Tödliche Mission in Afrika

Eine große Delegation aus Konnersreuth reiste 1988 zur Seligsprechung von Pater Liberat Weiß nach Rom. Im Bild ein Zusammentreffen der Pilgergruppe um den damaligen Bürgermeister Michael Hamann (Mitte) mit Papst Johannes Paul II. Bild: hfz
Vermischtes
Konnersreuth
03.03.2016
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In Konnersreuth erinnern heute ein Brunnen am Kirchplatz (links) und ein Gemälde in der Pfarrkirche an den seligen Pater Liberat Weiß. Bilder: jr (2)

Heute vor 300 Jahren starb der aus Konnersreuth stammende Pater Liberat Weiß, der 1988 seliggesprochen wurde. Die Pfarrei St. Laurentius gedenkt des Missionars bei einem Pontifikalamt und einem Konzert.

Hauptzelebrant und Prediger ist Weihbischof Dr. Josef Graf aus Regensburg. Beginn ist um 19 Uhr in der Pfarrkirche. Anschließend nimmt die Konnersreuther Jugendblaskapelle im Altarbereich Aufstellung und gibt ein Konzert.

Der Brunnen, geschaffen von Engelbert Süß, erinnert seit 1993 an den Seligen. Abgebildet ist Pater Liberat Weiß auch auf einem Ölgemälde am rechten Seitenaltar der Pfarrkirche. Angefertigt hat es der polnische Künstler Slawomir Galazka.

Freiwillig nach Äthiopien


Pater Liberat wurde am 4. Januar 1675 in Konnersreuth geboren und auf den Namen Johannes Laurentius getauft. Mit 18 Jahren bat er um die Aufnahme in die österreichische Franziskanerprovinz. Im Oktober 1693 wurde er in Graz als Frater Liberat eingekleidet, im September 1698 erhielt er in Wien durch Erzbischof Leopold Kardinal Kolonitz die Priesterweihe.

Zunächst als Prediger und Beichtvater in Langenlois (Niederösterreich) und Graz tätig, hörte er, dass König Yasu von Äthiopien Papst Clemens XI. um Franziskaner-Missionare gebeten habe. Pater Liberat meldete sich für diese Aufgabe und reiste nach Rom, wo er im April 1704 in die Kongregation für die Glaubensverbreitung als Missionar aufgenommen wurde.

Mit anderen Brüdern brach der Konnersreuther am 1. Januar 1705 nach Äthiopien auf. Nach großen Strapazen erreichte die Gruppe Sennar im heutigen Sudan. König Bade hinderte die Franziskaner an der Weiterreise, hielt sie jahrelang fest und bedrohte sie mit dem Tod. Einige Mitbrüder starben an Entkräftung. Schließlich schickte König Bade die Patres wieder zurück nach Ägypten.

Ende Dezember 1710 berichtete Pater Liberat Weiß vom Scheitern der Missionsreise. Nur er und ein weiterer Pater hatten überlebt. Im November 1711 startete Pater Liberat die zweite Missionsreise nach Äthiopien, diesmal über das Rote Meer. Begleitet wurde er von Pater Michel Pio Fasoli und Pater Samuele Marzorato.

Standhaft bis zum Tod


Mitte April 1712 erreichten sie die äthiopische Hafenstadt Massaua und schließlich die Hauptstadt Gondar. Kaiser Justus empfing die Franziskaner mit allen Ehren und erlaubte ihnen, sich niederzulassen. Sie durften zwar nicht predigen, um das Volk nicht in Aufruhr zu versetzen. Stets gutes Beispiel gebend gewannen sie aber zunehmend an Ansehen. Nachdem im Januar 1716 David III. den Thron bestiegen hatte, ließ er die drei Missionare nach Gondar holen und stellte sie vor Gericht. Beim Prozess im März wurden sie zum Tode durch Steinigung verurteilt.

David bot ihnen die Begnadigung an - doch dafür müssten sie sich beschneiden lassen und an der äthiopischen Eucharistie teilnehmen. Das Trio wies dieses Angebot entschlossen zurück. In Ketten gelegt und ihrer Kleider beraubt wurden sie am 3. März 1716 zu einem Hinrichtungsplatz geschleppt und von einer aufgebrachten Volksmenge gesteinigt.

HintergrundSeligsprechung 1988 in Rom

Seit 1926 bemühte sich die österreichische Franziskanerprovinz um ein Seligsprechungsverfahren. Es zogen noch einmal sechs Jahre ins Land, bis die Prozedur schließlich im Erzbistum Wien eingeleitet wurde.

Durch die ungünstigen Zeitverhältnisse fast in Vergessenheit geraten, wurde dieses 1977, dank der Initiative des damaligen Regensburger Bischofs Rudolf Graber, wieder aufgenommen. Nach 56 Jahren fand der Seligsprechungsprozess durch die Veröffentlichung des Dekrets am 28. März 1988 seinen Abschluss. Die feierliche Seligsprechung fand am 20. November 1988 in der Basilika St. Peter in Rom durch Papst Johannes Paul II. statt. Mit dabei waren 50 Konnersreuther, darunter der damalige Pfarrer Anton Vogl und Bürgermeister Michael Hamann. Noch heute schwärmen die Teilnehmer von dieser fünftägigen Reise.

Am nächsten Tag folgte eine Audienz bei Papst Johannes Paul II. Diese hautnahe Begegnung mit dem Oberhirten war für alle ein besonderes Erlebnis.

Als Geschenk für den Heiligen Vater hatten die Konnersreuther zwei Bronzereliefs dabei. Eines zeigt Pater Liberat Weiß, das andere Therese Neumann, auf deren Seligsprechung die Konnersreuther weiter hoffen. (jr)
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