Königstein, das Marktrecht und Kaiser Karl IV.
Breitensteiner setzen aufs falsche Pferd

Von der ehemaligen Burg, die die Breitensteiner Herren dem Kaiser Karl IV. im Jahre 1356 zur Hälfte schenkten, ist nur noch die romanische Kapelle erhalten. Bilder: wku (3
Kultur
Königstein
30.08.2016
91
0
 
Diese Stufen führen direkt hinauf zur Breitenstein-Kapelle.

Heuer wird der 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. gefeiert. Nicht nur mit Sulzbach und Auerbach, sondern auch mit Königstein muss er in Verbindung gebracht werden: Die Königsteiner verdanken ihm ihr Marktrecht.

Breitenstein. 1353 gründete Kaiser Karl IV. das Königreich Neuböhmen mit Sulzbach als Hauptstadt. Die Herrschaft Königstein-Breitenstein gehörte nicht dazu, denn die Breitensteiner waren eigenständige und unabhängige Herren ihres großen Besitzes. Und doch wollten sie sich an Kaiser Karl IV. als ihren Gebietsnachbarn binden, weil sie sich dadurch Vorteile erhofften.

Unter Eid


Oft war Kaiser Karl zu Besuch in Sulzbach. Das war für die Breitensteiner die Gelegenheit, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Am 18. Januar 1356 begaben sich die vier Breitensteiner Herren, die Brüder Hermann und Wernt von Breitenstein und deren Vettern Konrad und Heinrich nach Sulzbach zum Kaiser. Sie versprachen ihm unter Eid, dass sie niemals etwas gegen ihn oder seine Lande unternehmen würden, sondern ihm und seinen Nachkommen mit ihrer Burg Breitenstein zu Diensten stehen wollten. Nur im Falle eines Krieges zwischen Böhmen und dem Bischof von Bamberg wollten sie neutral bleiben, da ein Teil ihres Besitzes Bamberger Lehen war.

So stellten sie ihren Besitz unter den Schutz des Kaisers, womit sie aber auch ein Stück Unabhängigkeit aufgaben. Dessen Gegengabe war die Genehmigung, dass die Breitensteiner im Jahre 1358 das Marktrecht verliehen bekamen. Markttage abhalten zu dürfen, war sehr wichtig für die Entwicklung und den Aufschwung Königsteins. Dadurch ließen sich auch viele Handwerker und Händler hier nieder.

Hälfte abgetreten


Weiter erklärten die Breitensteiner ihre Burg zum "offenen Haus" für Kaiser Karl. Sie traten ihm die Hälfte ihres Besitzes ab und empfingen ihn wieder als Lehen. Der König bezog nun Einkünfte aus Breitensteiner Besitz, unter anderem auch aus dem Markt Königstein.

Das Jahr 1360 bescherte den Breitensteinern eine Gebietserweiterung: Sie wurden vom Kaiser mit zwei Forsthäusern im Veldensteiner Forst belehnt und wurden so die "Erbförster" von Wildenhof und Gaißach.

Ein Jahr später wurde das Verhältnis zwischen Karl IV. und den Breitensteinern neu geregelt. Der Kaiser nahm sie unter seinen besonderen Schutz und erklärte, sie von nun an bei allen ihren herkömmlichen Rechten und Gewohnheiten lassen zu wollen. Deren Rechte im Veldensteiner Forst wurden ebenfalls festgezurrt: Sie durften jährlich sechs Hirsche in diesem Wald erlegen, die Entnahme von Zimmer- und Brennholz war ihnen in beliebigen Mengen gestattet.

Rechte erhalten


Den Einwohnern des Marktes Königstein blieben ihre alten Zimmer- und Holzrechte erhalten, insbesondere die dortigen Schmiede, Büttner, Wagner und Drechsler durften ihren Bedarf an Holz und Holzkohlen im Veldensteiner Forst decken. Karl IV. behielt sich jedoch das Recht vor, in einem Krieg die Burg Breitenstein militärisch zu besetzen, haftete aber für die Schäden und erklärte sich 1361 bereit, im Falle einer Zerstörung die Burg wieder aufzubauen.

