Kutzer blickt über die Grenze

Die Schülerinnen aus Pilsen haben extra eine Torte gebacken. Alle sind begeistert vom Praktikum bei der Firma Kutzer. Mit im Bild Juniorchef Verena und Patrick Kutzer (von rechts), Arbeitsagentur-Chef Thomas Würdinger (links) und Kreishandwerksmeister Karl Arnold (Dritter von links). Bild: sbü
Lokales
Konnersreuth
28.01.2015
140
0

Viele reden nur vom grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt, das Backhaus Kutzer setzt ihn um. Zusammen mit der Arbeitsagentur Weiden und der Handwerkskammer wird derzeit ein grenzüberschreitendes Projekt initiiert. Und alle Beteiligten versichern, dass dies erst der Anfang ist.

(sbü) Vier Schüler der Berufsfachschule Pilsen absolvieren derzeit ein vierwöchiges Praktikum in der Großbäckerei in Konnersreuth. Es sei erst einmal ein Test, um sich kennenzulernen, formuliert es Juniorchef Patrick Kutzer bei einem Pressetermin sehr vorsichtig. Doch die Geschäftsleitung hat weitergehende Überlegungen im Hinterkopf.

Es könnte zu einer Weichenstellung in ihrer Nachwuchspolitik kommen, weil es immer schwieriger geworden ist, Jugendliche für Handwerksberufe zu gewinnen. Die sogenannten Ernährungsberufe wie Bäcker und Metzger sind vom Rückgang der Bewerberzahlen ganz besonders betroffen. Und was liegt da näher, als den Blick über die nahe Grenze zu werfen, sagten sich Backhaus Kutzer, Arbeitsagentur Weiden und Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Schließlich gibt es in Pilsen eine Berufsfachschule, die Jugendliche in Ernährungsberufen ausbildet. "Monatelange Vorbereitungen waren notwendig, damit vier tschechische Schüler im Backhaus Kutzer ein Praktikum absolvieren können", verrät Thomas Würdinger, Leiter der Arbeitsagentur Weiden. Die erste Hälfte des Praktikums ist abgeschlossen und alle Beteiligten sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf.

Vor allem die vier Schülerinnen erklären unisono: "Wir fühlen uns hier sehr wohl, die Arbeit macht viel Freude." Auch Seniorchef Robert Kutzer ist begeistert von den Mädchen. Die jungen Tschechinnen wurden in allen wichtigen Firmenbereichen eingesetzt. Ein Meister war so begeistert, dass er eines der Mädchen gleich da lassen wollte.

Doch noch ist es nicht ganz so weit. Weniger wegen bürokratischer Hindernisse, vielmehr sind die Ausbildungssysteme in Tschechien und Deutschland sehr unterschiedlich. Da stellt sich zum Beispiel die Frage, ob die Mädchen in Deutschland nochmals eine komplette Ausbildung absolvieren müssen oder ihr tschechischer Berufsabschluss als Bäckerin oder Konditorin als gleichwertig anerkannt wird?

Eines der Mädchen erklärte sich spontan bereit, nochmals bei Kutzer eine Ausbildung zu absolvieren. Die anderen überlegen noch. Sehr praktisch denkt Patrick Kutzer. Er antwortet auf die Frage, zu welchen Bedingungen er jemand mit tschechischem Berufsabschluss beschäftigt: "Wenn sich eine tschechische Fachkraft mit Berufserfahrung bei mir bewirbt, erfolgt zunächst eine Probezeit als Helfer. Bewährt sie sich, gibt es auch den deutschen Facharbeiterlohn." Dass aber im formal-rechtlichen Bereich der Anerkennung von ausländischen Berufsabschüssen noch mancher Handlungsbedarf besteht, räumt auch Ludwig Rechenmacher als Experte von der Handwerkskammer durchaus ein.

Erst der Anfang

Für die Kutzers ist das Projekt erst ein Anfang, um weitere Nachwuchskräfte aus Tschechien zu gewinnen. Sie haben auch schon Erfahrung, denn "knapp 40 tschechische Arbeitnehmer, 10 Prozent aller Beschäftigten, haben wir jetzt schon". Und die Firmenchefs denken auch schon an die Zukunft. "Wir Bäcker sollten uns über die Grenze hinweg zusammenschließen." Böhmische und Oberpfälzer Back-und Konditoreiware ergänzten sich sehr gut. Und an die Adresse der Schülerinnen gerichtet, fällt der Satz: "Wäre es nicht wunderschön, wenn ihr nach einigen Jahren Beschäftigung bei uns, dann bei euch zu Hause eure eigenen Waren verkauft?"
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.