Steinbruch mit belastetem Material verfüllen: Räte stehen Projekt äußerst skeptisch gegenüber
„Gemeinde geht völlig leer aus“

Auf den stillgelegten Steinbruch in Ernstfeld hat die hessische Firma Boller ein Auge geworfen. Sie will das Areal auf 113 000 Quadratmetern verfüllen - und zwar mit belastetem Material - und auf einem Großteil davon später eine Photovoltaikanlage bauen. Der Marktgemeinderat hat jedoch große Bedenken. Bild: dfr
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Kirchenthumbach
10.09.2016
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Den ausgedienten Steinbruch in Ernstfeld mit belastetem Material verfüllen und dann darauf eine Photovoltaikanlage errichten: Das plant eine Firma aus Hessen. Bis zu 45 000 Lkw-Ladungen wären zum Ausgleich des Geländes nötig. Die Marktgemeinderäte stehen dem Vorhaben allerdings sehr skeptisch gegenüber.

In der September-Sitzung des Gremiums am Mittwoch stellte Wolfgang Boller, der Geschäftführer der Firma Boller KG aus Langgöns in Hessen das Projekt vor. "Verfüllung von Steinbrüchen bei Ernstfeld bzw. bei Kirchenthumbach mit belastetem Z 1.2. Material und anschließender Überbauung mit einer Freiflächenphotovoltaikanlage", lautete der entsprechende Punkt auf der Tagesordnung.

Boller berichtete, dass er bereits in Kontakt mit dem Insolvenzverwalter und der Bank sei, die die beiden Steinbrüche der früheren Firma Prüschenk aktuell verwalten. Auch informierte er, dass für den Steinbruch in Ernstfeld zwar eine alte Füllgenehmigung vorhanden, diese aber mittlerweile ungültig sei, da sie zehn Jahre nicht mehr in Anspruch genommen wurde.

"Der alte Steinbruch in Kirchenthumbach bei Sommerau ist nicht zum Verfüllen gedacht, sondern lediglich für den Bau einer Photovoltaikanlage geeignet", fügte er hinzu. Die Fläche sei aber aktuell verpachtet. "Beim Steinbruch in Ernstfeld sprechen wir von einer Gesamtfläche von 113 000 Quadratmeter, die verfüllt werden könnte. Davon sind 81 000 Quadratmeter als Fläche für eine Photovoltaikanlage und 32 000 Quadratmeter als Grünfläche von meiner Firma geplant."

Das Material, das in den Steinbruch gekippt werden würde, ist laut Boller nur geringfügig belastet - beispielsweise mit Nickel, das im Basalt enthalten sei. Täglich würden etwa drei Lastwagen, jährlich ungefähr 6400 Lastwagen nach Ernstfeld rollen und Material abkippen, teilte der Geschäftsführer mit. "Die Lkws würden größtenteils aus Richtung Weiden und Nürnberg kommen, so dass der Verkehr in Kirchenthumbach kaum zunehmen und sich 90 Prozent auf der Bundesstraße abspielen würde."

Große Bedenken


Dann war die Diskussion eröffnet. Und nicht nur Bürgermeister Jürgen Kürzinger sieht das ganze Konzept mit äußerster Skepsis. "Wir würden unnötig Öl ins Feuer gießen, weil wir schon genug Verkehr in Kirchenthumbach haben", sagte er. Auch Jan Wiltsch äußerte große Bedenken: "Laut meinen Recherchen wären circa 45 000 Lkw-Ladungen nötig, um den Steinbruch zu füllen. Noch dazu läuft der Bundesbach durch den Steinbruch und der Untergrund ist aus äußerst durchlässigem Gasgestein. Eine Belastung für Natur und Umwelt wäre somit unvermeidlich."

Josef Schreglmann fragte bei Boller nach, "ob denn das Material auf den Lkws kontrolliert wird?" Laut Boller ist für je 800 Kubikmeter ein Gutachten nötig. "Somit wäre genug Spielraum, um auch deutlich belasteteres Material abkippen zu können", folgerte Schreglmann.

Dominik Brütting und Richard Götz sehen die Gemeinde bei dem Projekt ebenfalls als Verlierer. "Auch wenn das Material nur gering belastet ist, macht die Menge das Gift. Eine Überwachung ist bei der geplanten Menge unmöglich." Und: "Wenn Sie Ihren Laden einmal aus unerklärlichen Gründen zusperren sollten, haben wir das Gift da", stellte Brütting fest. Auch Richard Götz wies darauf hin, "dass wir als Gemeinde keinen Nutzen davon haben. Wir gehen hier völlig leer aus". Die fehlende Internetpräsenz des Unternehmers fiel den Räten ebenfalls negativ auf. "Über Sie kann man im Internet kaum etwas finden. Das ist schon etwas komisch", erklärte Jürgen Geyer. Da alle Räte sehr skeptisch sind, dürfte das Projekt wenig Aussicht auf Erfolg haben.
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