"Der erste Schuss fiel um 17.45 Uhr"

Der frühere Bürgermeister Willy Bauer hat seine persönlichen Erinnerungen über den 20. April 1945 festgehalten. Bild: jr
Lokales
Konnersreuth
20.04.2015
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Am 20. April 1945 wurde Konnersreuth von den Amerikanern befreit - Willy Bauer erinnert sich - Heute Abend Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche.

"Der erste Schuss auf Konnersreuth fiel um 17.45 Uhr. Er kam aus nordwestlicher Richtung". Willy Bauer erinnert sich noch ganz genau, er stand damals mit seinem Vater Johann vor dem Wohnhaus in der Arzberger Straße. Die Granate schlug nur etwa 150 Meter entfernt davon ein. Ein Splitter in der Nähe des Wohnhauses.

Damals 13 Jahre alt

"Daraufhin suchten wir sofort im Gebäude Schutz, ehe wir kurze Zeit später wieder vor das Haus gingen, um die Situation zu beobachten". Willy Bauer war damals 13 Jahre alt. Der heute 83-jährige ehemalige Bürgermeister der Marktgemeinde (1970 bis 1984) hat seine Erinnerungen an diesen Tag am 25. Juni 2010 zu Papier gebracht. "Vor diesem Schuss, waren weder in der Umgebung, noch im Ort selbst, Schüsse zu hören." Damit räumt Bauer mit bisherigen Vermutungen auf, wonach die SS auf Konnersreuth geschossen haben könnte. "Ich hätte solche Schüsse wahrgenommen", sagte Bauer zum NT.

Am Nachmittag des 20. April spielte Willy mit anderen Kindern bei der Kapelle. Er sah ein Aufklärungsflugzeug am Himmel. Deutliche Rauchwolken waren von Oberfranken her sichtbar. Hohenberg wurde beschossen. Willy Bauer erinnert sich, dass in seinem Wohnhaus ein Soldat der Genesungstruppe einquartiert war. Der Soldat habe gegen 16.45 Uhr das Haus verlassen, da er am Therese-Neumann-Platz antreten musste. "Als er unser Wohnhaus verließ, zeigte er auf das Flugzeug und sagte, dass dies der gefährlichste Flieger sei, weil er alles auskundschafte."

Bauer betont in seinen Aufzeichnungen, dass die SS kein Aufklärungsflugzeug abgeschossen hat. Sie habe dafür gar nicht die notwendige Bewaffnung gehabt. Im Ort sei lediglich ein Schützenpanzer mit aufgebautem Maschinengewehr und einer Dreimann-Besatzung unterwegs gewesen.

Eine Kugel übrig

Ob der Panzer der SS oder der Genesungsgruppe gehörte, kann Bauer nicht sagen. "Der Schützenpanzer stand schräg gegenüber unseres Wohnhauses. Unser Nachbar, Hans Rögner sprach den Kommandanten an, was sie denn noch wollten." Der erwiderte, er solle ins Haus zurückgehen und dass er für ihn schon noch eine Kugel übrig hätte.

"Hans Rögner und Johann Bauer bekamen Angst. Beide hatten Kriegserfahrung aus dem ersten Weltkrieg. Vermutlich wollten sie erreichen, dass der Schützenpanzer abzieht, um weiteren Schaden abzuwenden. Der Panzer wechselte laufend seinen Standort, fuhr in den Lanzenweg, dann in die Hauptstraße in Richtung Ortsmitte. Kurz darauf haben die ersten Geschosse im Lanzenweg eingeschlagen, vermutlich weil die Aufklärungsflieger den Standort des Panzers beobachtet haben."

Nach dem Beschuss im Lanzenweg suchte die Familie Schutz im Keller. Nach dem Angriff half Willy Bauer beim Löschen. Das in Konnersreuth ein Aufklärungsflugzeug abgeschossen worden wäre, davon weiß er nichts. "Als Kinder hätten wir doch in den kommenden Tagen dieses Flugzeug besichtigt. Das wäre ja schließlich eine Sensation gewesen."

"In den Abendstunden des 20. April 1945 brannte Konnersreuth lichterloh", bestätigt Ehefrau Maria. Sie war damals knapp zwölf Jahre alt und lebte in Rosenbühl. Sie bestätigt, dass es nachmittags in Konnersreuth nicht brannte. Von einem abgeschossenen Flugzeug weiß auch sie nichts.

Willy Bauer weiß genau, dass die Amerikaner einen Tag später gegen 9 Uhr in den Ort kamen. "Sie haben uns nicht geholfen beim Brand löschen." Bauer kann sich nicht an Einschussstellen erinnern, die aus östlicher Richtung stammten. Die Kugeln der sichtbaren Einschlusslöcher müssen nach seiner Einschätzung aus nordwestlicher Richtung gekommen sein. Eis sei unplausibel, dass, wenn die SS den Ort beschossen hätte, die Amerikaner Konnersreuth zusätzlich angegriffen hätten. Vielmehr hätten die Amerikaner die SS unter Feuer genommen. Schließlich kreiste ja das Aufklärungsflugzeug permanent über Konnersreuth. Vermutlich hätten die Amerikaner das Feuer eröffnet, weil sie im Ort deutsche Soldaten ausgemacht hatten.

Sechs Todesopfer

Der Beschuss forderte laut Willy Bauer sechs Todesopfer, drei Zivilisten und drei Soldaten. Willy Bauer hat seine Aufzeichnungen über den 20. April 1945, wie er ihn als Augenzeuge erlebt hat, an Eides statt erklärt. Zur Erinnerung an den Beschuss findet heute Abend um 19 Uhr ein Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche statt.
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