Gusti Welzl feiert 85. Geburtstag
Ständchen für „eiserne Gusti“

Mit vielen Gästen feierte Auguste Welzl (rechts) 85. Geburtstag. Die "Binner-Gusti", wie sie die Kohlberger auch nennen, trägt seit fast einem Vierteljahrhundert täglich die Zeitung aus. bild:jml
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Kohlberg
16.04.2016
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In Berlin gab es mal einen Droschkenkutscher, der bei schlechtester Witterung bis nach Paris fuhr. Dafür bekam er den Ehrennamen "Eiserner Gustav". Die Kohlberger haben ihre "Eiserne Gusti". Sie bringt seit fast einem Vierteljahrhundert jeden Tag pünktlich den Neuen Tag zu den Lesern. Nun feierte sie 85. Geburtstag.

Das Zeitungsaustragen will sie schon noch eine Weile machen: "Wenn mich der Herrgott lässt", fügt sie hinzu. Dafür steht sie jeden Morgen um drei Uhr auf, um alles vorzubereiten. "Am Sonntag, wenn ich länger schlafen könnte, ist das wieder nichts, da bin ich dann auch munter", schmunzelt die Jubilarin. Mehr als zwölf Mal ist sie bei glatten Straßen mit dem Rad schon gestürzt. "Abgeschürft habe ich mich dabei, verschwollen war alles, aber nie was gebrochen. Der Doktor hat manchmal gesagt, dass er das gar nicht verstehen kann."

"Binner-Gusti"


In ihrem Ausweis steht Auguste Welzl, aber die Leute kennen sie eher unter ihrem Hausnamen "Binner-Gusti". Der geht auf einen historischen "Nöttlbinner" zurück, der im Markt einmal Bürgermeister war. Sie stammt aus einem kleinen Bauernhof, ihr Vater war tagtäglich als Postbote unterwegs, die Mutter versorgte das Anwesen.

Als ältestes von neun Kindern musste die kleine Gusti schon früh in Haus und Hof, Feld und Stall mitarbeiten. Und nebenher ihre kleineren Geschwister mit erziehen.

Dann schuftete sie beim Neubau ihres Elternhauses mit und war einige Zeit in Gärtnereien beschäftigt. Arbeit von früh bis spät für die Familie prägt bis jetzt ihr Leben. 1957 heiratete sie Hermann Welzl, einen Glasmacher. Das Paar zog in eine kleine Wohnung im Obergeschoss des elterlichen Anwesens. Ende der 50er Jahre besaßen die Welzls einen der ersten Fernseher im Ort. Abends saßen oft die große Familie und noch etliche Besucher dicht gedrängt in der kleinen Küche und verfolgten gespannt die Schwarz-Weiß-Filme auf der Mattscheibe.

In den 60er Jahren baute sich das Paar sein eigenes, geräumiges Haus im Erlenweg. Die Jubilarin zog acht Kinder auf. Freude hat sie an ihren 13 Enkeln und 5 Urenkeln. Auch Schicksalsschläge blieben ihr nicht erspart. Seit 18 Jahren ist Gusti Welzl Witwe.

Hasen und Hühner


Neben dem Zeitungsaustragen arbeitet die Naturfreundin im Garten, versorgt Stallhasen und hält Hühner. Als Geschenk zum Geburtstag bekam sie gleich noch ein paar dazu, samt dem Futter. Ihr Wohnzimmertisch quoll bei der Feier über von Blumen, Süßigkeiten und Geschenken.

Dazu gab es für "die Gusti" noch eine ganz besondere Überraschung: das Geburtstagsständchen, gespielt von einem Nachwuchs-Chor der Nabburger Blaskapelle. Die jungen Musiker kommen alle aus der mehr oder weniger entfernten Verwandtschaft ihrer Kinder. Dazu schwang die Jubilarin selbst den Taktstock.
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