Seit 1. Mai 2014 ist Jürgen Kürzinger offiziell der Bürgermeister von Kirchenthumbach
Mein Mann, der Bürgermeister

Bürgermeister Jürgen Kürzinger ist froh, dass seine Frau Evelin und die drei Kinder hinter ihm stehen. Der Alltag der Familie hat sich seit der Amtsübernahme vor einem Jahr sehr verändert. Bild: spi
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Kirchenthumbach
30.04.2015
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Seit 1. Mai 2014 ist Jürgen Kürzinger offiziell der Bürgermeister von Kirchenthumbach. Verändert hat sich durch das Amt viel, vor allem für seine Frau Evelin Kürzinger-Schlenk.

Um Punkt 17 Uhr biegt Jürgen Kürzinger mit seinem Auto in die Hofeinfahrt vor seinem Haus in der Blechmühle, ein Ortsteil von Kirchenthumbach, ein. Seine Frau wartet schon, er drückt sie und gibt seiner Tochter Amelie einen Kuss auf die Backe. Hinter dem Haus fließt ein Bächlein, gegenüber grasen Schafe auf einer großen Wiese - idyllisch. "Vor allem ruhig ist es hier", schwärmt die Frau des Bürgermeisters. Knapp eine Stunde Zeit hat die Familie für das Interview, dann steht bereits der nächste Termin im Kalender.

Ihr Alltag ist durchgetaktet. "Am Donnerstag bringt Jürgen immer seinen Terminkalender mit und dann schauen wir, wann ich in der nächsten Woche wegen der Kinder daheim sein muss. Jürgen hat abends oft noch Termine", erklärt die 38-Jährige. Gemeinsam haben sie drei Kinder: Fabian (16), Kilian (13) und Amelie (11). "Sie ist unsere Prinzessin", sagt Jürgen Kürzinger liebevoll.

Termine oft abends

Dreimal pro Woche kann es vorkommen, dass der Rathauschef abends unterwegs ist. "Da wird es oft 10 bis 11 Uhr abends. Aber es gibt auch gute Wochen, in denen kein einziger Termin ist. Das nutzen wir aus", berichtet die Frau des Bürgermeisters. Die Familie verplant freie Tage, vor allem das Wochenende, mit Ausflügen. Die gemeinsame Zeit genießen sie, das Handy bleibt aus. "Der große Punkt...", sagt Kürzinger-Schlenk und sieht ihren Mann an, "ist halt einfach, dass er nicht mehr so oft daheim ist." Durch das Schichtarbeiten bei Faurecia in Trabitz vorher habe sie sich zwar schon daran gewöhnt, aber nun müsse er auch am Wochenende auf Versammlungen oder Feste.

"Am Anfang kam er nicht mal mittags heim. Aber das habe ich jetzt eingeführt", sagt sie energisch. Maximal eine Stunde kann der Kirchenthumbacher Bürgermeister mit seiner Familie am Tisch verbringen. "Die erste Zeit habe ich keine Pause und keinen Urlaub gemacht, ich musste mich ja erst in das Amt einarbeiten. Aber als mein Magen irgendwann auf halb acht hing, bin ich mittags heim", stimmt er seiner Frau zu. Die Kinder haben den Zustand akzeptiert. Weil ihr Mann nun mehr unterwegs ist, hat Kürzinger-Schlenk ihre Arbeitszeiten beim Netto in Kirchenthumbach radikal verkürzt.

"Wir haben es am Anfang noch versucht, dass ich weiterhin 16 Stunden auf Teilzeit arbeite, aber es hat nicht mehr hingehauen, weil wir ja bis 20 Uhr geöffnet haben", erklärt sie. "Jetzt bin ich einen festen Tag in der Woche dort, immer am Samstag." "Evelin ist die Managerin unserer Familie", sagt der 46-Jährige. "Sie muss jetzt viel mehr ohne mich schaffen." Die 38-Jährige nickt und sagt: "Ja, zuvor hatte jeder seine Aufgaben." Durch Kürzingers Schichtarbeiten konnte er oft schon kochen, putzen oder die Kinder baden, bis seine Frau von der Arbeit heimkam. Jetzt ist es umgekehrt. "Wir passen in das Rollenklischee: Frau am Herd, Mann in der Arbeit", grinst sie. Auszumachen scheint ihr das wenig. Schwieriger werde es bei anderen Dingen: "Ich habe mich vorher nicht mit unserer Kleinkläranlage beschäftigt, darum hat sich Jürgen gekümmert. Das bleibt jetzt an mir hängen, wenn wer zur Wartung kommt." Wenn eine private Geburtstagsfeier anstehe, erinnere sie ihn rechtzeitig, damit er sich eine Notiz macht. "Wir schauen auch nach, ob wir einen Spaziergang machen können." Die Zeit für Freunde und Familie sei knapper als vorher. "Sie verstehen das aber", beteuert Kürzinger.

Keine Highheels

In der Öffentlichkeit zu stehen, sei für beide neu. "Auf Festen werden wir schon angesprochen. Viele wollen, dass ich Jürgen einen Gruß ausrichte oder sagen schon mal ,Erinnere ihn fei an die und die Sitzung'", schmunzelt Kürzinger-Schlenk. "Ich finde es gut, wenn ich direkt angesprochen werde, besser als hintenrum", meint der Bürgermeister.

Manchmal werde er bei Tanzveranstaltungen beäugt. "Die Leute schauen, was man anhat. Lacht er? Man fühlt sich beobachtet - ein mulmiges Gefühl." "Dass man bei einem Gewerbeball ein Kleidl anzieht oder einen anderen Dresscode wählt als sonst, ist klar. Aber wenn ich jetzt täglich mit Highheels rumlaufen würde, wäre das affig", antwortet die Bürgermeister-Gattin auf die Frage, ob sie sich nun noch mehr Gedanken über ihre Kleidung mache. "Ich gehe in Jeans zum Einkaufen - das andere bin ich nicht."

Über die Themen, die ihr Mann im Rathaus wälzt, reden die Kürzingers ab und zu. "Ich erzähl', wenn eine Straße gemacht wird, und von ihr kommt dann: ,Da wird's aber Zeit'", lacht er. Abschalten kann er schon, bei schweren Themen grübelt er trotzdem zu Hause weiter. "Aber ganz ehrlich", wirft seine Frau ein und grinst, "schaut abschalten bei dir so aus: Sofa, Fernseher und dann hört man schnell ein Schnarchen aus der Ecke." Die Ruhe und die Zeit mit seiner Familie brauche der 46-Jährige jedoch. "Der Job verleitet dazu abzuheben, aber das will ich nicht." Kürzinger-Schlenk tätschelt liebevoll seine Hand und sagt: "Da halten wir dich schon unten." Und dann müssen sie auch schon wieder los, zum nächsten Termin. (Hintergrund)
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