Der spätherbstliche Oberpfälzer Jura schenkt farbige Bilder
Unterwegs im Königsteiner Land

Dass die Burgkapelle heute noch so wuchtig und dominant auf dem Felsen steht, haben wir dem Königsteiner Pfarrer Wolfgang Adam Berschmid zu verdanken. Er ließ sie 1756 grundlegend sanieren und gab ihr auch ihre heutige Gestalt. Bilder: Moser (3)
Freizeit
Königstein
04.11.2016
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Die Fluren um Königstein sind reich gegliedert. Für die Augen ist dies ein wahres Labsal mit geschwungenen Wegen, Obstbäumen an den Feldrainen und vielen Heckenrainen.

Die renovierte Burgkapelle auf dem Breitenstein und der Aussichtsturm auf dem über 650 Meter hohen Ossinger sind die Höhepunkte der Wanderung durch die spätherbstliche Landschaft rund um den Markt Königstein (Kreis Amberg-Sulzbach).

Endlich mal wieder ein Ort, der mit mehreren Wirtshäusern gesegnet ist, so denkt man, wenn man sein Auto im Ort abstellt. Einen Metzger, der noch Krautwürste anbietet, gibt es auch noch. Wir verlassen den Ort über den Unteren Markt in Richtung Gaisach und biegen am Ortsausgang halbrechts auf den mit Rotring markierten Wiesenweg ab. Krumme Apfelbäume und später eine Gruppe von mächtigen Buchen begleiten uns.

Wechselvolle Geschichte


Beim nächsten Wegweiser folgen wir nicht der Markierung, sondern gehen geradeaus auf dem Schotterweg weiter. Die frisch umgeackerten Felder glänzen wie Speckschwarten und die Silhouette der Breitensteiner Burgkapelle mit dem kleinen Dachreiter ist schon von weitem zu erkennen. Wir fanden diesen Weg als ideale Annäherung an dieses Relikt aus dem späten 12. Jahrhundert, das von der einstigen Burg noch übrig geblieben ist. Nun kurz auf einer Flurstraße bergan, dann rechts abbiegen und über Steinstufen empor zur Kapelle.

Vor kurzem wurde hier eine Infotafel aufgestellt, die über die wechselvolle Geschichte des Bauwerks aufklärt. Kurz nur so viel: Errichtet um das Jahr 1200, 1279 erstmals urkundlich erwähnt, ab 1356 kaiserliches Lehen von Kaiser Karl IV., 1666 starben die Breitensteiner aus und die Herrschaft fiel ans Herzogtum Sulzbach, 1713 erste Instandsetzung der Kapelle unter Pfalzgräfin Eleonora. Nachdem wir die Aussicht genossen und dem frisch renovierten Kirchlein einen Besuch abgestattet haben, geht es mit der Blaukreuz-Markierung, vorbei an der Johanniskapelle, durch Buchenwald weiter in Richtung Ossinger. Nach dem Erreichen der Teerstraße folgen wir ihr etwa 150 Meter nach links und biegen dann rechts in einen Feldweg ein. Nach Süden hin öffnet sich nun der Blick hinüber zum langgezogenen Waldrücken der Hohen Zant.

Flammendes Inferno


An einer Schonung kurz rechts und dann wieder links: Die Markierung führt zuverlässig. Etwas später haben wir den Blick hinüber zum Gasspeicher von Pruppach. Es handelt sich dabei um einen Porenspeicher in 500 bis 600 Metern Tiefe. Das Gas wird dabei nicht in Hohlräumen gespeichert, sondern im Gestein, wobei durch das eingepresste Gas das dort vorhandene Lagerstättenwasser verdrängt wird. Bei einem Zwischenfall im September 1970 waren hier über zwei Millionen Kubikmeter Gas verbrannt. Die Versuche der Feuerwehren, dieses Inferno in den Griff zu bekommen, waren alle fehlgeschlagen. Da flog man den Spezialisten Paul "Red" Adair aus Texas ein. Mit einem Gemisch aus Wasser, Schwerspat und verschiedenen Quellstoffen hat er die 30 Meter hohe Flamme ersticken können, nachdem der Brand über 140 Stunden gewütet hatte.

Wir folgen immer dem Blaukreuz, das uns nun durch den Wald zwischen Pfaffenberg und Klingelberg zur Straße AS 40 führt, die von Königstein nach Eschenfelden führt. Nach ihrer Querung geht es am Südwestabhang des Sutzerberges durch prächtigen Buchenwald weiter. Bald erreichen wir den Fuß des Ossingers, wo es steil bergan geht, teilweise über Wurzeln und steinige Pfade. Die bemoosten Dolomitfelsen stehen im Kontrast zum gelben Laub der Buchen. Die Ossingerhütte unterm 650 Meter hohen Gipfel hat an Wochenenden und an Feiertagen geöffnet.

Auf alle Fälle lohnt sich der Aufstieg auf den 22 Meter hohen Aussichtsturm, der reich mit Sendemasten bestückt ist. Im Oktober 2013 ist er neu errichtet worden. Ein Schwerlasthubschrauber hat die sieben Turmsegmente, von denen jedes 4,8 Tonnen wog, auf den Berg geflogen. Die Rundumsicht ist an klaren Tagen einfach überwältigend. Dies besonders jetzt, wo die bunten Blätterdächer der Bäume und die Kuppen der Alb sich zu einer Farbsymphonie vereinigen.

Auf dem gleichen Weg geht es nun wieder zurück bis zum Gedenkstein an Christof Luber. Er war 31 Jahre lang der "Besitzer" des Ossingers und ist hier 1929 beim Abfahren von Holz im Alter von 77 Jahren tödlich verunglückt. Hier biegen wir links ab. Der Weiterweg ist jetzt nur mehr mit rotem Andreaskreuz markiert und führt durch Laubwald steil bergab.

Nach Erreichen des Waldrandes dem Wiesenweg rechts folgen und am nächsten Feldweg links abbiegen. Beim Wegweiser 200 Meter danach geht es schräg rechts weiter auf den einzeln stehenden Baum zu. Durch eine reich gegliederte Terrassen- und Heckenlandschaft mit zahlreichen alten Obstbäumen an den Rainen senkt sich der Weg hinab nach Königstein. Schließlich führt er durch die verwinkelte Hüftgasse in den Ort hinein.



Tipps zur RouteAnfahrt: Von Amberg aus über die B 85 in Richtung Edelsfeld-Auerbach, knapp 35 Kilometer. Von Weiden aus über Mantel, Freihung und Vilseck nach Königstein, knapp 45 Kilometer.

Sehenswertes: Burgkapelle auf dem Breitenstein, wo einst die Burg der Breitensteiner stand. Sie kann besichtigt werden, auch das Untergeschoss. Nachdem es sich um eine gemütliche Halbtagswanderung handelt, kann man noch eine Wanderung auf den Steinberg mit seinen Felsformationen anhängen, wo die Kühloch-Höhle zu finden ist.

Strecke: Etwa sieben Kilometer ist die hier beschrieben Strecke lang. Sie führt äußerst abwechslungsreich über offene Feldfluren, entlang an Heckenrainen, durch prächtige Buchenwälder und felsgesäumte Pfade. Gutes Schuhwerk wird empfohlen. Vorsicht bei Nässe, die Wurzeln sind rutschig. Wanderstöcke schaden nicht.

Einkehr: Kapellenschänke am Breitenstein, Ossingerhütte und mehrere Gaststätten im Ort.

Karte: Wegen der Vielzahl der Wanderwege wird eine Karte im Maßstab 1:25 000 empfohlen.
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