Protest ist schon angesagt

Wer Strom transportieren will, braucht Leitungen. Eine Hochspannungs-Gleichstromtrasse lehnt die Bürgerinitiative Stiftland aber ab. Archivbild: tr
Lokales
Konnersreuth
17.11.2015
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Der Widerstand formiert sich: Mit einem klaren Nein zum Bau einer Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung sagen besorgte Bürger aber auch ein deutliches Ja zu einer ökologisch fundierten Energiewende. Und da sind sich Naturschützer, Bauern und Politiker einig.

Im Gasthof "Zum weißen Ross" gründeten besorgte Stiftländer eine Bürgerinitiative. Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier fungierte als Vertreter der betroffenen Kommunen, nachdem sich sein Amtskollege Max Bindl entschuldigt hatte.

Widerstand leisten

Gerald Schmid von der Aktionsgruppe "Global Marshalplan" übernahm die Begrüßung. Da bereits vor einigen Wochen ein ähnliches Treffen in Mitterteich stattgefunden hatte, bei dem das Für und Wider ausführlich besprochen worden war, waren sich Anwesenden sofort einig, innerhalb einer Bürgerinitiative ihre Bedenken öffentlich kundzutun und gegen den geplanten Bau Widerstand zu leisten.

Die Mitglieder vermuten, dass Kohlestrom vom nordöstlichen Teil der Bundesrepublik in den Süden befördert werden soll. Die Befürchtung, dass sich die Verbindung zum im tschechischen Temelin erzeugten Atomstrom herstellen lässt, wurde ebenfalls angesprochen. Bürgermeister Grillmeier verwies auf die enormen Ausmaße der Baustelle. Laut Information der beauftragten Firma Tennet solle parallel zum bestehenden Ostbayernring ein Ersatzneubau entstehen. Die Transportkapazität werde dabei von derzeit 1,6 GW auf 4,5 GW erhöht. Anschließend solle die alte Trasse rückgebaut werden. Das seien schon mal zwei aufwendige Bauvorhaben mit entsprechenden Einschnitten in das Landschaftsbild. Hinzu käme dann noch die Gleichstromtrasse (HGÜ), die vorrangig mit Erdverkabelung verlegt werden soll, also ein dritter "aufwühlender" Bauprozess. Mitglieder des Bauernverbandes wehrten sich vehement gegen die Erdverkabelung. Sie würde nicht nur eine enorme Bodenverdichtung nach sich ziehen, es würden auch Wasseradern und Drainagen zerschnitten und wegen der Wärmeentwicklung beim Stromtransport, weitläufige Flächen ausgetrocknet. Für die Landwirtschaft sei das ein nicht wieder gut zu machender Schaden, der der Allgemeinbevölkerung kaum bewusst sei. "Der Mensch lebt nicht vom Strom allein", hieß es.

Ohne Kohle und Atom

Die Notwendigkeit der HGÜ-Trasse wird von den Gegnern grundsätzlich in Frage gestellt. Zu den Forderungen der BI-Mitglieder gehören unter anderem eine unabhängige Überprüfung, eine Neufassung des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes (NABEG) und des Bundesbedarfsgesetzes (BBPIG), Rücksichtnahme auf gesundheitliche Gefährdung durch unerprobte Technik, eine verbindliche Bürgerbeteiligung solange noch alle Optionen offen sind sowie eine dezentrale Lösung der Energiewende ohne Kohle und ohne Atom.

Die BI-Stiftland schließt sich den bereits bestehenden Bürgerinitiativen im Steinwald, Fichtelgebirge, Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN an. Gemeinsam will man bei der Veranstaltung "Infomarkt zum Projekt Ostbayernring" der Firma Tennet am 24. November in Falkenberg vorstellig werden. Man hofft auf zahlreiche Unterstützung aus dem Landkreis.
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