Vorstoß für Nahwärmekonzept

Erheblichen energetischen Sanierungsbedarf sieht die Marktgemeinde beim Rathaus (Bild). Dieses könnte bei der Schaffung einer zentralen Nahwärmeversorgung mit einbezogen werden. Bild: jr
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Konnersreuth
15.11.2016
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Mit einer Überraschung wartete Bürgermeister Max Bindl jetzt im Marktrat auf: Konnersreuth ist eine von zwölf bayerischen Kommunen, deren geplante Nahwärmeversorgung kommunaler Gebäude mit Mitteln aus der Europäischen Union gefördert werden kann.

In den Jahren 2014 bis 2020 stehen im Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) rund 30 Millionen Euro für derartige Projekte zur Verfügung. Weil in Konnersreuth schon länger der Plan existiert, mittels einer zentralen Hackschnitzelheizung die Turnhalle, die Aula und die Grundschule, den Schafferhof, das Musikvereinsheim und das Rathaus zentral zu beheizen, soll nun eine Teilnahme an dem Programm geprüft werden.

Eine gute Stunde nahm sich der Marktrat Zeit, um über dieses Thema zu beraten. Florian Rüth vom Regionalmanagement des Landkreises stellte das "Energieeffizienz-Netzwerk für Kommunen" vor. Betreuung und Beratung während des Projekts würden Professor Dr. Ingenieur Markus Brautsch von der OTH Amberg-Weiden und sein 30-köpfiges Ingenieurteam übernehmen. Sie würden auch die Förderanträge professionell begleiten und die Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchführen.

Keine Privatgebäude


Geschäftsleiter Markus Troesch informierte, dass die teilnehmenden Kommunen mit einem Fördersatz von 60 bis 80 Prozent rechnen könnten. "Ziel ist jetzt die kommunale Energieeffizienz, dafür stehen die Tore jetzt weit offen", sagte Troesch, der zugleich darauf verwies, dass das inzwischen aufgelöste Kommunalunternehmen (KUK) dieses Projekt schon länger verfolgt habe. Besonders beim Rathaus gebe es einen großen Bedarf für eine energetische Sanierung. Gleiches gelte für die Schulturnhalle und den dazugehörenden Vorraum. Nicht berücksichtigt werden könne das Kinderhaus, weil die Leitung dorthin zu lange und damit der Wärmeverlust groß wäre. Private Anwohner könnten sich nicht anschließen, einzig und allein kommunale Gebäude sollen energetisch ertüchtigt werden. Andreas Malzer (CSU) wollte wissen, ob die vom KUK erarbeiteten Konzepte mit berücksichtigt werden können. Troesch will dies prüfen lassen.

Bauphase 2018 bis 2022


Der Geschäftsleiter ging dann auf den möglichen Zeitplan ein. Die Ausarbeitung des Antrags würde bis April 2017 geschehen, die Antragstellung bis Mitte 2017. An Mitteln für die Antragstellung würden im Haushalt für die Jahre 2017 bis 2019 knapp 22 000 Euro eingeplant. Als nächstes würde Professor Brautsch eine Kostenschätzung erstellen. Sollte der Kostenrahmen bzw. der notwendige Eigenanteil verkraftbar sein, könnte das Projekt in den Jahren 2018 bis 2022 umgesetzt werden.

Troesch versicherte, dass der Marktrat eng mit eingebunden würde. "Unser Ziel ist es, als erste Maßnahme gleich den Schafferhof ins Nahwärmekonzept einzubinden. Bis 2019 sollen die Arbeiten am Schafferhof abgeschlossen sein, danach würde es mit Turnhalle und Rathaus weitergehen. "Wir können mit Hilfe des Netzwerkes hochqualifizierte Ingenieurleistungen einkaufen, die sonst kaum zu bezahlen wären." Im März will Professor Brautsch persönlich in den Marktrat kommen und das Projekt näher vorstellen.

Andreas Malzer erkannte einen gewissen Zeitdruck und sprach von einer Chance für die Marktgemeinde. Edgar Wenisch (SPD) fragte provozierend, ob man in Konnersreuth denn eine Gelddruckmaschine gefunden habe. Markus Troesch erwiderte: "Wir müssen auch weiter gut haushalten, aber auf lange Sicht würden wir damit viel Geld sparen." Peter Andritzky (CSU) sah in der Nahwärmeversorgung kein besonderes Projekt und bemerkte, dass dieses Heizwerk ja nicht für ein Gebäude wie etwa ein Klinikum gedacht sei.

Drei Gegenstimmen


Die große Mehrheit des Marktrates folgte dem Wunsch der Verwaltung und stimmte für die Ausarbeitung eines Antrags, verbunden mit einer engen Zusammenarbeit mit Professor Markus Brautsch. Lediglich Peter Andritzky (CSU) und die SPD-Räte Edgar Wenisch und Wolfgang Pötzl votierten mit Nein. Noch in dieser Woche soll es zum Vertragsabschluss mit der OTH kommen.

Es vergeht fast keine Marktratssitzung ohne verbale Scharmützel. Dieses Mal "krachte" es am Ende des mehr als dreistündigen öffentlichen Teils. 2. Bürgermeister Reinhard Wurm (Freie Wähler) kritisierte die beiden SPD-Markträte Edgar Wenisch und Wolfgang Pötzl, weil sie weder bei der Zehnjahrfeier der Partnerschaft Konnersreuth-Tepla, noch bei der jüngsten Ikom-Sitzung in Mitterteich mit dabei gewesen seien. "Mich stellen sie öffentlich an den Pranger, wenn ich mal eine Sitzung schlichtweg übersehen habe und sie kommen selber nicht. Für mich sind solche Städtejubiläen Pflichtsitzungen", wetterte Wurm. Bei der Ikom-Sitzung habe laut Wurm übrigens bis auf zwei Freie Wähler der komplette Marktrat gefehlt. "Die Markträte haben auch eine Hol-Schuld, an Informationen zu kommen", sagte Wurm. An die Adresse von Wolfgang Pötzl schob Wurm noch nach, dass dieser in der Eigenschaft als Jugendbeauftragter auf das Fehlen der Markträte beim "Rama-Dama" hingewiesen habe, aber selbst nicht zu "Pflichtveranstaltungen" komme.

Pötzl konterte: "Ich muss schon noch selbst entscheiden können, was wichtig ist und was nicht." Edgar Wenisch nannte es "einfach unglaublich", was Wurm als 2. Bürgermeister als Pflichtveranstaltungen ansehe. "Was er sagt, interessiert mich nicht. Die Veranstaltungen, die ich besuchen will, besuche ich auch. Feierlichkeiten sind Feierlichkeiten und Sitzungen sind Sitzungen", so Wenisch. Bürgermeister Max Bindl bat die Markträte, gesellschaftliche Anlässe in der Gemeinde stärker wahrzunehmen. "Wir treten als Ganzes, als eine Gemeinde auf."
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