Bedeutende Ämter verlieh der Kaiser ebenfalls an die Breitensteiner. So ernannte er im Jahre 1372 Wernt II. von Breitenstein zum Landrichter von Sulzbach. Vermutlich war er für ganz Neuböhmen zuständig, das von Nürnberg bis zur tschechischen Grenze reichte.

Doch die Breitensteiner hatten aufs falsche Pferd gesetzt. Ihre Bindung an Kaiser Karl IV. erwies sich nach wenigen Jahren als verhängnisvoll. Der Kaiser kaufte im Jahre 1373 die Mark Brandenburg von den bayerischen Herzögen und versetzte unter anderem seinen Anteil an Sulzbach und auch an Breitenstein. Dadurch gerieten die Breitensteiner erstmalig in die Abhängigkeit der Herzöge von Bayern, die ja nun die Hälfte von Breitenstein und ein Drittel ihres Waldes besaßen. Das war für sie besonders schlimm, da sie zu den bayerischen Herzögen ein gespanntes Verhältnis hatten.

Langwierige Streitigkeiten


Karl IV. versuchte auch dann noch, die Rechte der Breitensteiner und vor allem ihre Selbstständigkeit zu wahren und legte dies in Verträgen fest. Diese Abmachungen genügten jedoch nicht zur einwandfreien Abgrenzung der beidseitigen Rechte. Das war aber der Anfang vom Ende: Von nun an begannen langwierige Streitigkeiten mit den Herzögen, die schließlich den Untergang der Breitensteiner herbeiführten. Sie wollten die Breitensteiner zu abhängigen Untertanen herabdrücken. Das gelang den bayerischen Herzögen auch immer mehr, bis sie schließlich den gesamten Besitz 250 Jahre später an sich brachten.

Den Breitensteinern blieb nur eines übrig: Sie beschwerten sich beim Kaiser. Dieser ließ durch seinen Sohn Wenzel am 15. August 1376 dem Hermann von Breitenstein in Anerkennung der dem Kaiserhause geleisteten Dienste zunächst 1000 Mark Silber-Konstanzer-Gewichte und seiner Frau noch 2000 Gulden anweisen. Das änderte nichts daran, dass die Breitensteiner in die Abhängigkeit der Bayernherzöge geraten waren, mit denen sie auf Kriegsfuß standen.

Als 1373 das Sulzbacher Gebiet an die bayerischen Herzöge kam, wurde auch das Landgericht geteilt. Sitz von Pfleger und Landgericht wurde nun Auerbach. Wernt von Breitenstein wollte auf keinen Fall mehr Landrichter in Sulzbach bleiben, das nun unter der Herrschaft der verhassten Bayernherzöge stand. Er zog es vor, lieber beim Kaiser im Dienst zu bleiben. So wechselte er von Sulzbach nach Auerbach. Dort wurde er königlich-böhmischer Landrichter und Pfleger (Verwalter). Er zog vom bisherigen Amtssitz Sulzbach an das neu geschaffene Landgericht Auerbach. Bis 1383 blieb er im Amt.

Als Marktrat


Resümierend lässt sich sagen, dass es den Breitensteinern und Kaiser Karl IV. zu verdanken ist, dass Königstein das Marktrecht verliehen bekam. Dies führte dazu, dass der Ort aufblühte und sich vergrößerte. Auf den Titel "Markt" sind die Königsteiner immer noch sehr stolz, ebenso legen die Gemeinderäte sehr viel Wert auf die Bezeichnung Marktrat, als Ratsherren des einzigen Marktes im ehemaligen Landgericht und späteren Landkreis Sulzbach (-Rosenberg).
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.