Spürnase gegen Käfer und Co.

Wenn Mäx aus einem der Gurkengläser einen Baumschädling erschnüffelt hat, spürt er diesen mit 98-prozentiger Treffsicherheit auf. Bild: ubb
Lokales
Konnersreuth
06.11.2015
30
0

Nicht nur Fuchs und Hase müssen sich vor ihm in Acht nehmen: Jagdhund Mäx spürt höchst skurrile "Baumfrevler" auf. Pilz- oder Käferbefall kann er riechen, noch bevor diese Übeltäter überhaupt erst sichtbar werden.

Nirgendwo ist das Sprichwort "Liebe geht durch den Magen" besser angesiedelt als bei Mäx. Der Münsterländer tut für ein Stückchen Allgäuer Hartkäse alles. Seine Leidenschaft geht derart weit, dass er dafür höchst wunderliche Dinge wie Wurzelschwämme oder den übelriechenden Schwefelbowling erschnüffelt. "Außer, eine Hundedame ist in der Nähe", schränkt Edgar Wenisch lachend den großartigen Spürsinn seines vierbeinigen Freundes ein.

Wenisch erzählt von Mäxens Ausbildung zum Gehölzpathogen-Spürhund, wo gleich drei Hündinnen den armen Kerl in schreckliche Konzentrationsschwierigkeiten gebracht haben. Dabei sollte Mäx gerade bei dieser Ausbildung im niedersächsischen Wendland seine Spürnase noch sensibilisieren. Mäx hat die Erfordernisse der nicht leichten Schulung zum Spürhund für Baumkrankheiten und -schädlinge dann trotz der verlockenden "weiblichen Duftnoten" bestens gemeistert.

Ausgebildet wurde er unter Leitung von Dana Schneider in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und dem Sachverständigen-Kuratorium. Seither begleitet der treue Jagdhund sein Herrchen nicht nur auf die Jagd. Mäx dient Edgar Wenisch zudem als sachkundiger Mitarbeiter auf vier Beinen.

Dazu muss man wissen, dass Edgar Wenisch als vereidigter Sachverständiger und Gerichtssachverständiger für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Bäumen deutschlandweit und international unterwegs ist. Mit der gut ausgebildeten Spürnase seines Hundes kann Wenisch nun manche Problemfälle im Vorfeld klären oder gar verhindern. Mäx verbellt jedes Holz, das nur annähernd nach einem Schadensfall "riecht".

Gurkenglas als Archiv

Aber wo kriegt man die Witterung für zum Beispiel einen asiatischen Laubholzbockkäfer her? Wenisch hat dafür eine einfache Methode entwickelt. Die wichtigsten Geruchsnuancen für die tägliche Arbeit am Baum archiviert er in schlichten Gurkengläsern. Dann geht's los: Mäx - dessen eigentlicher Zuchtname "Didi von Höllbach" lautet - nimmt eine kräftige Brise, die Suche beginnt.

Geballter Geruchscocktail

Ungleich schwerer wie bei Hase & Co. muss der Spürhund nicht selten aus einem geballten Cocktail verschiedener Gerüche den Übeltäter herausfinden. Und natürlich verbellt Mäx den Baum nicht wirklich. Hat er einen Schädling erschnüffelt, setzt er sich brav vor das Objekt und wartet auf Herrchen.

Edgar Wenisch ist ziemlich stolz darauf, wie perfekt Mäxens Nase funktioniert: "Seine Treffsicherheit liegt bei 98 Prozent!", schwärmt er. Sein Münsterländer kann alles aufspüren, was er vorher vor die Nase bekommt. "Dazu gehören auch Borkenkäfer, Brandkrustenpilze, Wurzelschwämme, asiatische Citrusbockkäfer, Trüffel oder Drogen. Und sogar Leichen oder Krebserkrankungen am Menschen könnte er erkennen", erklärt Wenisch weiter.

Mäxens Einsatzobjekte sind nicht nur Bäume. Gehölze aller Art, Paletten, Blumentöpfe sowie Holz aus chinesischen Frachtschiffen gehören ebenso dazu. Seine Premiere bei einem großen bayerischen Automobilhersteller für eine Baumkontrolle hat der vierbeinige Sachverständige mit Bravour bestanden. Hier vertraut der Mensch dem Tier: Mäxens Spürnase wird Glauben geschenkt. "Denn ein Hund ist völlig unbefangen und neutral, also frei von allem Verdacht, parteiisch vorzugehen. Das ist bei meinen Gerichtsgutachten ein entscheidendes Argument", sagt Wenisch.

Einer von Vieren

Dass Mäx zusammen mit drei weiteren Gehölzpathogen-Spürhunden weltweit einmalig ist, weiß nur sein Herrchen. Mäx ist das völlig egal - Hauptsache, die leckere Käse-Ration bleibt nicht aus. Letztere hat er sich jetzt verdient. Fürs Fotoshooting bewies er eine Engelsgeduld, schnüffelte brav an teils grässlich stinkenden Objekten und wedelte dabei stets "charmant" in die Kamera. "Aber das hat nur geklappt, weil keine Hundedame in der Nähe war", lacht ein zufriedener Edgar Wenisch und streichelt seinem "Mitarbeiter" anerkennend über den Kopf.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.