Den Glauben leben und bezeugen

Pater Benedikt Leitmayr (links) und Domvikar Rainer Schinko beim Gebetstag für die Seligsprechung von Therese Neumann. Bild: kro
Lokales
Konnersreuth
27.07.2015
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"Macht das Gebet überhaupt noch Sinn?", fragte Domvikar Rainer Schinko provokant beim Gebetsabend für die Seligsprechung von Therese Neumann. Sein Ja folgte sofort. Denn die Menschen bräuchten Halt.

Die Predigt von Domvikar Rainer Schinko stand ganz im Zeichen der hohen Zahlen von Kirchenaustritten. Schinko, der seit 2001 auch Direktor der Regensburger Domspatzen ist, legte 1990 in Fockenfeld das Abitur ab; er ist ein Abiturkollege des Konnersreuther Thomas Eckert.

Zu Beginn des Gottesdienstes freute sich Pater Benedikt Leitmayr nicht nur über eine voll besetzte Pfarrkirche. Sein besonderer Gruß galt den Ordensschwestern, zwei davon aus Uganda. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Konnersreuther Jugendblaskapelle unter der Leitung von Armin Scharnagl umrahmt.

Ohne Gebetserfahrung

In seiner hochinteressanten und nachdenklich stimmenden Predigt ging Domvikar Schinko auf den dramatischen Zusammenbruch der Glaubenssubstanz in Deutschland ein. Viele Kinder hätten heutzutage keinerlei Glaubens-, geschweige denn Gebetserfahrung. Es fehle die Bindung an die Kirche. Sie pflegten nur das eigene seelische Wohlbefinden mit einem Sammelsurium aus Spiritistischem und Esoterischem. Heute würde der Glaube oft als rückständig abgetan, ja sogar lächerlich gemacht, so Rainer Schinko.

Was in Bayern nun angekommen sei, gebe es in anderen Bundesländern schon lange, ein massenweises Wegbrechen der aktiven Katholiken, leere Kirchen. Mache es da noch Sinn, für die Seligsprechung von Therese Neumann zu beten - in einer Zeit, in der die Kirche einem Dauerfeuer von Vorwürfen ausgesetzt sei. Aber Orte wie Konnersreuth und Menschen wie Therese Neumann wiesen auf die Welt des Glaubens hin. So wie Jesus damals die Apostel ausgeschickt habe, so sende er heute Glaubenszeugen aus in eine Welt, in der seine Botschaft oft nicht mehr bekannt sei. Dabei suchten die Menschen damals wie heute nach einem Halt. "Wir Christen", so der Prediger, "sind nicht der letzte Rest, sondern der Sauerteig des Glaubens".

Vorbild sein

Wenn man das Leben von Therese Neumann anschaue, dann stelle man fest, dass aufgrund ihres Lebens und ihrer Art zu glauben, sich viele Menschen bekehrt und den Glauben neu gefunden hätten. Gerade deshalb habe die Seligsprechung große Bedeutung. Denn das Zeugnis der Resl sei bedeutend für die Zukunft des Glaubens in Deutschland, aber auch für das eigene Glaubenszeugnis im Alltag. Weder Misserfolg noch Ablehnung könnten eine Ausrede sein, den Glauben durch ein vorbildliches und lebensfrohes christliches Leben zu verkünden. "Ein Glaubenszeugnis in unserer Zeit."
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