Band-Nostalgie in Königstein
Für die Ökumene getrommelt

Die Kingstones (von links) Gerhard Trabandt, Peter Schertl, Michael Merkl und Wilfried Langer (sitzend) brachten vor 50 Jahren den Beat nach Königstein. Ihr Auftrittsort war das ehemalige katholische Schulhaus. Bild: Archiv wku
Kultur
Königstein
17.10.2016
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1966 gaben die Beatles in San Francisco ihr letztes Konzert vor Publikum. In jenem Jahr nahm auch die Königsteiner Musikszene Fahrt auf. Der Beatclub im alten Schulhaus blieb nur eine kurze Episode, aber eine andere Band von damals besteht noch heute.

Vor 50 Jahren fanden sich in Königstein die Kingstones zusammen. Sie bestanden aus Peter Schertl und Wilfried Langer, mit 13 Jahren die Jüngsten in der Band, sowie Gerhard Trabandt und Michael Merkl. Ihr Name lehnte sich an die Rolling Stones an.

Die vier Nachwuchsmusiker traten in der ehemaligen katholischen Volksschule im Oberen Markt auf. Sie stand leer, da 1966 die christliche Gemeinschaftsschule eingeführt worden war. Der Unterricht lief in einem neuen Gebäude.

Nach dem Bad zum Beat


Das alte Schulhaus mauserte sich zum Jugendtreff. Hier machten die Kingstones Musik; manchmal am Samstagabend, oft im Sommer nach dem Besuch des Freibads. Als sich herumsprach, dass in Königstein ein Beatclub gegründet worden war, kamen die Fans bald auch aus den umliegenden Dörfern.

Im ersten Stock befanden sich zwei ehemalige Klassenzimmer, ein großes und ein kleines. Die Türen waren abgehängt. Die Räume waren dunkel, leer, ohne Sitzgelegenheit. Viele Poster hingen an den Wänden. Eine erhöhte Bühne aus Brettern zimmerten sich die jungen Musiker im großen Klassenzimmer. Wenn man sich mal unterhalten wollte oder es im Hauptraum zu voll war, gingen die Jugendlichen ins andere Zimmer. Die Fenster waren abgedichtet und mit einer Isolierung verkleidet, damit die laute Musik nicht nach außen dringen konnte.

Es war die Zeit der Beatles und der Miniröcke, zu denen die Mädchen meist weiße Stiefel trugen. Die Kingstones spielten die neuesten Hits, natürlich alle in Englisch. Ausgerüstet waren sie für damalige Verhältnisse relativ modern: Die Gesanganlage stammte von der Firma Echolette; die Verstärker von Fryka und Quelle hatten 30 Watt.

Plattenspieler als Lichtorgel


Ein zweckentfremdeter Plattenspieler diente als Lichtorgel. Auf der Schallplatte, die sich drehte, war eine Lampe montiert. Mit Buntpapier beklebt, produzierte sie tolle Effekte. Auch ein Stroboskop besaß die Band. Durch seine Lichtblitze waren die Bewegungen nur abgehackt zu sehen, als ob sich die Tänzer in Zeitlupe bewegen würden.

Mütter führen Aufsicht


All das war zu dieser Zeit topmodern. Einigen Eltern war der Beatclub aber ein Dorn im Auge. Manchmal kamen auch einige Mütter, um Aufpasser zu spielen. Irgendwann klemmte dann jemand den Strom in diesem ehemaligen Schulhaus ab. Das bedeutete das Ende des Beatclubs und der Kingstones. Später gab es dafür die Jeans, eine Nachfolgeband in veränderter Besetzung.

Im katholischen Schulhaus wurzelte - schon vor dem Beatclub eine andere Musikgruppe die heute noch besteht: die Ökurhythmics. Der damalige Lehrer Günter Schmid brachte seinen Schülern moderne Kirchenlieder nahe. Nach seinem Weggang verfolgten sie diese Idee weiter. Es bildete sich eine Band, die in der katholischen Kirche moderne geistliche Lieder vortrug. Josef Schwenzl kam 1966 als junger katholischer Pfarrer nach Königstein und unterstützte die Beteiligung der jungen Leute im Gottesdienst sehr.

Zunächst traten sie ohne richtigen Namen auf. Es war nur die Rede von denen, "die die Jazzmesse singen". Es waren Marga Pesold am Keyboard, Peter Schertl an der Gitarre, Michael Merkl am Bass und Wilfried Langer am Schlagzeug; Anneliese Pesold und Marianne Gradl sangen. Dass der evangelische Wilfried Langer in der katholischen Messe Schlagzeug spielte, war damals eine große Besonderheit - und in Königstein ein erstes Zeichen von Ökumene.

Vier sind heute noch dabei


Später kamen weitere Sänger und Instrumentalisten dazu. Irgendwann gab sich die Band den Namen Ökurhythmics. Er sollte ihren ökumenischen Geist ausdrücken. Die Band besteht immer noch, mit den Gründungsmitgliedern Peter Schertl als Leiter, Marga Brunner, Marianne Koch und Wilfried Langer.
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