Seit 55 Jahren in Kirchenthumbach
Taufe für neue Heimat

Vermischtes
Kirchenthumbach
05.02.2016
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"Icke fühle mir in Dumbach sauwohl." Ein ehrliches Kompliment von Dieter Reichert, der seit fast 55 Jahren in Kirchenthumbach nicht nur seine Liebe, sondern auch seine zweite Heimat gefunden hat. Dafür ließ er sich katholisch taufen.

Der ehemalige Berliner war schnell integriert. Vor allem im Sportclub fühlte er sich gut aufgehoben. Mit preußischer Genauigkeit, Disziplin und Kameradschaft leitete er viele Jahre die Jugendabteilung.

Was er allerdings in der Oberpfalz nicht abgelegt hat und auch nie ablegen will und wird, ist die Berliner Schnauze. "Ne um Jottes Willen, det mach ich nich, jeht ja gar nich."

Der erste Besuch


Im Juli 1961 buchte Dieter Reichert in einem Berliner Reisebüro eine zweiwöchige Urlaubsreise ins Fichtelgebirge mit Möglichkeit zum Bootfahren. Die Reise trat er im August an. Der Berliner Sommerfrischler war erstaunt, als der Bus in Kirchenthumbach anhielt und der Chauffeur feststellte: "Wir sind angekommen". In Berlin hatten sie Kirchenthumbach geografisch dem Fichtelgebirge zugeordnet. Reichert bezog bei Familie Rauch (Lauber Erich) ein Zimmer mit Frühstück. Mittag- und Abendessen nahm er im Gasthof Lindner (Pistl) ein. Für den zweiwöchigen Aufenthalt mit Vollpension musste er 156 Mark hinblättern.

Reichert gefiel es auf Anhieb. Bei den zahlreichen und langen Spaziergängen in Wald und Flur rund um Kirchenthumbach schaute er den Bauern bei der Arbeit zu. Für den gelernten Maler und Tapezierer waren Arbeiten wie Heu machen oder Gras mit der Sense mähen etwas ganz Neues. Spontan half er dabei sogar mit. In der zweiten Urlaubswoche schoss Liebesgott Amor den ersten Pfeil ab. Der junge Mann aus Berlin verliebte sich in Marille, die Tochter des Wagnermeisters Peter Schiener. Beim Abschied versprach er ihr "Ich komme wieder, lasse mich katholisch taufen und dann heiraten wir." Wenige Wochen später, genau am 15. September, ist Dieter Reichert wieder in Kirchenthumbach gelandet. Bei Margarete Walter im Turnerhaus richtete er sich eine kleine Wohnung ein. Arbeit fand der junge Berliner bei der Maschinenfabrik Alemania in Creußen.

Konvertieren ein Muss


Bei Kaplan Roman Jobst nahm der Protestant Reichert Religionsunterricht und wurde anschließend getauft. Nun war der Weg frei, seine Marille zum Traualtar zu führen. Der Wille der Brauteltern war erfüllt und einer Hochzeit stand nichts im Weg. Kaplan Jobst, der auch ein brillanter Fußballspieler ist, zelebrierte die Hochzeitsmesse. Einen Tag zuvor gaben sich die beiden vor Bürgermeister Alois Lotter das Jawort. Tochter Anja erblickte 1964 das Licht der Welt.

Fußball war und ist sein Leben. Auf Vermittlung seines Schwagers, Hans Leipold, übernahm Dieter Reichert 1970 das Amt des Jugendleiters beim Sportclub. 21 Jahre lang hat er mit großem Erfolg junge Spieler geformt und an die erste Mannschaft herangeführt. Als Ausschussmitglied des SCK hat Dieter Reichert die Aufwärtsentwicklung des Sportclubs entscheidend mitgeprägt.

Was ihm besonders an seiner Wahlheimat in der Oberpfalz gefällt, ist die Freundlichkeit der Menschen, sowie die vielen Freunde, die er hier gefunden hat. So freut er sich jede Woche auf die Stammtischrunde in der Heberbräu, wo er mit den Kumpels über Politik, Sport und örtliche Ereignisse diskutiert, selbstverständlich auch über die wiedererstarkte Hertha BSC.
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