Seit 67 Jahren an der Orgel

So kennen ihn die meisten Konnersreuther: Franz Queitsch an der Orgel in der Pfarrkirche St. Laurentius. Bild: jr
Lokales
Konnersreuth
28.11.2014
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Gerade einmal 23 Jahre war Franz Queitsch alt, als er 1947 das Amt des Organisten in der Konnersreuther Pfarrkirche St. Laurentius übernahm. Bis heute ist er in dieser Funktion tätig - und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Am Sonntag feiert der leidenschaftliche Musiker seinen 90. Geburtstag.

Franz Queitsch zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten in der Marktgemeinde. Und auch darüber hinaus hat er sich einen Namen gemacht, denn gerne spielt er aushilfsweise in anderen Pfarreien, darunter in Steinmühle. Pfarrseelsorger Pater Benedikt Leitmayr ist glücklich über den "Franz, der mit den Jahren immer jugendlicher wird".

Franz Queitsch wurde als jüngstes von neun Kindern geboren. Schon immer hat ihn die Musik gefesselt und in den Bann gezogen. So besuchte er für kurze Zeit die Kirchenmusikschule in Regensburg, ehe er mit 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde. 1942 kam er zur Militärausbildung nach Prag und wurde anschließend mit der "Hoch- und Deutschmeisterdivision" zum Einsatz nach Italien geschickt. Am 12. Juli 1944, so erinnert er sich noch ganz genau, geriet er in amerikanische Gefangenschaft.

Arbeitseinsatz in Missouri

Im Alter von erst 20 Jahren musste Franz Queitsch auf den Baumwollfeldern im US-Bundesstaat Missouri arbeiten. In dieser Zeit lernte er den amerikanischen Musikstil lernen und lieben, den er auch heute noch schätzt. Im April 1946 kam Queitsch zurück nach Europa, wo er von der "Royal Air Force", der britischen Luftwaffe, als Arbeiter in der Grafschaft Wiltshire eingesetzt wurde. Wie schon in Amerika musizierte er auch in England, vor allem bei Gottesdiensten, aber auch bei privaten Feiern. Im November 1947 wurde Queitsch aus der Gefangenschaft entlassen und durfte nach Konnersreuth zurückkehren.

Damals, im Alter von 23 Jahren, nahm Franz Queitsch seinen festen Platz an der Orgel der Pfarrkirche St. Laurentius ein. In den folgenden Jahrzehnten diente er unter sechs Pfarrern - Josef Naber, Josef Schuhmann, Anton Vogl, Prof. Dr. Wolfgang Vogl, Berthold Helgert und Pater Benedikt Leitmayr. "Das Spielen an der Kirchenorgel hat mich nie mehr los gelassen, ich bin mit Leib und Seele dabei", betont er. Häufig anzutreffen ist er auch an der Orgel der Hauskapelle in Fockenfeld. Im vergangenen Jahr wurde Franz Queitsch für seine kirchenmusikalischen Verdienste mit der Bischof-Sailer-Medaille ausgezeichnet.

Dabei begann alles mit der Ausbildung bei Heinrich Bornschlegl, der ihm das Orgelspielen in der Basilika in Waldsassen beibrachte. Genau fünf Jahrzehnte lang leitete Queitsch den Konnersreuther Kirchenchor, Höhepunkte waren die Einsätze bei zahlreichen Primizen, Bischofsbesuchen und Karfreitagsliturgien. Für diese Tätigkeiten erhielt der Musiker im Jahr 2000 mit die Ehrenmedaille der Marktgemeinde.

Postzustellung auf Skiern

Das Herz von Franz Queitsch schlägt nicht nur für die Kirchenmusik, sondern auch für die Unterhaltungsmusik. So trat er früher regelmäßig in Clubs in Haingrün und Arzberg auf und begeisterte dort die US-Soldaten. Hauptberuflich war Franz Queitsch als Landzusteller bei der Post beschäftigt, ehe er 1987 in den Ruhestand ging. Die Post brachte er seinen Konnersreuthern zumeist mit dem Fahrrad, im Winter auf Skiern. Mit Beginn seines "Unruhestandes" weitete er sein musikalisches Wirken weiter aus. Ab 1988 begleitete er mit Stimme und Akkordeon Busgesellschaften auf Reisen durch Europa. So ging es etwa in die Dolomiten, nach Sizilien und nach Norwegen.

Regelmäßige Wanderungen

Dass er auch mit 90 Jahren noch so fit ist, dürfte nicht zuletzt an seiner Liebe zum Sport liegen. In früheren Jahren gewann Franz Queitsch so manche Pokale bei Skilangläufen. Noch heute wandert er regelmäßig fünf bis neun Kilometer in der Umgebung der Marktgemeinde. Da kann es schon mal sein, dass er dann etwas später heimkommt, wenn zwischendurch ein Gasthaus allzu verführerisch lockt. Einem Sherry oder Whiskey, seinen beiden Lieblingsgetränken, ist der Jubilar nie abgeneigt. "Ich fühle mich wohl, ich liebe die Fröhlichkeit und das Leben", sagt Franz Queitsch, dem man sein hohes Alter wahrlich nicht ansieht.

Seit 1955 ist Franz Queitsch mit seiner Frau Maria verheiratet, die sein Musikerleben stets mit Humor begleitet hat. Zum Geburtstag werden auch die vier Kinder, acht Enkel und drei Urenkel gratulieren. Auf die Hausmusik mit seinen Enkeln will er übrigens auch an seinem Ehrentag nicht verzichten, wie er verrät. "Ich danke dem Herrgott für die Gesundheit und freue mich auf mein weiteres Leben", sagt Franz Queitsch.

Die große Feier steigt am Sonntag in den Räumen des Musikvereins. Neben der Familie und Freunden werden viele Bekannte ihre Glückwünsche übermitteln. Der Gratulantenschar schließt sich dann auch "Der neue Tag" an.
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