Bergtour einmal ganz anders

Nach einem zügigen Aufstieg erreichten Edgar Wenisch und sein Spürhund Mäx in der Mittagszeit das Gipfelplateau der Zugspitze.
Vermischtes
Konnersreuth
20.08.2016
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Dem unermüdlichen Mäx bereitete auch der Klettersteig auf dem letzten Abschnitt der Aufstiegsroute keine Probleme. "Er brachte mich nicht in die kleinste Verlegenheit oder gar in Gefahr durch Ziehen, Springen oder andere unkontrollierte Bewegungen. Er schien hochkonzentriert", berichtet Edgar Wenisch.

Am frühen Morgen in Konnersreuth starten, zusammen mit einem Hund auf knapp 3000 Meter aufsteigen und abends schon wieder in der Heimat bei den Stammtischbrüdern sitzen - ist so etwas zu schaffen? Edgar Wenisch hat es ausprobiert.

Als der Wetterbericht kürzlich herrliches Sonntagswetter verspricht, packt den leidenschaftlichen Bergsteiger Edgar Wenisch die Lust zu einer spontanen Tour. "Aber leider hatte ich nur diesen einen Tag Zeit dafür, und ein richtiger Berg sollte es schon sein, also 3000 Meter hoch", erzählt der Baumsachverständige. Damit kommt nur die Zugspitze infrage. "Vom Gipfel kann man nach sechs Stunden Besteigung in zehn Minuten mit der Gondel zurück zum Auto fahren", weiß der 56-Jährige.

Allerdings gibt es noch ein "Problem": In Konnersreuth würde am besagten Sonntag das Pfarrfest steigen, wo sich um 18 Uhr sein Stammtisch zum wöchentlichen Dämmerschoppen verabredet hatte. In dieser Runde will Wenisch nicht fehlen. "Geht das?", fragt er sich und beginnt zu rechnen. Immerhin liegen gut 350 Kilometer zwischen Konnersreuth und dem höchsten Berg Deutschlands. Einmal vor Ort, würde er die Strecke übers sogenannte "Gatterl" wählen, so die Überlegung. "Alle anderen Routen habe ich schon mehrmals genommen", erklärt Wenisch. Nicht zuletzt möchte er seinen "Kleinen Münsterländer" Mäx mitnehmen - als Belohnung, dass der zertifizierte Gehölzpathogenspürhund zuletzt sehr gut gearbeitet hat. Nach kurzer Zeit entschließt sich Edgar Wenisch, die Aktion durchzuziehen.

Um 2 Uhr morgens geht es dann los, "mit gehörig Müdigkeit im Körper", dem vorbereiteten Rucksack und einem etwas überraschten Mäx. "Er hat ungläubig geschaut, war aber dann sofort dabei", berichtet Wenisch. Bei der eintönigen Fahrt auf der leer gefegten Autobahn - zum Munterbleiben schallt Discomusik aus dem Autoradio - wird Wenischs Laune zunehmend schlechter. Immer wieder fragt er sich: "Wie kann man bloß sowas machen?"

Motivationsschub


Doch als nach dreieinhalb Stunden Fahrt im Morgengrauen die ersten kleinen Berge auftauchen, hebt sich die Stimmung schlagartig. "Bei der Ankunft an der Ehrwalder Alm schmetterte Romina Power, die Sonne ging auf und ich war in absoluter Bergsteigerstimmung und sicher, dass ich alles richtig gemacht habe", schildert Wenisch den erneuten Motivationsschub.

Mit zwei Jungs aus Nürnberg steigen Edgar Wenisch und Mäx anfangs gemeinsam auf, doch die Franken sind dem Duo aus Konnersreuth bald zu langsam. Die Zeit drängt. "Wenn ich das Ziel, um 18 Uhr beim Dämmerschoppen zu sein, erreichen will, muss ich um 12 Uhr auf dem Gipfel der Zugspitze stehen. Es ist 6.30 Uhr und es liegen immerhin 1900 Höhenmeter vor uns." Die beiden kommen zügig voran, Mäx lässt sich von anderen Tieren auf den Bergalmen nicht aus der Ruhe bringen. Edgar Wenisch genießt die Tour: "Oberhalb der Baumzone ist die Wahnsinns-Landschaft erst richtig zu bestaunen. Trotz aller Sünden, die man der Zugspitze angetan hat, ist sie immer noch eine Majestät mit mannigfaltigen Freuden und Gefahren für jeden, der sie ohne Gondel besteigen will."

Klettersteig kein Problem


Um 8.30 Uhr erreichen Wenisch und Mäx die 2000 Meter hoch gelegene Knorrhütte. Von dort geht es steil nach oben zum Sonnalpin. "Mäx hat es unheimlich Spaß gemacht, er schien die Strapazen überhaupt nicht wahrzunehmen." Vom Sonnalpin bis zum Gipfel ist noch ein Klettersteig zu bewältigen, auf dem reger Verkehr herrscht. "Viele fragten mich, ob ich da wirklich mit dem Hund rauf will", erzählt Wenisch. "Keine Frage, ich kenne den Klettersteig sehr gut und Mäx ist eine Bank, mit ihm kann man so etwas machen." Je nach Geländeanforderung habe der mit Brustgeschirr gesicherte Hund sofort sein Laufverhalten angepasst, so Wenisch. "Er brachte mich nicht in die kleinste Verlegenheit oder gar in Gefahr durch Ziehen, Springen oder andere unkontrollierte Bewegungen. Er schien hochkonzentriert."

Pünktlich um 12 Uhr stehen Edgar Wenisch und Mäx tatsächlich auf dem Gipfelplateau, wo sich unzählige Menschen tummeln. "Ich kaufte mir für 4 Euro eine Wurst am höchstgelegenen Bratwurststand Deutschlands, für meinen Freund Mäx hatte ich eine Schale Hundefutter mit nach oben getragen, die er genüsslich vertilgt hat." Nach der verdienten Stärkung besteigt das Duo die Zugspitzbahn ins Tal und fährt das letzte Teilstück zum Auto mit dem Bus.

Es ist 13.35 Uhr, als Edgar Wenisch das Navigationssystem aktiviert. "Ankunft 17.15 Uhr", heißt es auf dem Display. "Es ist also zu schaffen!", lautet seine Reaktion. Anfangs herrscht noch freie Fahrt, aber rund um München bilden sich Staus und die Ankunftszeit verschiebt sich immer weiter nach hinten. Der zuvor unermüdliche Mäx bekommt davon nichts mit, was Wenisch beruhigt: "Mäx hat während der Fahrt hörbar gut geschlafen. Er war eben doch auch etwas müde nach diesem Tag."

Um 17.45 Uhr treffen die beiden Bergsteiger in Konnersreuth ein, Mäx "duscht" noch schnell in einem Weiher und um 18.30 Uhr lässt sich Edgar Wenisch neben seinen Stammtischbrüdern auf dem Pfarrfest nieder - eine halbe Stunde später als geplant. Sein Fazit: "Das Ziel habe ich zwar nicht erreicht, aber einen wunderschönen Tag auf Deutschlands höchstem Berg erlebt."
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