Nach angekündigter Filialschließung
Raiffeisenbank und Bürgermeister überlegen Alternativen zur Geschäftsstelle

Die Raiffeisen-Zentrale in Auerbach will dieses Gebäude bald loswerden. Bürgermeister Josef Götz bezweifelt, dass sich auf die Schnelle ein Käufer findet. Bild: war
Wirtschaft
Kohlberg
16.09.2016
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"Ganz klar: Ich bin schwer enttäuscht", sagt Rudolf Götz zu den Plänen der Raiffeisenbank Auerbach-Freihung, die Filiale in Kohlberg samt Geldautomat Ende des Jahres zu schließen. Nächste Woche hat er noch einmal ein Gespräch mit dem Vorstand. Doch Hoffnung klingt anders.

Der Bürgermeister hat in der Marktratssitzung angeregt, im Rathaus eine Stelle einzurichten, in der die Bank stundenweise Geld auszahlen könnte. "Dazu müsste natürlich umgebaut werden, vor allem, was die Sicherheit betrifft. Und dann ist da natürlich die Frage, wer das zahlt."

Aus der Raiffeisenbank klingt das nicht so abwegig. "Wir sind mit dieser Option an die Gemeinde herangetreten", sagt Vorstand Michael Sommer. Er könnte sich vorstellen, dass alle 14 Tage ein Mitarbeiter, der Bargeld auszahlt oder Einzahlungen entgegennimmt, stundenweise im Rathaus zur Verfügung steht. Die Kunden müssten allerdings vorher anrufen und die gewünschte Summe bestellen.

Das wäre ohne größere Umbauten möglich, glaubt Sommer. Da in Kohlberg Einzelhändler fehlen, komme leider keine Bargeld-Agentur in Betracht. So etwas betreibt die Bank in Etzelwang beim Bäcker. Dort legitimiert sich der Kunde mit seiner Karte an einem Automaten und bekommt aus der Ladenkasse Geld ausgezahlt, das von seinem Konto abgebucht wird. Für die Bank ist das wesentlich günstiger als ein klassischer Geldautomat, der dem Vernehmen nach 25 000 Euro Unterhalt pro Jahr kostet. Aus diesem Grund baut die Bank zum 31. Dezember auch ihren Automaten in Kaltenbrunn ab.

Sommer spielt in diesem Zusammenhang mit dem Gedanken, so eine Zahlstelle im Kohlberger Raiffeisen-Lagerhaus einzurichten. "Darüber haben wir aber noch nicht gesprochen." Von der Alternative, eine rollende Geschäftsstelle in Form eines Lieferwagens einmal pro Woche nach Kohlberg zu schicken, wie es die Vereinigten Sparkassen in manchen Orten tun, hält er wenig.

"Glauben Sie mir, wir haben uns vor diesem Schritt viele Gedanken gemacht", sagt Sommer und verweist auf die altbekannten Faktoren: Druck durch Nullzinspolitik und Onlinebanking. Zudem gehen die Auerbacher wohl davon aus, dass sich viele Kohlberger ihr Geld schon beim Einkauf in Nachbarorten besorgt haben. Die nächsten Filialen sind in Weiherhammer und Freihung. Dort dürfte auch der bisherige Kohlberger Angestellte unterkommen. Sollte jemand wenig mobil sein und intensivere Beratung brauchen, käme ein Mitarbeiter schon mal nach Hause, versichert Sommer.

Was aus der Immobilie in Kohlberg wird, die der Bank gehört, weiß der Vorstand noch nicht. Das Haus verfüge über Internetanschlüsse und sei vielseitig nutzbar. Sommer bringt alte Kohlberger Pläne, einen Dorfladen einzurichten, für das Gebäude ins Gespräch. Bürgermeister Götz ist vorerst skeptisch: "Ich glaube, da droht erstmal ein Leerstand."

Neue PartnerKostendruck macht's manchmal nötig, dass aus Konkurrenten Partner werden. Am Standort Michelfeld (Kreis Amberg-Sulzbach) startet die Raiffeisenbank Auerbach-Freihung gemeinsam mit den Vereinigten Sparkassen Eschenbach, Neustadt/WN und Vohenstrauß eine Beratungsgeschäftsstelle. In den bisher von der Sparkasse genutzten Räumen werden die Institute nach Vereinbarung Kunden beraten. Ein Geldautomat steht Kunden beider Häuser kostenfrei zur Verfügung. (phs)
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