Heimatforscher an Volkshochschule
Gelungene Integration

Franz Worschech informiert bei zwei Vorträgen an der VHS Weiden über seine Forschungen der Geschichte der Sudetendeutschen. Bild: Götz
Kultur
Kohlberg
23.01.2016
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Mit den zahlreichen Flüchtlingen, die sich in der Region niederlassen, stellt sich immer wieder die Frage, wie diese in die bestehende Gesellschaft integriert werden sollen. Dass dies schon einmal gelungen ist - nämlich mit Heimatvertriebenen aus dem Sudentenland in den 1940er und den 1950er Jahren - zeigen die Forschungen von Dr. Franz Worschech. Seine Eltern sind selbst Sudetendeutsche, die in Kohlberg einen Neuanfang gewagt haben. Über seine aktuellen Ergebnisse spricht der Heimatforscher im Frühjahr bei zwei Vorträgen an der Volkshochschule Weiden.

In Bayern unerwünscht


"Die haben gedacht, wir sind Zigeuner. Dann haben sie aber gemerkt, dass wir doch etwas haben", habe Worschechs Mutter berichtet. Die Neuankömmlinge seien in Bayern nicht erwünscht gewesen, trotzdem sei ihre Eingliederung in Kohlberg "relativ problemlos" verlaufen, erzählt Worschech. Die Einwohnerzahl des Marktes habe sich unter anderem durch Zuzüge aus dem Sudentenland innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt.

Für die Unterbringung der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen sei ein Flüchtlingskommissar des Landratsamtes Neustadt zuständig gewesen. Über Zwangszuweisungen habe er die Neuankömmlinge auf die Wohnungen der Einheimischen verteilt - auch ohne deren Einverständnis. "Es gab Proteste, die Leute haben sich geweigert." Die damalige Lage sei aber ganz anders gewesen, als sie es heute ist. "Jetzt werden leerstehende Unterkünfte gesucht. Damals kamen die Flüchtlinge einfach in bereits belegte Wohnungen." Auf die Wünsche der Besitzer habe der Kommissar kaum Rücksicht genommen.

Trotz dieser Probleme habe die Gesellschaft die Neubürger aber recht schnell akzeptiert. Als Beispiel für eine gelungene Integration nennt Worschech Dr. Rudolf Bowel, der an der Universität Prag Medizin studiert hatte und in Kohlberg eine Praxis eröffnete. Er war damit der erste Arzt, der sich dort niederließ. Eine Tanzkapelle - ebenfalls bestehend aus Sudetendeutschen - spielte regelmäßig bei Veranstaltungen in der Region.

Vereine wichtig


Ebenso haben Sudetendeutsche den SV Kohlberg gegründet. In den ersten Jahren sei sogar ein ehemaliger tschechoslowakischer Fußballnationalspieler Trainer beim SV gewesen: Franz Putz, der in seiner Heimat beim FK Teplitz-Schönau spielte, kam aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach Weiden. "Vereine waren und sind wichtig für die Integration", betont der Heimatforscher.

ZeitzeugenFür seine Forschungen sucht Dr. Franz Worschech Zeitzeugen aus Kohlberg, Weiherhammer und Umgebung, aber auch aus West- und Nordböhmen. Interessenten melden sich unter E-Mail shf.worschech@t-online.de oder Telefon 09605/2524.
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