neben dem modernen Blau des neuen Dienstwagens. Reiner Striegl hat als Polizist nicht nur die farbliche Veränderung mitgemacht. Bevor er in den Ruhestand eintritt, blickt er im Interview auf seine 44 Jahre im Polizeidienst zurück. Bild: wüw
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Kirchenthumbach
20.04.2017
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Die gute alte grüne Uniform neben dem modernen Blau des neuen Dienstwagens. Reiner Striegl hat als Polizist nicht nur die farbliche Veränderung mitgemacht. Bevor er in den Ruhestand eintritt, blickt er im Interview auf seine 44 Jahre im Polizeidienst zurück. Bild: wüw

In sieben Wochen endet Reiner Striegls Berufslaufbahn ganz offiziell. Wegen Überstunden und Resturlaub räumt der Leiter der Eschenbacher Polizeiinspektion schon in dieser Woche seinen Platz. Zuvor zieht er im Gespräch mit unserer Redaktion Bilanz.

Eschenbach. Der Erste Polizeihauptkommissar spricht im Interview über die Veränderung im Polizeidienst in den vergangenen 44 Jahren, aber auch über die Zukunft.

Herr Striegl, Sie sind seit über 40 Jahren Polizist: Wie hat sich ihr Beruf in der Zeit verändert?

Reiner Striegl : Ich denke daran, dass wir 1974 mit einem VW Käfer auf Streife waren. Alle 14 Tage kam ein Fahndungsbuch. Damit mussten wir bei Kontrollen abgleichen. Wenn ich an heutige BMWs und die digitale Technik denke: Es hat sich unglaublich viel verändert.

Sie sind in ihrer Laufbahn viel herumgekommen. Woran denken Sie besonders gern?

Ich war immer gerne Polizist, alles hatte sein Für und Wider. In Nürnberg habe ich die Arbeit im Großstadtrevier erlebt. Einsätze mit Schusswaffe waren an der Tagesordnung. Auch die Zeit beim Einsatzzug in Weiden war besonders. Wir waren viel unterwegs, Einsätze in Passau an der Nibelungenhalle oder beim Weltwirtschaftsgipfel. Ich war jung, die Einsätze aufregend.

Das war zur Zeit, als es in Wackersdorf hoch her ging.

Ich stand jedes Wochenende als Diskussionsbeamter am Bauzaun. Meine Aufgabe war, auf die Menschen einzuwirken. Wir sollten die Demonstranten abhalten, sich mit Chaoten und Straftätern zu vereinen.

Es war auch für Polizisten nicht einfach, das Projekt zu schützen.

Als Beamter darf man nicht die eigene Meinung mit der Aufgabe vermischen. Meine Aufgabe war, Gewalt zu verhindern. Es fiel mir leicht, mich dafür einzusetzen. Aber natürlich hatten viele Kollegen Verständnis für das Anliegen der Demonstranten.

Wenn Sie an Ihre Eschenbacher Jahre denken: Welche Einsätze sind in Erinnerung geblieben?

Skurril war die Krokodil-Suche im Kiesi-Beach in Pressath. Etwas später hat sich herausgestellt, dass die Badegäste wohl einen sehr großen Waller gesehen hatten. Auch der vielleicht traurigste Einsatz war dort. Zwei Tage haben wir einen Vater mit seinem Sohn im See gesucht, bis wir beide tot bergen mussten. Spektakulär war zuletzt der Kampfjet-Absturz bei Kirchenthumbach.

Die Bundesregierung hat die Strafen für Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter erhöht. War das nötig?

Aus meiner Sicht schon. Meine Kollegen erleben es auf Streife immer häufiger, als Fußabtreter benutzt zu werden. Auch Sanitäter werden angegriffen. Vor kurzem haben sich Rettungskräfte erkundigt, ob sie Schutzwesten tragen dürfen oder wie sie sich sonst verteidigen können. So weit ist es gekommen.

Nachdem in Wölsendorf Polizisten einen flüchtenden Traktorfahrer unter anderem mit Schüssen zum Stoppen zwangen, hagelte es in sozialen Netzwerken Kritik an der Polizei und kaum am Flüchtenden. Die Autorität der Polizei zählt heute weniger?

Früher war unsere Autorität größer. Angriffe, die ich vor 40 Jahren in Nürnberg erlebt habe, kommen inzwischen auch bei uns am Land vor.

Wie bewerten Sie den Einsatz in Wölsendorf?

Man müsste die Einzelheiten kennen. Fest steht, dass man einen Straftäter nicht einfach fahren lassen kann. Was ist, wenn er anschließend andere Menschen gefährdet? Natürlich hat jeder Einsatz eine Grenze. Aber ich kann sagen, dass ich bis an diese Grenze gegangen bin. Da wurde schon mal ein Streifenfahrzeug beschädigt. Wenn man den Flüchtenden einfach fahren lässt, dann wäre ja der, der vorschriftsmäßig anhält, der Depp. Wichtig ist, dass man das Auge fürs richtige Maß behält.

In ihrer Anfangszeit war die RAF aktiv ...

Oh ja, wir haben einige Großkontrollen durchgeführt. Aber um ehrlich zu sein, da ging es vor allem um die Beruhigung der Bevölkerung. Es wäre großes Glück gewesen, dabei einen Gesuchten festzunehmen.

Heute ist Terrorismus wieder ein Thema.

In Eschenbach kaum. Es gibt kaum Islamisten und nur wenige Rechts- und Linksradikale. Zuletzt hatten wir vermehrt mit Reichsbürgern zu tun.

Wie haben sich diese Schwerpunkte sonst verändert?

Rauschgiftkriminalität spielt heute eine größere Rolle. Und natürlich die Internetkriminalität

Ist es schwierig, sich in so ein neues Thema einzuarbeiten?

Ohne Spezialisten geht nichts und die Ermittlung ist mühsam. Vor allem wenn es ums sogenannte Dark-Net geht, man nicht nachvollziehen kann, wo die Täter sitzen. Meist wird es schon schwer, wenn der betreffende Server im Ausland steht. Und ganz oft ist es erschreckend, wie leichtgläubig die Leute sind. Tausende Euro werden ohne Sicherheit an Fremde ins Ausland überwiesen.

Lässt es sie als Polizist resignieren, wenn man nichts machen kann?

Manchmal ist das schon frustrierend.

Freuen Sie sich deshalb auf den Ruhestand?

Nicht deswegen. Aber alles hat seine Zeit. Nach 44 Jahren kann ich guten Gewissens gehen. Ich freue mich auf die Zeit mit meinen drei Enkeln.

Der demografische Wandel sorgt dafür, dass auf dem Land weniger Menschen leben. Wie lange wird es in Eschenbach noch eine Polizeiinspektion geben?

Ich denke, dass sich Eschenbach keine Sorgen machen muss. Schon wegen der Nähe zum Truppenübungsplatz. Insgesamt befürworte ich aber strukturelle Veränderungen. Aber das wäre eine politische Entscheidung und die Politik traut sich an dieses Thema nicht recht ran.

Wie könnte eine solche Veränderung aussehen?

Größere personelle Einheiten sind bei der Planung flexibler. Die Präsenz in der Fläche muss nicht leiden, aber dafür muss nicht jede Dienststelle rund um die Uhr besetzt sein. Ich habe in Auerbach gute Erfahrungen mit der Einführung des "Eisernen Schutzmanns" gemacht. Es zeigt sich immer wieder, dass bei wirklichen Notfällen sehr schnell mehrere Streifen am Einsatzort sind. Es spräche aus meiner Sicht nichts dagegen, Inspektionen zusammenzulegen.
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