Erinnerungen an die Königsteiner Brautradition, die 1942 endete
Bierarzt geht zufrieden heim

Der letzte Königsteiner Braumeister war Andreas Herbst. Repro: wku
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Königstein
04.11.2016
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Mit dieser Butte trug der Braugehilfe Erhard Taubmann das Bier in die Keller am Bergl. Bild: wku

Seit 1516 bis heute gilt in Bayern das Reinheitsgebot. Der Bier-Nachschub aus dem Königsteiner Brauhaus ist dagegen 1942 versiegt. An der Qualität hat es sicher nicht gelegen. Die bestätigte zum Beispiel ein Sulzbacher Tierarzt nach eingehenden Untersuchungen.

Ursprünglich erbauten die Herren von Breitenstein ein Brauhaus, das nach ihrem Aussterben an den Sulzbacher Herzog überging. Er verkaufte es mitsamt den Brau- und Schankrechten an über 20 Königsteiner Bürger. Sie stellten einen Braumeister an und schenkten das Bier in ihren Wirtschaften abwechselnd aus. Wo, das zeigte ein grünes Bäumchen vor der Tür. Später löste es der "Bierzoigl" ab.

Der Breimoister-Jakob


An diese Vergangenheit erinnert nur noch der Hausname "Breimoister". So nennen die Königsteiner bis heute Jakob Herbst. Sein Vater Andreas, sein Großvater Michael und sein Urgroßvater Paul waren von Beruf Braumeister. Über 100 Jahre lang brauten sie das beliebte Kommunbier für 20 Bürger, die es in ihren Wirtschaften ausschenkten.

Der "Breimoister-Jakob" hat als Kind noch seinen Vater beim Brauen zugesehen. Die Familie Herbst wohnte gleich neben dem Brauhaus im Oberen Markt. Ihre Saison erstreckte sich auf die kalte Jahreszeit zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. März). In der sommerlichen Wärme wäre der Gerstensaft nur selten gut gelungen.

Lagerung in Felsenkellern


Das fertige Bier füllte man in Butten, die gut 50 Liter fassten. Diese trugen Frauen oder der Braugehilfe in kühle Felsenkeller, wo große Fässer dafür bereitstanden. Um es gut zu kühlen, brach man Eis aus den Königsteiner Weihern heraus und stellte es an die Kellerwände. Das Bier schenkten die Wirte in den Kommunwirtschaften Königsteins aus.

Das Bier muss besonders gut gewesen sein. Erzählungen nach ging der damalige Tierarzt von Sulzbach nach dem Besuch der Kommunwirtschaften abends zu Fuß zurück, um den Nachgeschmack des Bieres noch recht lange genießen zu können. Nicht selten klopfte er beim Braumeister Herbst ans Schlafzimmerfenster, um ihm höchstes Lob für sein Bier auszusprechen. Übrigens nannte man diesen Tierarzt deshalb auch den "Bierarzt".

Verlust auf dem Heimweg


Abends wurden die Kinder mit einem leeren Krug in die Kommunwirtschaften geschickt, um ihn für den Vater auffüllen zu lassen. Natürlich nippten sie beim Heimtragen auch gerne mal vom Gerstensaft. Wenn der Vater nachfragte, warum die Maß nicht voll sei, hieß es, sie hätten einen Teil beim Tragen verschüttet. Eine Maß kostete damals 20 Pfennige.

1942 endete die Königsteiner Brautradition. Einerseits mussten viele Männer in den Krieg ziehen, andererseits war der Anbau von Hopfen verboten worden. Kartoffeln und Gemüse waren wichtiger für die Versorgung der Bevölkerung. Damit war das Ende des Königsteiner Biers für alle Zeit besiegelt.

Erst Käse, dann Beat


Das Brauhaus ging in den Besitz der Gemeinde über. Nach dem Krieg richteten Flüchtlinge dort eine gut gehende Käserei ein. In den 1960er- Jahren war das urige Brauhaus mit seinen Gewölben eine Art Beat-Club, in dem die jungen Leute im Obergeschoss heiße Musik hörten und Partys feierten. Anfang der 1970er-Jahre wurde das mittlerweile baufällige Gemäuer abgerissen. Viele Königsteiner bedauern das noch heute. Jetzt würde das urige Brauhaus mit seinen Gewölben sicher unter Denkmalschutz stehen und gut zum Ensemble des alten Rathauses passen.

Heutzutage haben sich in Königstein noch acht Gastwirtschaften erhalten. Eigenes Bier schäumt aber nicht mehr in den Krügen. Eine Traditionsbetrieb steht aber in unmittelbarer Nähe: Die Privatbrauerei Haberler in Holnstein besitzt seit 1502 ihr Braurecht und stellt heute noch nach über 500 Jahren Bier her.

Malz auch im KaffeeAlle Grundstoffe waren vor Ort vorhanden: Gerste, Weizen und Hopfen bauten die Königsteiner selber an. Das Wasser floss in einer hölzernen Leitung direkt hinter dem Brauhaus vorbei. Es befand sich an der Stelle, wo heute der Kindergarten steht. Es verfügte über eine Mälzerei, in der es einen Raum mit einem Sudkessel und dahinter alte Gewölbe für das Malz gab. Am Brauhaus angebaut war ein Rösthäuschen, in dem Anna, die Frau des Braumeisters Michael Herbst, Farbmalz brannte. Diese wurde für die Farbe des Bieres und auch für den Kaffee verwendet. (wku)
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