"Das Recht geliebt, das Unrecht gehasst"

Die Journalistin Lilo Hagen, hier im Bild mit Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr, hielt nach der Eröffnung ihrer Ausstellung auch einen Vortrag über das Leben und Wirken von Pater Ingbert Naab. Bild: jr
Lokales
Konnersreuth
10.03.2015
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Was brachte eine protestantische Journalistin dazu, sich dem Andenken eines katholischen Ordensmannes zu widmen? Diese und weitere Fragen beantwortete Lilo Hagen aus Rheinland-Pfalz bei der Präsentation ihrer Ausstellung über Pater Ingbert Naab in Konnersreuth.

Im voll besetzten Ausstellungsraum im Bioladen Eckstein verwies die Referentin auf ein prägendes Ereignis im Jahr 2005. "Bei einem Open-Air-Konzert in der kleinen Gemeinde Vorderweidenthal im Landkreis Südliche Weinstraße wurde der Sohn meiner Freundin zum Krüppel geschlagen. Er wird den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen." Und das alles sei nur passiert, weil ihn jemand für einen Ausländer gehalten habe. "In meiner endlosen Verzweiflung und meiner grenzenlosen Wut erinnerte ich mich an einen großen Sohn der Stadt Dahn, der bereits 1924 lautstark vor Adolf Hitler gewarnt hatte. Jenen Pater Ingbert Naab, der in meiner Heimat zu dieser Zeit lediglich Insidern bekannt war."

Anfangs skeptisch

Pater Ingbert Naab sei vielen Zeitgenossen als gütiger, einfühlsamer, bescheidener und furchtloser Kapuzinerpater in Erinnerung geblieben. "Pater Ingbert Naab sprach immer in der Sprache der Freundschaft. Er war ein gefragter Seelsorger, er kannte alle Wege menschlicher Irrungen, Fehlschüsse und Selbsttäuschungen." Gemeinsam mit Fritz Gerlich habe er in München die Zeitung "Der Gerade Weg" herausgegeben und gegen das menschenverachtende Gedankengut des Nationalsozialismus gekämpft. Bereits als junger Priester habe sich Naab für die Jugend eingesetzt, deren Bildung sei ihm ein großes Anliegen gewesen. "Denn aus gebildeten Jugendlichen werden selbstständig denkende Erwachsene", so Pater Naabs Ansicht. Den Ereignissen um Therese Neumann in Konnersreuth sei der Pater zunächst skeptisch gegenüber gestanden - dennoch sei er dem Konnersreuther Kreis beigetreten. "Pater Ingbert Naab wurde ein heftiger Kritiker Adolf Hitlers und sprach diesem jedes christliche Ehrgefühl ab", betonte Lilo Hagen. "Es kam, wie es Pater Ingbert Naab vorausgesehen hatte, am 5. März 1933 endete die Demokratie in Deutschland." Noch kurz zuvor habe der Pater Hitler als Betrüger und Narr bezeichnet. Seinem Provinzial sei es gelungen, Pater Naab rechtzeitig aus der Schusslinie zu bringen. Mit Hilfe gefälschter Papiere sei die Ausreise in die Schweiz möglich geworden. Am 28. März 1935, acht Monate vor seinem 50. Geburtstag, verstarb Pater Naab im Elsass. Auf seinem Grabstein stand: "Ich habe das Recht geliebt, das Unrecht gehasst." Im April 1953 wurden die sterblichen Überreste nach Eichstätt überführt.

Die Ausstellung entstand im Jahr 2005 und war seitdem in Eichstätt, Ingolstadt, Altötting und Augsburg zu sehen. Im Bioladen Eckstein kann sie noch bis einschließlich 29. März jeweils samstags und sonntags von 14.30 bis 17 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.
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