"Schlößl" in Tagmanns lange Geschichte hinter sich
„Besitzer wechsel dich“

Das Gebäude in Tagmanns hat einige Jahre auf dem Buckel und vor allem viele verschiedene Besitzer. Bilder: ü (2)
Vermischtes
Kirchenthumbach
31.08.2016
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Das Kellergewölbe besteht aus Findlingen.

Das "Schlößl" in Tagmanns, das einst ringsum von tiefen Gräben geschützt und nur über eine Zugbrücke erreichbar war, ist massiv gebaut. Bis zu 1,60 Meter dicke Mauern sorgen bis heute für Stabilität, und sie erzählen eine lange Geschichte.

Schon die Kellergewölbe sind etwas Besonderes. Errichtet wurden sie aus Findlingen, also Steinen, die Arbeiter auf den Feldern gesammelt haben. Gut erhalten ist auch die Riemendecke im ersten Stock, die aus den Anfangszeiten stammen könnte. Selbst die Toilette - ein Plumpsklo mit Rutschbrettern - ist voll funktionsfähig.

Die Historie des Schlosses geht bis ins Jahr 1321 zurück. Damals hießen die Eigentümer Albersdorfer. Der Besitz ging aber Jahre später über an die Schlammersdorfer: Urkundlich erwähnt wird 1334 ein Friedrich Schlammersdorfer, Sohn von Berthold von Schlammersdorf auf Tagmanns. Friedrich besaß Tagmanns noch 1350. Er oder seine Nachkommen veräußerten es aber dann an Speinshart, und über die Watzmannsdorfer (1372) kam das Gut 1421 wieder an die Albersdorfer zurück und blieb über 100 Jahre lang in deren Besitz. Der Stammsitz der Albersdorfer lag in der Nähe von Sulzbach.

Pappenberger Eigentümer


Im Jahr 1480 wurde Ulrich Albersdorfer auf Tagmanns von Herzog Otto von Bayern mit zwei Burghuten belehnt. Dazu gehörte ein Hof zu Treinreuth, sechs Güter in Zirkendorf, vier Güter zu Wolframs, die er zur Hälfte von seinem Vater erbte und zur anderen Hälfte von seinem Bruder Josef gekauft wurde. Weiter erhielt er eine Burghut zu Eschenbach belehnt, die er von Hans Regelsdorfer käuflich erworben hatte. 1494 kam zu den erwähnten Lehen die Burghut von Thurndorf und die von Wolfframs durch Herzog Phillipp von Bayern.

1510 bekannte der Augsburger Bischof, dass er seinen Leibe getreuen Ulrich von Albersdorfer zu Tagmanns als Lehenträger des Klosters Reichenbach bestimmt habe. Ulrich von Albersdorfer starb am Pfingstfest 1520. Seine beiden Brüder Sigmund und Anton verkauften 1525 den Hof zu Tagmanns an Hans Pappenberger von Frankenohe um 1800 Kronen.

20 Kühe, 10 Rinder


Zum Schloss, das ähnlich gebaut war wie das in Burggrub, gehörte um 1633 eine große "Hofraith", zwei Scheunen, eine Schafhütte, zwei Kuhstallungen mit 20 Kühen und zehn Rindern, ein Schweinestall und ein Backofen. Es fehlten dagegen ein Brauhaus, ein Bad und ein Waschhaus. Im Brunnen lief Sommer wie Winter genügend Wasser, mit dem auch der Schloßgraben reichlich gefüllt werden konnte. Als Bedienstete fungierten damals im Schloß ein Reisediener, zwei Knechte, die als besondere Aufgabe die Ritterpferde zu betreuen hatten, und zwei Mägde. Das männliche Personal erhielt jährlich 40, das weibliche 16 Reichstaler Bezahlung.

1650 war Amalie Rosina von Gleißenthal im Besitz von Tagmanns. Sie huldigt 1652 durch ihren Sohn Jobst Friedrich, der dann auch das Gut bis 1666 nützte. Eine Zeit lang waren Tagmanns, Leutzenhof und Stegenthumbach vereinigt. Die Marktkammerrechnung von Thumbach aus dem Jahr 1678 nennt nämlich einen Adam Zedwitz aus Leutzhof zugleich Besitzer von Tagmanns

1865 erhielt Konrad König für das Gut die Landsassenfreiheit. Von ihm erwarb es 1690 Hieronymus Christoph von Pöllnitz, der in erster Ehe mit Katharina Stör von Störnstein, in zweiter Ehe mit Katharina Anna von Kürpen verheiratet war. Friedrich von Pöllnitz vererbte bei seinem Tod 1723 das väterliche Gut an seinen Sohn Marquard, der 1742 unverheiratet starb, und Wilhelm Georg Ernst, der 1741 als Amtmann von Stadtsteinach wurde. Die Brüder haben die Landsasserei Tagmanns zerstückelt und veräußert.

Für 14 000 Gulden verkauft


Ein weiterer Besitzer war Freiherr von Pöllnitz, der das Gut 1822 an Josef Ringer von Wolfsflegel mitsamt den 300 Tagwerk für 14 000 Gulden verkaufte. Dieser teilte es in zwei Anwesen und übergab es seinen beiden Töchtern. Eine davon verehelichte sich mit Josef Albersdorfer aus Ernstfeld und die andere mit Ulrich Metzner aus Pappenberg, der Besitzer des Schlosses wurde. Dessen Nachfolger war sein Sohn Ignaz Metzner, der das Anwesen 1861 übernahm und sich mit Barbara Trummer aus Wolframs verehelichte. Jener Ignatz Metzner verstarb bereits im 47. Lebensjahr. So wirtschaftete die Witwe mit ihren drei Kindern weiter, bis das Anwesen im Jahre 1899 auf eine der drei Töchter überging.

Diese heiratete 1906 den Bauernsohn Johann König aus Asbach. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor. Die Tochter Barbara (die zwei Söhne fielen im Zweiten Weltkrieg) schloss 1948 mit Michael Schleicher den Bund fürs Leben und bewirtschaftete den Hof bis 1972, ehe sie sich unweit von Tagmanns einen modernen Aussiedlerhof erbaute, der heute noch bewirtschaftet wird.

Einige Jahre danach verkaufte Michael Schleicher das Schloss samt den landwirtschaftlichen Gebäuden an einen Privatmann namens Koller aus Grafenwöhr, der es nach einigen Jahren weiterverkaufte an ein junges Paar aus Kemnath. Seit 15 Jahren ist es im Besitz der Familie Seemann. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass das Schloss, an dem der Zahn der Zeit erheblich genagt hatte, im Jahr 1910 innen nahezu vollständig neu ausgebaut wurde.
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