Jubiläumsfeier in Königstein
Bergknappen feiern

Der Bergmannstanz wird bei besonderen Barbarafeiern aufgeführt und bildet immer den optischen Höhepunkt der Veranstaltungen. Das wird bei der 90-Jahr-Feier morgen auch der Fall sein. Bild: wku
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Königstein
02.12.2016
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Die Königsteiner Bergknappen werden 90 Jahre alt. Grund genug zu feiern. Daher verbindet der Verein morgen die Barbarafeier mit einem Jubiläum.

In der Landschaft um Königstein wurden früher zwei Arten von Bergbau betrieben, der Ocker- und der Eisenerzbergbau, wobei der letztere schon Jahrhunderte ruht. Jedoch liefen schon um die Jahrhundertwende einige Königsteiner in die Erzgruben nach Auerbach "übern Wald", um sich dort ihr Brot zu verdienen. Der erste war Leonhard Rösch, der sich im Jahre 1902 in einem stundenlangen Marsch ins Auerbacher Bergwerk aufmachte.

Lange Fußmärsche


Ihm folgten einige Jahre später Ulrich Knahn aus Gaißach und Leonhard Hiltl aus Kürmreuth. Wegen seiner langen Fußmärsche sagte der Pfarrer bei Hiltls Beerdigung: "Er ist zweimal um die ganze Welt gewandert." Vor dem Zweiten Weltkrieg verdienten dann auch einige Königsteiner im Sulzbach-Rosenberger Schacht ihren Lebensunterhalt. Für heutige Zeit unvorstellbar, aber die drei Bergmänner Wolfgang Leßnerkraus, Ulrich Mayer und Leonhard Fischer mussten 25 Jahre lang mit dem Fahrrad Sommer wie Winter nach Rosenberg ins Bergwerk fahren. Und das bei einem anstrengendem Drei-Schicht-Betrieb. Erst ab 1952 wurden die Bergmänner mit Bussen zu ihren Arbeitsstätten gefahren.

1956 fanden viele Männer aus Königstein und Umgebung Arbeit im Bergwerk in Sulzbach, von denen sich fast alle dem Bergknappenverein anschlossen. Auch in Königstein selbst gab es Bergbau in vielen kleinen Betrieben, nämlich die Ockergewinnung, auch Farberdenbergbau genannt. Dieser stand vor 90 Jahren in seiner Blüte.

Daher taten sich die Königsteiner Bergleute zusammen und gründeten am 15. Juni 1926 den Bergknappenverein Königstein und Umgebung. Der Verein hatte eine so große Anziehungskraft, dass sich ihm Königsteiner Handwerker, Geschäftsleute und Gastwirte als passive Mitglieder anschlossen, worauf er ein Jahr später bereits 100 Mitglieder zählte. Im Sommer 1928 wurde die Fahne geweiht. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch zahlreiche Kleinbetriebe des Ockerbergbaus, die an den Bretterhütten mit darunter liegenden Schächten zu erkennen waren. Um die Hütten lagerte die goldgelbe bis dunkelbraune Farberde. Die meisten Gruben lagen in der Nähe der Dörfer Wildenhof und Namsreuth.

Zwar gewann man Ocker in erster Linie für Farben, doch war seine Verwendung vielseitig. Die Farberde war nötig für die Herstellung von Linoleum, Edelputzen, Ölfarben, Tüncherfarben und sogar Heilmitteln. Bekannte Ockergrubenunternehmer in Königstein waren Peter Schertl und Hans Frieser.

BarbarafeierHeutzutage gibt es in der Region keinen aktiven Bergmann mehr, da am 11. Mai 1987 die Grube Leonie in Auerbach (als eine der Letzten) stillgelegt wurde.

Zuvor wurde im Jahre 1974 auch der Ockerbergbau eingestellt. Dennoch sollte der Beruf und der Bergmannsgeist nicht vergessen werden. "Der Fortbestand des Bergknappenvereins als Traditionsverein ist daher sehr wichtig", erklärte Vorsitzender Manfred Stollner.

Die Barbarafeier beginnt am Samstag, 3. Dezember, um 18 Uhr in der evangelischen St.-Georg-Kirche mit einem Gottesdienst. Um 17.45 Uhr stellen sich die Vereine zum Festzug am Rathaus auf.

Im Anschluss findet die weltliche Feier im Saal des Gasthofes zur Post statt. Hier nimmt Vorsitzender Stollner Ehrungen vor. Des Weiteren wird diesmal ein Trauerband offiziell übergeben. Bei einer Tombola können attraktive Preise gewonnen werden. (wku)
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